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- 4.7.2009: Prolog zum Main Event – Mein Videoblog von der WSOP Teil 6
- 27.6.2009: Finaltisch im Omaha Hi/Lo – Mein Videoblog von der WSOP Teil 5
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- 12.5.2009: CAPT Innsbruck: 7. Platz im Main Event
- 13.4.2009: Von notwendigen Strategieanpassungen
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Archive für März 2007
EPT Finale in Monte Carlo
30.3.2007 von Michael Keiner.
Von der Pokerszene sehnsüchtig erwartet und mit reichlichen Vorschusslorbeeren bedacht, startete am 28. März das wohl größte Pokerturnier, das Europa bis zu diesem Zeitpunkt gesehen hatte. Schon die Anzahl der vorher getätigten Reservierungen ließ darauf schließen, dass das diesjährige EPT Finale alle Rekorde brechen würde. Austragungsort war das in der Nähe des monegassischen Yachthafen gelegene Monte Carlo Bay & Ressort. Ein technisch hochmodern ausgestatteter, geräumiger Veranstaltungssaal, bestückt mit 40 Pokertischen, die besten Dealer aus aller Welt und die erfahrene Turnierleitung von Thomas Kremser sollten perfekte Voraussetzungen für eine rundum gelungene Veranstaltung schaffen.
Ich nahm am 26. März noch in Wales an einer Fernsehproduktion für 888.com teil, so dass ich am Dienstag von Cardiff über Amsterdam nach Nizza anreisen musste. Mit deutlicher Verspätung erreichte ich gegen 22 Uhr den Veranstaltungsort und stellte mich umgehend in der langen Schlange am Check in Schalter an. Meiner Bitte, am Tag 1 B spielen zu dürfen, wurde großzügigerweise von der Turnierleitung entsprochen, so dass ich nach den ziemlich stressigen letzten Wochen wenigstens noch einen Tag zur Regeneration und Akklimatisierung herausschinden konnte.
Das Buy in von 10.000 € in Verbindung mit den hohen Teilnehmerzahlen versprach einen außergewöhnlich hohen Preispool, so dass auch etliche Topprofis aus Amerika den Weg nach Monte Carlo auf sich nahmen. Als dann die offiziellen Zahlen veröffentlicht wurden, war wahrscheinlich selbst der Veranstalter positiv überrascht: 706 Spieler hatten ein Startgeld von 10.000 € auf den Tisch geblättert oder sich einen Seat online gesichert, so dass ein Preisgeld für den Gewinner von über 1,8 Millionen € lockte, selbst der zehnte Platz wurde noch mit knapp 100.000 € vergütet.
Aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen wurde die Veranstaltung insgesamt um einen Tag verlängert, der Finaltisch sollte erst am 02. April ausgetragen werden. 7 Levels à 90 Minuten standen am jeweiligen Tag 1, der organisatorisch in ein Feld A und B aufgeteilt wurde, auf dem Programm. Die Startdotation an Chips betrug 15.000 und der erste Blindlevel war 25/50, alle Merkmale eines Deep Stake Turniers wurden also erfüllt. Am Tag 1A reduzierte sich das Feld von 329 gestarteten Spielern auf insgesamt 159, der Tag 1B hatte mit 377 Teilnehmern ein etwas größeres Starterfeld.
Pünktlich um 14 Uhr nahm ich an meinem Tisch Platz und musste zu meiner Überraschung feststellen, dass ich bis auf einen ziemlich locker spielenden Franzosen keinen einzigen weiteren Mitbewerber persönlich kannte. Die zwanglose Plauderei der nachfolgenden Minuten brachte etwas Licht ins Dunkel. 3 Amerikaner, die ihren Sitz mit Einsätzen zwischen 30 und 50 $ bei mehreren Onlinesatellites gewonnen hatten, 1 italienischer Geschäftsmann, der aus einer Laune heraus zum ersten Mal an einem Pokerturnier teilnahm und dafür 10.000 € hinblätterte, 2 Engländer, die ihren Sitz ebenfalls online ergatterten, sowie 2 weitere ziemlich verbissene Zeitgenossen, die mir nicht mal ihr Herkunftsland verraten wollten, bildeten die Anfangskonfiguration. Schon nach einer Stunde war mir klar, dass ich entweder mit mindestens 50.000 Chips den Tisch verlassen würde oder relativ früh die Segel streichen müsste. Der Italiener konnte nicht einmal vernünftig das Board lesen, gewann aber über irgendwelche Wunderkarten seine wiederholten All ins, nur um dann innerhalb von Minuten seine Chips erneut sinnlos am Tisch zu verteilen. Die 3 Amis spielten tatsächlich so, als ob es sich um ein 30 $ rebuy Turnier handeln würde, selbst Gus Hansen hätte deren Strategie als äußerst kreativ bezeichnet. Deren Schwäche lag eindeutig in einem massiven Overplay ihrer Karten und genau hier wollte ich meinen Hebel ansetzen, während ich geduldig auf meine Chance wartete. Besonders mein linker Nachbar zeigte ausgeprägtes Interesse an meinen Aktivitäten und callte jedes Raise von mir. Chance Nr. 1 bot sich, als ich am Button K-J suited dreifach raiste und sein Standard call aus dem Small Blind bekam. Der Flop schenkte mir mit J-10-6 das Toppaar und meine potsized Bet wurde natürlich wieder gecallt. Ein König am Turn gab mir Top 2 Paar, erneut wettete ich ungefähr Pot und wurde sofort gecallt. Der River brachte eine belanglose 4, allerdings lagen jetzt 3 Karos im Board. Er checkt zum dritten Mal, aber irgendwie schien ihm der River recht gut gefallen zu haben. Ich checke also ebenfalls und sofort präsentiert er mir mit Q-3 in Karo den zweithöchsten Flush. Zwei Stunden später renne ich wieder in ihn, diesmal mit A-J, erneut zeigt er mir einen Flush am River. Auf diese Art und Weise habe ich bis etwa 22 Uhr die Hälfte meiner Chips verbraten, ohne auch nur einen einzigen Showdown gewonnen zu haben. Vielleicht wendet sich jetzt das Blatt, denke ich noch, als ich in MP1 Pocket Asse finde, das erste hohe Paar des Turniers. Ich raise den dreieinhalbfachen Big Blind, das obligatorische Call meines linken Nachbarn natürlich erwartend. Er macht mir die Freude und wir sind Heads Up preflop. Das Board zeigt 10-8-2 rainbow, ich checke und er spielt mit 1.000 etwa halben Pot an. Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich, gleich all in zu gehen und ohne viel Überlegung callt er meine restlichen 5.500. Im Showdown zeigt er 10-9 offsuit, ich bin also mit 78 % klarer Favorit und hoffe inständig, die Hand gewinnen zu können. Aber natürlich kommt am River die 9, er macht 2 Paar, meine Asse sind nur noch Schrott wert und das EPT Finale hat einen Spieler weniger.
Na gut, dann werde ich halt mein Glück in den angebotenen Nebenevents probieren, nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
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European Spring Festival Wien
14.3.2007 von Michael Keiner.
Direkt von Dortmund aus bin ich am vergangenen Sonntag nach Wien gedüst. Hier sollte am Montag um14:00 Uhr eines meiner Lieblingsturniere starten. Das frühere World Series of Poker Trial hat zwar nach Rechtsstreitigkeiten mit der Harrahs Gruppe seinen Namen verloren, nicht aber seine fantastische Struktur.15.000 Startchips, 90 Minuten Levels und ein sehr flacher Anstieg der Blinds machen dieses auf 5 Tage angesetzte No Limit Holdem Turnier in Europa einzigartig. 206 Teilnehmer hatten sich angemeldet, bei einem Buy in von 3.000.- € gab es stolze 191.000.- € für den Sieger.
Der Start an Tag 1 verläuft für mich denkbar schlecht. Innerhalb der ersten 3 Stunden verliere ich zunächst einen gefloppten Drilling gegen einen Riverflush, danach zu allem Überfluss auch noch ein Full House gegen Four of a Kind. In jedem anderen Turnier hätte ich schon längst das Geschehen als Zuschauer weiter verfolgen müssen, aber das Deepstake zu Beginn lässt mir noch ein paar Möglichkeiten offen. Innerhalb weiterer 3 Stunden erhole ich mich wieder von meinem Tiefststand 4.500 bis auf 15.000, gewinne einen größeren Pot mit einer Straße gegen 2 Paar und schließe Tag 1 mit 28.600 an Chips im Mittelfeld ab. 112 Spieler sind noch im Turnier, als wir Tag 2 um 14 Uhr beginnen. Ein etwas tighter und passiver neuer Tisch lädt beständig zum Einsammeln der Blinds ein und in nur 90 Minuten komme ich ohne nennenswerte Konfrontation über 40.000. Der erste Dämpfer folgt, als ein junger deutscher Spieler vom Pokerstrategy Team mein Terrorregime am Tisch nicht ohne weiteres hinnehmen will. Seine Argumente untermauert er mit einem Stake von ca. 75.000, so dass ich etwas zurückstecken muss.
Bei noch 75 verbleibenden Spielern kommt es dann zu einer wirklich abstrusen Situation, die ich in meinem bisherigen Pokerleben noch niemals gesehen habe. In MP 3 raise ich mit K-Q suited den dreifachen Big Blind auf 2.400, mein linker Tischnachbar callt nach einigem Überlegen und wir sind Heads Up am Flop. Das Board zeigt Q-9-2 rainbow, ich checke, er spielt 6.000 und ich raise ihn all-in. Ich covere ihn leicht mit meinen Chips, das all-in bedeutet weitere ca. 20.000, die er nachbringen müsste. Nach ca. 2 Minuten Überlegung sagt er in etwas gebrochenem Englisch: „I believe, you’ve got Aces, so I have to fold“ und wirft offen 2 schwarze Könige in Richtung Board. Der Dealer sammelt die Karten ein, muckt diese und schiebt mir den Pot zu. Während ich den Pot entgegen nehme, zeige ich ihm meine Hand und sage: „No, you were good.“ Daraufhin sagt er zum Dealer gewandt: „No, no, I meant to call.“ Mein linker Nachbar gehört wie 2 weitere Spieler am Tisch ebenfalls zum Pokerstrategy Team und plötzlich äußern sich diese Spieler ebenfalls in die Richtung, dass sie „call“ verstanden hätten. Übereifrig fängt die auf Platz 1 sitzende Russin an, die beiden Könige wieder aus dem Muck zu kramen und legt sie vor sich auf den Tisch. Mittlerweile erscheinen jede Menge Zuschauer am Tisch, die den Ablauf als solchen überhaupt nicht gesehen haben, sich aber trotzdem mit den verschiedensten Kommentaren einmischen. Der Turnierdirektor Thomas Kremser wird zur Entscheidungsfindung an den Tisch gerufen. Er lässt sich vom Dealer die Situation schildern, der jetzt plötzlich auch etwas unsicher wirkt und nur noch behauptet, er hätte „fold“ verstanden, wäre sich aber nicht mehr hundertprozentig sicher. Weiterhin mischen sich die Teammitglieder meines Gegners ein und sagen, dass ein Indiz für ein vermeintliches Call die Unlogik wäre, Könige angesichts des Flops zu folden. Ich bleibe eigentlich ganz ruhig und schildere ohne jede Polemik die Situation aus meiner Sicht. Als nach 10 Minuten Diskussion Thomas Kremser seine Entscheidung trifft, traue ich meinen Ohren nicht. Er entscheidet, dass die Karten live sind und spielen! Äußerlich völlig ruhig und kommentarlos nehme ich die Entscheidung hin, aber in mir brodelt ein Vulkan. In meinem bisherigen Turnierleben habe ich noch nie gesehen, dass ein Direktor seine Entscheidung nach weiterer Diskussion abänderte, also versuche ich erst gar nicht, ihn umzustimmen. Ich kenne Thomas seit über 10 Jahren, schätze und respektiere ihn als ausgezeichneten Turnierdirektor und habe bisher noch niemals eine schlechtes „Ruling“ von ihm erlebt, aber dieses Mal hat er gründlich daneben gegriffen. Ich weiß, dass Thomas seine Regelauslegungen immer in Interesse des fairen und gerechten Spiels treffen will, ohne einzelne Spieler zu bevorzugen oder zu benachteiligen, aber bei der heutigen Entscheidung hat er sich wohl auch etwas durch die „Stimmungsmache“ der übrigen Teammitglieder meines Gegners beeinflussen lassen. Ich halte ihm zugute, dass ihm erst im Nachhinein die Teamzugehörigkeit der Diskussionsteilnehmer bewusst wurde. In einem späteren Gespräch deutete er an, dass er, nachdem ihm diese Fakten klar wurden, mit seinem Ruling vermutlich in die andere Richtung tendiert hätte. Wie alle anderen Sportarten auch ist Poker von der Gegenwartsentscheidung geprägt, eine nachträgliche Revision würde mich zwar „moralisch“ rehabilitieren, aber nichts an der Tatsache ändern, dass damit das Turnier für mich de facto beendet war. Einmal mehr wird deutlich, dass wir ganz klare und präzise Turnierregeln brauchen, die konsequent umgesetzt werden. Wir spielen um enorm hohe Preisgelder und Fehler sind nicht damit zu entschuldigen, dass ein Spieler neu und unerfahren bei Liveturnieren ist. Unabhängig von der Auslegung des geschilderten Falles gilt normalerweise weltweit: Eine Hand, die im Muck war, bevor der Pot durch den Dealer ordnungsgemäß zugestellt wurde, ist tot. Jeder Spieler hat seine Hand entsprechend zu schützen, auch wenn er zur Verteidigung einen Elefanten darauf setzen muss.
Mit meinem kümmerlichen Rest an Chips gehe ich wenig später am Button mit J-9 suited all-in, nachdem alle anderen vor mir gefoldet hatten. Der Big Blind callt mich natürlich mit A-Q und ohne jede Hilfe vom Board bin ich raus.
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European Poker Tour zu Gast in Dortmund
13.3.2007 von Michael Keiner.
Von einem riesigen Medieninteresse begleitet, startete am 8. März erstmals ein echtes EPT Turnier in Deutschland. Das Casino Hohensyburg ist Austragungsort dieser prestigeträchtigsten europäischen Turnierserie. Insgesamt 493 Spieler hatten sich für den Event angemeldet, die Veranstaltung war also nahezu ausgebucht. Ich war natürlich extrem gespannt, wie gut die Organisation sich der Herausforderung eines solchen Mammutevents stellen würde. Für mich war schon am 7. März Anreisetag. Nein, nicht um Poker zu spielen, sondern um die von Pokerstars organisierte Players Party im Night Club Solando im Dortmunder Hafenviertel zu besuchen. Als Botschafter von 888.com quasi eine Pflichtveranstaltung für mich, der ich aber sehr gerne nachgekommen bin. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich tief beeindruckt war. Sven Stiel hat eine überaus gelungene Party in einem wunderschönen Ambiente organisiert, für abwechslungsreiche Showeinlagen gesorgt. Der absolute Knüller war die „Chill out Zone“, wo professionelle Masseurinnen dem stressgeplagten Partygast mit gekonnten Kopf- Nacken- und Fußmassagen entspannende Minuten bereiteten. Klasse Party, vielen Dank Sven! Gegen 1Uhr nachts verließ ich den Ort des Geschehens, weil ich am nächsten Tag für einen ganz besonderen Event wirklich fit sein wollte. Ich hatte eine Einladung zur Teilnahme an der TV-Show „German Stars of Poker“ erhalten, die am nächsten Tag im Casino Hohensyburg für das DSF aufgezeichnet werden sollte. Es handelte sich hier um ein No Limit Holdem Turnier mit recht hochkarätiger Besetzung. Am Start waren Katja Thater, Andrea Wirth, Marcel Luske, Jan Heitmann, George Danzer, Marcel Seidel, Benjamin Kang, Andreas Krause und ich. Dem Gewinner winkten 12.000 €, 6.000.- € gab es für den Zweiten und auch der Dritte Platz wurde mit 3.000.- € honoriert. 10.000 Startchips und 30 Minuten Levels mit Startblinds von 50/100 waren eine wirklich faire Struktur, die jede Menge Platz zum Spielen ließ. Turnierdirektor war der aus Bregenz bekannte und beliebte Pokermanager Edgar Stuchly, der hier einen tadellosen Job in dem mehr als 8 Stunden dauernden Turnier verrichtete. Wie es genau ausging, darf und möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten, aber insgesamt war es ziemlich erfolgreich für mich. „German Stars of Poker“ soll am 24. März bei DSF ausgestrahlt werden.
Der Freitag war mein persönlicher Startschuss zum EPT Event. Gut ausgeschlafen fand ich mich überpünktlich gegen 14:30 Uhr im Casino ein und wollte mich in aller Ruhe auf den Turnierstart konzentrieren. Habe ich Ruhe gesagt? Schon am Eingang erwartet mich ein Blitzlichtgewitter von Fotografen, aus jeder Ecke kommen Interviewwünsche und viele alte Bekannte wollen natürlich auch noch ein paar Worte wechseln. Ich bin recht froh, als ich endlich Platz nehmen darf und die Karten zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit werden. Let´s play Poker! Mit am Tisch unter anderem links von mir Juha Helppi, der Gewinner der Poker Premier Leaque, die letzte Woche in London ihre Premiere feierte. Mir gegenüber sitzt der amtierende deutsche Meister Florian Langmann. Links von Florian ein junger deutscher Onlinequalifikant, den ich schnell als Mittelpunkt meiner zukünftigen Bemühungen einer Aufdoppelung der Startchips ansehe. Er callt 85 % aller Preflopaktion, meistens bezahlt er auch noch am Flop selbst, ohne jedoch auch nur ein einziges Mal eine eigene Wette anzusetzen. Kurzum, die perfekte Calling Station, zu gut Deutsch auch Tankstelle genannt. Rechts neben mir ein sehr aggressiv wirkender Brite, der allerdings auch ständig Monsterstarthände vorweist, die er brav im Anschluss an jedes Raise dem Tisch präsentiert. Ich halte mich anfänglich etwas zurück, die Aktionen meiner Gegner und die miserablen Hände lassen mir auch keine andere Wahl. Schon nach 2 Stunden sitzt die Calling Station nur noch mit ca. 2.000 Chips am Tisch, scheidet also mangels Masse als Aufdoppelungsstation aus. Es wird Zeit für einen kleinen Angriff, denke ich und als jeder zu mir am Cut Off foldet, raise ich Q-9 offsuit dreifach. Der Big Blind, eine Dame, die ich schon des Öfteren bei den Wiesbadener Montagsturnieren gesehen habe, will ihr Blind aber nicht kampflos aufgeben. Der Flop bringt K-9-5, sie spielt 200, also Minimum, an. Zum Einbremsen raise auf 600 und sie zahlt etwas zögerlich. Eine 4 am Turn und ich spiele 1.200, die sie schließlich nach langem Überlegen callt. Das As am River mag sie gar nicht und checkt nochmals. Hier sehe ich meine Chance, den Pot endgültig zu kassieren und spiele 2.000 an. Doch sie lässt sich nicht vertreiben und callt auch diese Wette mit dem König, den sie in der Hand hält. Etwas ernüchtert blicke ich auf meine Chips und stelle frustriert fest, dass ich jetzt in den echten Tight-Modus umschalten muss. Das Turnier zieht sich endlos hin, einmal mache ich ein Preflop Reraise mit A-K, der Maniac rechts von mir callt und setzt mich bei einem Flop von 7-10-J all-in. Etwas Respekt hat er schon nach den gezeigten Händen verdient und deshalb gebe ich angesichts des Boards mein Blatt auf. Nach 8 Stunden Spieldauer gehe ich mit meinem Rest von 3.500 Chips am Button mit 9-9 all-in, doch Juha Helppi findet J-J im Small blind und callt. Keine Hilfe am Board und die EPT in Dortmund geht für mich bereits am ersten Tag zu Ende, ohne auch nur einen einzigen Showdown gewinnen zu können. Aber wie hat es Sepp Herberger einmal so schön formuliert? „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Und der Turniermarathon geht weiter, Wien ist das nächste Ziel auf meiner Liste.
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Bregenz Open 2007 Teil 2
7.3.2007 von Michael Keiner.
Nach dem Ausscheiden als 14. am frühen Mittwochnachmittag verspürte ich kaum Lust, das Satellite für den Main Event zu spielen und nahm den restlichen Tag als Auszeit. Dankenswerterweise hatte 888.com meinen Platz im Hauptturnier schon fix gebucht, so dass ich mich nicht mehr zu qualifizieren brauchte. Ein Satellite kostet immer jede Menge Energie, die möglicherweise für die folgenden Events dringend nötig war. Außerdem stand am Mittwochabend die Players Party auf dem Programm. Diesmal hatte Casinos Austria die Lounge des Festspielhauses gebucht, die gerade mal einen Steinwurf vom Hotel Mercure und dem Casino entfernt lag. Die Party kam zwar erst spät, so gegen Mitternacht, dafür dann aber umso heftiger in Gange. Offensichtlich konnten sich einige Spieler nicht oder nur schwer von ihren Plätzen im Cashgame trennen. Im weiteren Verlauf zeigte sich aber, dass die Bregenzer Pokermannschaft nicht nur etwas von der Organisation eines großen mehrtägigen Turniers versteht, sondern auch würdig zu feiern weiß.
Das Donnerstagturnier war als Pot Limit Omaha ausgewiesen. Endlich, dachte ich mir, nach dem Riesenhype, den No Limit Holdem auslöst, führt Omaha im Gegensatz zur Cashgamevariante derzeit als Turnier eher ein Schattendasein. 200.- € betrug das buy-in, unlimitierte rebuys während der ersten 2 Stunden und ein nahezu obligater add-on brachten einen beachtlichen Preispool in Höhe von mehr als 100.00.- € bei „nur“ 151 Spielern zustande. Es ging auch relativ zügig unter die Marke von 100 Spielern, da viele beim Omaha anfangs zu „gamblen“ versuchen und das fordert natürlich einen gewissen Tribut. Ich hielt mich tapfer im Schnitt an Chips. Bei etwa 70 verbliebenen Teilnehmern kam die obligate alles oder nichts Hand. Ein relativ bekannter ambitionierter Amateur aus Österreich raist bei 2 Limpern am Button Pot. Ich besitze ca. 12.000 Chips und finde im Big Blind A-A-8-6 double suited. Das ist meine Chance und reraise auf 9.600. Die beiden Limper folden und der Button fragt mich: Hast Du Asse? Na egal meint er und raist mich all-in. Nach meinem schnellen Call dreht er K-J-J-8 um. Das ist die typische Karte, die man gerne sieht. Ein Paar in der Hand vermindert die Chancen des Gegners erheblich und macht mich zum Favoriten mit 69 %. Doch entgegen aller Zuversicht, nicht ein, gleich 2 Buben am Flop bescheren dem heldenhaften Österreicher einen Vierling und befördern mich ins Aus.
Am Freitag ging es weiter mit einem 800.- € No Limit Holdem Turnier, das als Freeze out gespielt wurde. Ebenfalls wieder ein volles Feld und einige Nachrücker brachten 183 Spieler zusammen. Ich bahne mir so meinen Weg durch das Feld, vermeide aufgrund katastrophaler Karten jeden nur möglichen Showdown und finde mich plötzlich zu meiner eigenen Überraschung unter den letzten 65 Spielern wieder. Jetzt passiert mir ein kleiner Fehler, der jedoch riesige Auswirkungen hat. Es wird die erste Hand nach einer kurzen Pause gespielt. Under the gun kommt gerade noch rechtzeitig an den Tisch, um sich seine Karten anschauen zu dürfen. Während er relativ unschlüssig wirkt, was er mit seiner Hand anfangen soll, beginnen die nachfolgenden Spieler bereits ihre Karten zu folden und die Foldaktion setzt sich bis zum Button fort. UTG sieht dies und raist den dreifachen Big Blind. Ich bin mir sicher, dass er einen Stehlversuch unternimmt und gehe im Small Blind mit A-7 offsuit all-in. Doch diesmal habe ich mich getäuscht. UTG hält ein Paar 10. Ohne As am Board darf ich mich also auch aus diesem Turnier verabschieden.
Samstag pünktlich um 15:30 Uhr startet der Hauptevent, die Austrian Open. 200 Spieler haben das Buy in von 2.000.- € aufgebracht und dementsprechend hoch ist der Preispool. Über 100.000.- € winken dem Sieger. Jeder Teilnehmer erhält 15.000 an Chips und bei Blinds von 50/100 und einstündigen Levels bleibt doch auch ausreichend Zeit zum Spielen. Trotzdem scheiden schon innerhalb der ersten 2 Stunden über 30 Leute aus. Einige Heißsporne suchten wahrscheinlich die schnelle Aufdoppelung. Ich selbst gehe es eher ruhig an, kann mich innerhalb der ersten 5 Stunden langsam aber stetig nach oben arbeiten und bin praktisch immer im Schnitt mit meinen Chips. Bei noch ca. 130 verbliebenen Spielern öffnet sich eine ideale Möglichkeit für mich. Under the gun finde ich Pocket Könige und raise den dreifachen Big Blind auf 1.800. Alle folden bis zum Button und der raist auf 4.600. Ich habe ihn genau beobachtet und bin mir absolut sicher, gut zu sein. Ich entscheide mich zum all-in. Er callt zügig und deckt ein paar Damen um. Der Flop kommt A-J-7, der Turn eine weitere 7 und, wie sollte es auch anders sein, am River die Dame. Damit hat sich dann auch der Main Event für mich erledigt und ich kann nicht gerade behaupten, während der Turnierwoche in Bregenz vom Glück bestrahlt gewesen zu sein.
Trotzdem war das Festival alles in allem ein netter Erfolg. Die Omaha Cashgame Partien waren äußerst lebhaft und gemessen an den wenigen Stunden, die ich mitgespielt habe, bin ich reichlich verwöhnt worden. Insgesamt gleicht sich doch alles beim Pokern wieder aus. Ganz persönlich freue ich mich schon wieder auf den nächsten Event in Bregenz.
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