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- 5.1.2010: Time to say Goodbye
- 9.7.2009: Der Main Event – Mein Videoblog von der WSOP Teil 7
- 4.7.2009: Prolog zum Main Event – Mein Videoblog von der WSOP Teil 6
- 27.6.2009: Finaltisch im Omaha Hi/Lo – Mein Videoblog von der WSOP Teil 5
- 20.6.2009: Racing-Battle mit Henning Pohl – Mein Videoblog von der WSOP Teil 4
- 15.6.2009: Golfbattle mit George Danzer – Mein Videoblog von der WSOP Teil 3
- 8.6.2009: Wasserspiele – Mein Videoblog von der WSOP Teil 2
- 5.6.2009: Viva Las Vegas – Mein Videoblog von der WSOP
- 12.5.2009: CAPT Innsbruck: 7. Platz im Main Event
- 13.4.2009: Von notwendigen Strategieanpassungen
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Archive für Juni 2007
WSOP 2007 Teil 7 Vom Wortschatz der amerikanischen Sprache!
26.6.2007 von Michael Keiner.
Leider musste ich für 2 Tage mein heiß geliebtes „Wynns“ verlassen, da das Hotel am letzten Wochenende komplett ausgebucht war. Notgedrungen habe ich mich also in einem Apartment in der Tropicana Ave. einquartiert, das auf den ersten Blick einen recht freundlichen und sauberen Eindruck machte. Warum der Preis so unverschämt günstig war, wurde mir erst in der Nacht klar, als ich schlafen wollte. Über mir in der Wohnung stritten sich ein Mann und eine Frau in heftigster Art und Weise, wobei mindestens 50 Prozent des verwandten Wortschatzes aus dem berühmten „F-Word“ zu bestehen schien. Anhand der Geräuschkulisse konnte ich mir auch ein sehr präzises Bild darüber machen, wann und wie oft der Typ auf die Frau einprügelte und welche Möbelstücke an welche Hauswand geworfen wurden. Das Ganze startete so gegen 2 Uhr nachts und endete morgens um 7 Uhr. Ich hoffte noch auf einen einmaligen Ausrutscher, aber in der nächsten Nacht wiederholte sich das Drama in allen Einzelheiten nach exakt dem gleichen Drehbuch. Der Typ, ein Mittdreißiger mit verfilzten und verwahrlosten Rasterlocken, dafür aber vollkommen mit billigstem Modeschmuck behangen, erfüllte das typische Klischee eines heruntergekommenen Zuhälters. Ich habe mich nicht mal getraut, die Polizei zu rufen, weil ich mich vor ausgiebigen Racheakten fürchtete. Seit heute bin ich wieder zurück im Wynns…alles wird gut!
Pokertechnisch sollte ich Euch vielleicht noch meine Geschichte vom $ 2.000 Potlimit Hold’em Turnier erzählen. Wir starteten mit knapp 600 Spielern und schon nach kurzer Zeit setzte ein allgemeines Massensterben ein. Für mich immer wieder erstaunlich, wie schnell sich die Leute aus so einem Turnier verabschieden. Offensichtlich haben die meisten Amerikaner weiterhin gewaltige taktische Probleme mit Potlimit Varianten. Sie können rein technisch nicht einfach so ihre gesamten Chips preflop in die Mitte stellen, sondern müssen sich Flops und Turns ansehen. Und hier geraten sie dann ins Straucheln. Um 2 Uhr nachts waren nur noch 45 Teilnehmer übrig, wir alle waren schon längst „im Geld“ und ich war mit 51.000 Chips auch etwas über Durchschnitt. Der Restart erfolgte um 14 Uhr am nächsten Tag und innerhalb von einer Stunde konnte ich mich auf 85.000 Chips aufbauen. Bei 33 verbliebenen Spielern foldete jeder vor mir und ich fand am Button ein Paar J-J. Mein Potraise in Höhe von 10,500 wurde vom schwedischen Online-Profi William „El Capitano“ Thorsen mit einem Reraise Pot aus dem Small Blind beantwortet. William hatte nur etwa 50.000 Chips und mir war klar, dass er in dieser Situation nicht irgendeinen Stealversuch auf mich starten würde. Ich hatte keinerlei Druck und überlegte deshalb sorgfältig, ob ich mich auf den unvermeidlichen Showdown einlassen wollte. Ich setzte ihn schließlich all-in. Da ich schon im Geld war, wollte ich mich nicht irgendwie low stacked Richtung Finaltisch durchschlagen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen, um den Chiplead anzustreben. Pocket Asse oder Könige schloss ich bei ihm aus, die hätte William in dieser Phase nur gecallt. Die einzige mögliche Hand, gegen die ich deutlicher Außenseiter war, wäre Q-Q gewesen. Aber es gab auch jede Menge Karten, wie kleinere Paare oder As-J oder schlechterer Kicker, gegen die ich massiver Favorit war. Selbst einen Coinflip wollte ich in dieser speziellen Turniersituation in Kauf nehmen. Gewinne ich das Race, habe ich etwa 135.000 Chips, was mich zu einem deutlichen Favoriten für einen Platz am Finaltisch machen würde. Verliere ich die 50 Prozent Chance, hätte ich aber immer noch ca. 35.000 übrig, genug, um mit etwas Kartenglück wieder ins Spiel zu kommen. William zeigte schließlich A-K und ein König am Flop ohne weitere Hilfe für mich ließ mich das Rennen verlieren. Leider blieb dann auch das Kartenglück aus, mit den verbliebenen Chips und einem Big Blind von 4.000 hielt ich mich noch eine Weile und ging schließlich mit K-T suited mit 14.000 all-in. Ich lief in A-Q und musste mich letztlich als 24. aus dem Turnier verabschieden. Auch im Nachhinein bin ich davon überzeugt, dass meine Taktik richtig war, wenn ich um den Sieg und nicht um einen Platz kämpfen wollte. Es gibt Schlüsselpunkte, an denen trotz aller Strategie ein Showdown unvermeidlich ist und dann sprechen eben alleine die Karten. Bei mir steht jetzt noch das $ 2.000 Limit Omaha Hi/Lo am Mittwoch, das $ 10.000 Potlimit Omaha am kommenden Sonntag, sowie natürlich der Main Event auf dem Programm. Ich halte Euch auf dem Laufenden.
Euer Michael von free-888.com
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WSOP 2007 Teil 6 Deutscher Vorsprung durch Technik!
20.6.2007 von Michael Keiner.
Vom letzten Artikel bin ich Euch ja noch meine weitere Performance beim H.O.R.S.E Turnier schuldig geblieben. Tag 2 gestaltete sich wesentlich zäher im Verlauf als der erste Tag. Der Grund lag natürlich einerseits in der Tatsache, dass der Event mit 10.000 Startchips grundsätzlich „deep staked“ konzipiert war, andererseits aber auch die etwas schwächeren HORSE Spieler bereits an Tag 1 das Weite suchen mussten. Bis kurz vor der Dinnerpause konnte ich mich auf knapp 60.000 Chips aufbauen, verlor dann aber während der Spielvariante Razz einen riesigen Pot von fast 27.000 und 10 Minuten später beim Stud noch mal 15.000, als ich mit 3 Assen gegen eine Riverstraße das Nachsehen hatte. Schließlich schied ich als 41. aus. Natürlich hätte ich auch passiver spielen können und mich weiter vorne platziert. Aber mein Ziel ist es eben nicht, mich irgendwie ins Preisgeld zu hangeln und dann auf ein Wunder zu hoffen, um an Chips zu kommen. Ich spiele Turniere, um zu gewinnen und nicht, um Zehnter zu werden. In jedem Turnier gibt es ein paar Schlüsselpunkte, an denen man beherzt angreifen muss, um sich für den weiteren Verlauf eine dominante Position am Tisch zu erarbeiten. Lässt man die Chance aus, ist es zwar die vermeintlich risikolosere Alternative, aber man spielt beim Kampf um den Turniersieg auch kaum eine Rolle.
Das gestrige $ 2.000 7-Card Stud Turnier stand wieder einmal unter den Zeichen der katastrophal schlechten Organisation der diesjährigen WSOP. Irgendein Scherzbold musste wohl an der Regulierung der Klimaanlage herumgespielt haben. Wir saßen erneut bei arktischen Temperaturen in dem umgebauten Bierzelt auf dem Hinterhof des Turniergeländes und zitterten vor Kälte. Die heftigen Proteste fast aller Teilnehmer gegen die unzumutbaren Bedingungen wurden von der Turnierleitung zunächst ignoriert und mit einem Schulterzucken beantwortet. Nach der Dinnerpause wurden wir alle in den spürbar wärmeren Amazon Room evakuiert. Ein Techniker, der die Klimaanlage in den Griff bekommt, war offensichtlich nicht aufzutreiben oder die Harrahs Gruppe scheute wieder einmal die dadurch entstehenden Kosten. Für mich war das Turnier aber schon weitgehend gelaufen. Ich konnte keine einzige Hand durchbringen und musste kurz nach Mitternacht ohne jede Chance das Feld räumen. Immer noch etwas angeschlagen von der Antibiotikatherapie meiner Borreliose entwickelte ich in den letzten Stunden handfeste grippeähnliche Symptome. Ich verzichtete daher auf die Teilnahme am heutigen Potlimit Omaha Turnier und werde erst morgen Abend beim $ 5.000 Omaha Hi/Lo Event wieder ins Geschehen eingreifen.
Meine allerherzlichsten Glückwünsche an Katja, die den Finaltisch des Razz-Turniers souverän dominierte und mit ihrem hochverdienten Sieg ein weiteres Bracelet nach Deutschland holte. Hut ab, Frau Weltmeisterin! Als ich vor rund 15 Monaten in einem Fernsehinterview zu meiner Einschätzung von Katjas Spielstärke befragt wurde, antwortete ich, dass ich sie innerhalb der kommenden zwei Jahre in der Spitzengruppe der europäischen Pokerelite ansiedeln würde. In breiten Kreisen des interessierten Fachpublikums erntete ich Unverständnis für diese Aussage, manchmal auch Hohn und Spott. Mit ihrer Performance während der letzten Monate und diesem krönenden Sieg hat sie alle Kritiker endgültig in die Schranken verwiesen. Resultate lügen nicht!
Euer Michael von free-888.com
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WSOP 2007 Teil 5 Von Seitenwetten und unterschiedlichen Turnierstrategien!
16.6.2007 von Michael Keiner.
Vorgestern stand das $ 3.000 7-Card Stud Hi/Lo auf meinem Turnierplan. Als braver WSOP Turnierteilnehmer nahm ich pünktlich um 17 Uhr meinen Sitzplatz ein. Um mich herum 6 unbekannte Gesichter und ein leerer Platz mit Chips, von dem aber fleißig das Ante eingezogen wurde. Üblicherweise werden die verwaisten Chips nach 60 Minuten eingezogen, nicht so dieses Mal. Der Phantomplatz wurde weiterhin im Turnier belassen und um 19:15 Uhr klärte sich das Rätsel dann auch. Ein heiter und ausgelassen wirkender Daniel Negreanou erschien und nahm den Platz ein. Als Erstes zählte er seine Chips nach. Wir starteten mit 6.000 und Daniel hatte trotz der Pflichteinsätze noch 5.710 vor sich stehen, also nicht mal 5 Prozent seines Stakes verloren. Ich kenne Daniel schon ziemlich lange und bei unserer Begrüßung feixte er ein wenig herum: „Michael, wie lange sitzt Du schon hier?“
„Seit 5 Uhr“, entgegnete ich.
„Und wie viele Chips hast Du jetzt?“, bohrte er weiter.
„6.450“, lautete meine Antwort.
Mit einem leicht hämischen Grinsen meinte er darauf hin: „Bist Du wirklich der Meinung, dass die gut 700 mehr Chips, die Du jetzt besitzt, es wert waren, hier am Tisch zu sitzen? Ich habe die letzten 2 Stunden in meinem Whirlpool verbracht.“
„O.K. Daniel“, gab ich zurück, „Du bist der bessere Spieler von uns beiden, also brauche ich mehr Zeit als Du, um notwendige Informationen über meine Kontrahenten zu sammeln.“
Offen gestanden hätte ich selbst nicht gedacht, dass sich Turnierstrategien so sehr voneinander unterscheiden können…
Daniel war es überhaupt während der Anfangsphase des Turniers ziemlich langweilig. Ständig suchte er weitere Betätigungsfelder. Er wurde bald bei Phil Ivey und Eric Lindgren fündig, indem er ihnen eine ziemlich kuriose Wette anbot. Wer zuerst von allen Dreien anfing, mit seinen Chips zu spielen und sie mit der Hand zu mischen, sollte den anderen Beiden jeweils 10.000 $ zahlen. Eric lief prompt zum „Grinder“ Michael Mizrachi und erzählte ihm von der Wette.
„Was meinst Du damit, die Chips mit der Hand zu mischen?“ fragte der Grinder.
„Na einfach so“, antwortete Eric und machte es ihm mit seinen Chips überdeutlich vor. Phil und Daniel konnten sich kaum noch vor Lachen auf ihren Stühlen halten. Keine 2 Minuten, nachdem sie die Wette gestartet hatten, war Eric Lindgren schon der Verlierer.
Übrigens war Daniels Turnierstrategie nur unbedeutend erfolgreicher als meine. Ich schied nachts um 2:30 Uhr aus und er folgte mir nur wenige Minuten später.
Zur Zeit spiele ich das $ 5.000 H.O.R.S.E Turnier. Diese Kombination aus verschiedenen Pokervarianten ist eines meiner Lieblingsspiele. Das schnelle Umschalten zwischen verschiedenen technischen Varianten liegt mir. Den Tag 1 habe ich gut überstanden, es sind noch etwa 100 Leute im Turnier und ich bin mit 19.000 Chips gut im Durchschnitt. Wie es weitergeht, erfahrt Ihr demnächst an dieser Stelle.
Euer Michael von free-888.com
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WSOP 2007 Teil 4 Mein erstes Bracelet!
13.6.2007 von Michael Keiner.
Es ist tatsächlich passiert. Ich kann es selbst noch gar nicht richtig glauben. Ich habe den $ 1.500 7-Card Stud Event gewonnen und bin jetzt stolzer Besitzer eines Bracelets. Der Tag 2 des Events gestaltete sich als ein wahrer Marathon. Wir starteten nachmittags um 16 Uhr, ich hangelte mich mehr schlecht als recht über die Runden und wartete als short Stake geduldig auf meine Gelegenheiten, die Antes einsammeln zu können. Mit einem Barry Greenstein und Ted Forrest als Tischnachbarn gab es auch nicht gerade allzu viel Raum für gewagte Moves, überleben war angesagt.
Als noch 3 Tische und etwa 20 Spieler im Turnier waren, spürte ich regelrecht die Welle heranrauschen kommen. Mit Welle meine ich eine beeindruckende Serie guter Starthände, die durchaus „showdown-fähig“ war. Ich nutzte die Gunst der Stunde und schaltete sofort in einen loose-aggressive Modus um. Begleitet von den etwas skeptischen Blicken meiner Gegner raiste ich einen überdurchschnittlich hohen Prozentsatz der Hände und fand auch meist einen Kontrahenten, der es zumindest auf 4th und 5th Street wissen wollte. Mit Beginn des Finaltisches fand ich mich zu meiner eigenen Überraschung in der Rolle des Chipleaders wieder. In der Vergangenheit hatte ich sehr wohl meine Lektion gelernt, dass dies auf keinen Fall eine Position zum Ausruhen darstellte, also wurde ich noch eine Spur aggressiver. Es klingt zwar nicht unbedingt galant, aber es ist ein herrliches Gefühl, mit der Angst seiner Gegner vor dem Ausscheiden spielen zu können. Völlig unbeeindruckt davon blieben lediglich Raymer und Greenstein, die in bekannt professioneller Manier ihr Spiel weiter durchzogen. Komplett unberechenbar war der Chinese Steve Sung, der mir massiven Widerstand bot und unbeirrt versuchte, in die Position des Chipleaders zu gelangen. Ich wusste, dass ich mit ihm irgendwann einen unvermeidlichen Showdown haben würde. Also klammerte ich die drei Spieler von meinen Stealversuchen aus und widmete mich stattdessen ausgiebig den übrigen Gegnern. Weder Raymer noch Greenstein hatten in dieser Nacht das Glück auf ihrer Seite. Trotz meiner Ansicht nach fehlerfreiem Spiels litten sie unter schleichendem Chipschwund und konnten nie wirklich in den Kampf ums Bracelet eingreifen. Steve Sung hatte sich bei seinen ständigen Attacken auch etwas übernommen und war ausgesprochen short staked, als wir noch zu Dritt waren. Der anfangs eher passiv wirkende Nesbitt Coburn eliminierte schließlich Sung und wir waren „Heads-up“. Ich bot ihm noch an, das Finale am nächsten Mittag zu beenden, da es mittlerweile schon 5:40 Uhr am Sonntagmorgen war. Aber er wollte das Ganze unbedingt sofort zu Ende bringen und so spielten wir weiter. Unser „Heads-up“ ging wesentlich schneller über die Bühne, als ich selbst dachte. Coburn blieb weiterhin ziemlich passiv, callte mich aber oft bis zum Showdown mit sehr marginalen Händen bis zum Showdown durch. Nach 51 Minuten war das Match beendet. Ich erhöhte mit einem Paar Königen auf 20.000 und Coburn ging direkt mit seinen restlichen 28.000 All-in. Er zeigte 4-7-J. Zum Schluss machte er zwar noch ein Paar, konnte aber meine Könige nicht schlagen. Es dauerte gute 10 Minuten, bis ich wirklich voll begriffen hatte, was hier geschehen war. Verflogen war der ganze Zorn auf die schlechte Organisation der WSOP, auf die Pannen von Harrahs. Ich hatte mein Bracelet am Arm, „mission completed“.
Natürlich konnte ich aufgrund meines Adrenalinspiegels kein Auge zumachen und wirkte wahrscheinlich ziemlich fertig, als ich mich am Nachmittag wieder zur offiziellen Siegerehrung ins RIO begab. Auf dem Weg dorthin traf ich Benjamin Kang von „hochgepokert.tv“. Direkt nach seinen wirklich herzlichen Glückwünschen fragte er mich, wo wir denn heute Abend feiern würden. Ups, da hatte ich überhaupt nicht dran gedacht. Aber Benjamin hatte schon alles als Überraschungsparty organisiert. Er hatte eine VIP Lounge im „Body English“, dem Nachtclub des Hard Rock Hotels gemietet und ein paar Freunde eingeladen. Was als harmlose kleine Feier beginnen sollte, wurde ungelogen zur besten Party meines Lebens! Ben und sein Team hatten uns allen eine unvergessliche Nacht auf die Beine gestellt. Um 4:30 Uhr in der Früh forderten schließlich die vergangenen 36 schlaflosen Stunden und die ungezählten Wodka/Red Bulls auf der Party ihren Tribut. Ich kann mich nur noch ganz verschwommen an die Rückkehr in mein Quartier erinnern. Lieber Benjamin, an dieser Stelle noch mal ganz herzlichen Dank für die Megafete.
Und wo wir schon beim Bedanken sind: Vielen, vielen Dank auch den hunderten Gratulanten und den Fans, die mir zuhause die Daumen gedrückt haben. Mein Mailserver ist zeitweise zusammengebrochen. Ich kann Euch versichern, dass ich bei dieser WSOP noch so Einiges vorhabe. Wie es weitergeht, könnt Ihr bald an dieser Stelle nachlesen.
Euer Michael von free-888.com
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WSOP 2007 Teil 3 Im Land der unbegrenzten Bürokratie!
9.6.2007 von Michael Keiner.
Wieder melde ich mich von der WSOP aus Las Vegas mit der Fortsetzung meiner Performance im $ 1.500 Omaha Hi/Lo Event. Nachdem ich den ersten Tag ziemlich gut und deutlich über Chipdurchschnitt überstanden hatte, war der Finaltisch logischerweise mein nächstes Ziel. Zu Beginn von Tag 2 bei noch etwa 150 verbliebenen Teilnehmern war ich noch voller Zuversicht, mein ehrgeiziges Ziel auch tatsächlich realisieren zu können. Als wir mit 65 Spielern vor der Bubblephase standen, kam es prompt zum nächsten organisatorischen Fehlschlag durch die Turnierleitung. Es gab 63 Plätze in den Preisgeldrängen, also sollte bis zum Ausscheiden der nächsten 2 Spieler Hand für Hand an allen Tischen gleichzeitig weitergespielt werden. Nach etwa 10 Minuten verkündete der Turnierdirektor, begleitet vom allgemeinen Applaus der Anwesenden, dass wir nun alle „im Geld“ seien und wieder auf normalen Turniermodus umgestellt wird. Weitere 10 Minuten später wurde die Ansage widerrufen. Man habe sich verzählt, es wären doch noch 64 Leute im Turnier und der Bubble doch noch nicht erreicht. Die Strategie der meisten Spieler vor dem Bubble unterscheidet sich ziemlich krass von der Strategie im Geld und solche Fehlinformationen können entsprechend teuer werden. Wenn ich als Pokerspieler einen Fehler mache, muss ich die Konsequenzen eigenverantwortlich tragen. Aber wer trägt die Konsequenzen, wenn Harrahs als Organisator einen Fehler macht? Richtig, natürlich auch der Pokerspieler! Schließlich nagt Harrahs wirklich am Hungertuch und kann es sich selbstverständlich nicht leisten, kulanterweise zusätzlich auch noch den 64. Platz zu bezahlen.
Ich selbst überstand den Bubble noch recht problemlos aber dann machten sich einige Konzentrationsschwächen in meinem Spiel bemerkbar. Ich machte winzige Fehler, die sich aber im Lauf von Stunden summierten. Der Grund ist relativ einfach zu erklären. Noch in Deutschland hatte ich mir auf dem Golfplatz einen Zeckenbiss eingefangen. Aus dem Zeckenbiss entwickelte sich eine Borreliose. Dabei handelt es sich um eine heimtückische Infektionskrankheit, die sich in starken Gelenkschmerzen, aber auch Gefühls- und Wahrnehmungsstörungen äußern kann. In den ersten Tagen hier in Vegas hoffte ich noch inständig, dass mein Körper ohne medikamentöse Hilfe damit fertig werden würde, zumal ich vor 6 Jahren schon mal eine Borreliose hatte und noch über eigene Antikörper verfügen sollte. Aber die Krankheitssymptome wurden immer stärker und am Ende von Tag 2 des Turniers ging mir einfach die Kondition aus, ich wurde 44.
Am nächsten Tag schleppte ich mich in die Apotheke, legte meinen Arztausweis vor und wollte mir ein entsprechendes Antibiotikum besorgen. In jedem europäischen Staat wäre dies eine Angelegenheit von 2 Minuten gewesen. Aber wir sind in Amerika, dem Land der unbegrenzten Bürokratie und der Apotheker lächelte mich nur arrogant an. Ein Antibiotikum könne er mir selbstverständlich nur nach Vorlage eines amerikanischen Rezeptes geben, ob ich Arzt sei oder nicht, interessiere ihn herzlich wenig. Ich zog also unverrichteter Dinge ab, suchte mir einen amerikanischen Kollegen, der für das Ausstellen eines Rezeptes exakt 200 US$ verlangte (Arbeitsaufwand: 3 Minuten, Wartezeit 2 Stunden), ging zurück zur Apotheke und hielt endlich mein dringend benötigtes Medikament in Händen. Schon nach 24 Stunden ging es mir erheblich besser, ich konnte direkt spüren, wie die Energie zurückkehrte.
Am 8. Juni um 17 Uhr stand dann das $ 1.500 7-card Stud Turnier auf meinem Programm. Wir starteten mit 3.000 Chips, aber irgendwie kam ich einfach nicht richtig ins Spiel, kassierte einen Suck-out nach dem anderen und hatte nach 3 Stunden plötzlich nur noch 800 Chips. Mit ein paar Assen in der Lade wollte ich diese Chips möglichst schnell gegen 2 Gegner im Pot unterbringen. Aber schon bei der fünften Karte bemerkte ich, dass ich kaum noch eine Chance auf den Potgewinn hatte und gab die Hand auf. Ich besaß gerade mal noch 2 Chips à 100.
Aufgeben steht jedoch nicht in meinem Wörterbuch, ich wartete auf die nächste Gelegenheit und mit einem Paar Königen ging ich All-in. Dem ersten Verdoppler folgten noch zwei und ich war wieder im Spiel. Letztlich überlebte ich Tag 1. Bei etwa 150 noch im Turnier befindlichen Spielern bin ich mit 7.250 Chips zwar etwas unter Schnitt, habe aber noch alle Chancen offen. Wie es weiter geht, erfahrt Ihr in meinem nächsten Bericht.
Euer Michael von free-888.com
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WSOP 2007 Teil 2 Das Chaos nimmt seinen Lauf!
6.6.2007 von Michael Keiner.
Eigentlich sollten wir der Mittelpunkt aller Anstrengungen des geneigten Organisators sein. Ohne uns Pokerspieler gäbe es die World Series nicht und ohne uns könnte die Harrahs Gruppe all seine Rechte, Merchandisingprodukte und vor allem die Teilnehmergebühren schlichtweg in der Pfeife rauchen. Eigentlich sollten so zahlungskräftige Kunden wie wir vom Dienstleister umhegt und gepflegt werden.
Aber was sich hier abspielt, ist unglaublich! Harrahs wahrt nicht einmal den Anschein einer Fassade, dass wir in dieser Show irgendeine Rolle spielen könnten. Da der Amazon Raum zu klein ist, um alle eingeplanten Pokertische aufnehmen zu können, wurde kurzerhand auf dem Hinterhof, wo letztes Jahr die „Pokerkitchen“ stand, ein Zelt aufgebaut und mit 63 Tischen voll gestopft. Dass in den unmittelbar an den Amazon Raum grenzenden Konferenzräumen beliebig viel Platz vorhanden ist, um die Tische unterzubringen, wird einfach „übersehen“. Schließlich könnte ja morgen noch eine Hochzeitsgesellschaft aufkreuzen, die einen dieser Räume buchen will. Und auf die zusätzlichen Einnahmen will man keinesfalls verzichten, schließlich nagt Harrahs ja mit den kümmerlichen 80 bis 100 Millionen Einnahmen aus der WSOP geradezu am Hungertuch. Also werden wir Pokerspieler, das Pack, ins Zelt entsorgt. Gestern kam dann ein kräftiger Wind auf und das Zelt löste sich relativ schnell in seine Bestandteile auf, wobei auch ein Wandteil herausflog und die Decke auf uns herunterzustürzen drohte. Nachdem das Trauerspiel über 90 Minuten so weiterging und die mehr als 500 Turnierteilnehmer durch immer lauter werdende Buhrufe ihr Missfallen zum Ausdruck brachten, wurde das Zelt endlich evakuiert und wir wurden erstmal in eine Pause geschickt. Das Turnier wurde dann nach weiteren 1 ½ Stunden fortgesetzt und die Tische waren kreuz und quer im gesamten Amazon Raum verstreut. Natürlich gab es zunächst auch keine Uhr, die wenigstens die verbliebene Zeit im Level anzeigt. Stattdessen lief ein Mädchen kreuz und quer durch den riesigen Raum, die eine Eieruhr um den Hals hängen hatte. Wenn sie mal in der Nähe eines Tisches auftauchte, konnte man sie nach der verbleibenden Zeit im Level fragen. Aber das ist ja alles auch nicht so wichtig, es geht ja nur um einen Preispool von einer Million US$ in dem Kleckerturnier.
Die Rede ist vom $ 1.500 Omaha Hi/Lo Turnier, bei dem ich zusammen mit etwa 630 anderen Teilnehmern mein Glück versuchte. Ich erwischte bei der Auslosung der Sitzplätze einen guten Tisch, 6 meiner Mitspieler waren sehr passiv und verstanden wohl auch noch nicht so ganz die Basisstrategien von Hi/Lo Varianten. Ich konnte mich relativ schnell aufdoppeln und war im Verlauf des Turniers eigentlich niemals in echter Bedrängnis. Wir starteten mit 3.000 Chips und Tag 1 habe ich überstanden. Es sind noch etwa 150 Leute im Turnier, ich besitze 21.600 an Chips, während der Durchschnitt bei ungefähr 12,000 liegt. Wie es weiter geht, sehen wir in etwa einer Stunde, dann sitze ich wieder im Zentrum des Chaos.
An dieser Stelle möchte ich auch nicht versäumen, Andreas Krause zu seinem fantastischen sechsten Platz im $ 1.500 Nolimit Hold’em Turnier herzlich zu gratulieren. Andreas ist seit Jahresbeginn in Topform, wenn er am Tisch sitzt, sprüht er förmlich vor Energie und seine Konzentration und sein Siegeswille sind fast schon überirdisch. Weiter so, Andy!
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WSOP 2007 Lasst die Spiele beginnen!
2.6.2007 von Michael Keiner.
Seit 2 Tagen bin ich wieder in Las Vegas. Nach einem Flug von knapp 11 Stunden Dauer, einer Stunde Wartezeit auf dem McCarren Intl. Airport, weil angeblich die Einreisekontrollbehörde durch die Menschenmassen überfordert war, weiteren zwei Stunden Schlange stehen am Einreiseschalter und 40 Minuten Filz beim Zoll durfte ich endlich amerikanischen Boden betreten. Die erste Enttäuschung kam auf, als ich in mein frisch angemietetes Appartement einchecken wollte. Mein altes Domizil lag direkt neben dem Stardust Hotel, das letztes Jahr abgerissen wurde. Dem Abriss fiel auch mein heiß geliebtes Appartement zum Opfer. Mein neues Zuhause kannte ich nur aus Internetbeschreibungen. Geschönte Fotos der Anlage und des Pools vermittelten ein völlig falsches Bild und zudem habe ich hier mit einem ordentlichen Lärmpegel zu kämpfen. Die Voraussetzungen, um eine „Wohlfühlatmosphäre“ im sportlichen Wettkampf um ein Bracelet zu schaffen, sind also alles andere als gut. Ich werde deshalb direkt am Sonntag ins Wynns zunächst einmal für 14 Tage umziehen und dann sehen wir weiter.
Die zweite Enttäuschung ähnelte eher einem echten Schock und kam auf, als ich das Convention Center des RIOs, Austragungsort der WSOP, betrat. Eine Menschenschlange von etwa 100 Meter Länge stand in den endlosen Gängen an, um sich für die verschiedenen Turniere zu registrieren. Ich traf einen Bekannten, der schon eine dreistündige Warteprozedur hinter sich hatte. Als er endlich am Schalter ankam, teilte ihm der dort sitzende Angestellte lapidar mit, dass er sich ohne Registrierungskarte nicht in ein Turnier einkaufen könne. Diese ominöse Karte hatte er sich dann zehn Minuten später besorgt und ging damit wieder zurück an den Schalter, nur um von einem mürrischen Sicherheitsmenschen wieder zurück ans Ende der Schlange geschickt zu werden. Noch mal drei Stunden Wartezeit wollte er sich wirklich nicht antun und verzichtete lieber auf das Turnier.
Für mich ist das alles einfach nicht zu fassen! Das RIO war, früher, als die WSOP noch im Binions stattfand, während der Sommermonate ein ziemlich verlassener Ort mit verschwindend geringer Belegungsquote. Mit Übernahme der WSOP Rechte durch Harrahs änderte sich alles, das RIO platzt während der Veranstaltung aus allen Nähten.
Aber schauen wir uns zunächst einmal im Turniersaal um. Er ist wieder, wie auch letztes Jahr, in 3 Bereiche eingeteilt. Im ersten Bereich findet das jeweilige Hauptturnier des Tages statt. Dort steht eine Anzeigetafel, auf welcher der Name des Events, die Blindlevels und die verbliebene Zeit im Level angezeigt werden. Alle anderen Daten, wie ursprüngliche Anzahl der Teilnehmer, noch im Turnier befindliche Spieler und durchschnittlicher Chipcount, wirklich unentbehrliche Turnierinformationen, stehen einfach auf Null. Jeder Sachpreis Turnieranbieter in Deutschland würde das besser machen.
Im zweiten Bereich finden die Sit and Go Satellites statt. Über 100 Leute stehen in einer Schlange dafür an. In dem etwa 30 Tische umfassenden Bereich sieht man 7 leere Tische mit wartenden Dealern ohne Spieler. Dazwischen rennen vier oder fünf ziemlich verwirrt drein blickende Floorleute herum, die offensichtlich lieber eine Art Hindernislauf üben, anstatt die leeren Tische aufzufüllen. Denn sie wissen nicht, was sie tun…
Auch im modernen, mit elektronischen Anzeigetafeln ausgestatteten Cashgamebereich ein ähnliches Bild: Auf der Tafel sieht man ein Feld „Potlimit Omaha“ mit zwei laufenden Tischen und einer langen Warteliste. Dass die Angabe der Blindhöhe auch wichtig sein könnte und wer von der Warteliste für welchen Tisch ansteht, hat man offensichtlich vergessen.
Das RIO und Harrahs zieht sich mit der WSOP in den nächsten sieben Wochen etwa 80 bis 100 Millionen US$ Einkünfte an Teilnehmergebühren, Verkauf von Merchandising, Werbegeldern und Verkauf von Fernsehrechten rein. Anstelle mit diesen Finanzen für eine adäquate Veranstaltung zu sorgen und uns Pokerspieler wie geschätzte Kunden zu behandeln, wird mit grenzenlosem Dilettantismus und einer ins Unermessliche anwachsenden Bürokratie die Veranstaltung zumindest zu ihrem Beginn uns Teilnehmern gründlich vermiest. Harrahs kann sich nicht hinter der Behauptung verstecken, dass sie nicht mit einem derartigen Ansturm gerechnet hätten. Seit drei Jahren ist allgemein bekannt, was in der Pokerszene passiert. Mich erinnert das alles hier an die ehemalige DDR kurz vor ihrem Untergang. Eine Verwaltung voller Wirrköpfe nimmt ihre Untertanen ans Gängelband und verstrickt sich immer mehr in überflüssige Bürokratie.
Aber solange wir Pokerspieler nicht aufstehen und rufen: „Wir sind das Volk“, wird sich nichts ändern. Und auch ich werde mich wahrscheinlich heute Nachmittag schön geduldig in die Schlange stellen, um morgen das $ 2.500 Omaha Hi/Lo – Stud Hi/Lo mixed Turnier spielen zu können. In diesem Sinne: Lasst die Spiele beginnen!
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