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Archive für August 2007
EPT Barcelona 2007 – Von kleinen Fehlern und großen Auswirkungen
31.8.2007 von Michael Keiner.
Eigentlich bin ich in den Tag 2 der EPT ganz zuversichtlich gestartet. Ich fand mich zwar vom Chipcount her am unteren Ende des 204 Spieler zählenden Teilnehmerfeldes wieder, aber noch war der Druck durch die Blinds nicht so groß, dass ich jedes Risiko eingehen musste. Dreimal konnte ich die Blinds einsammeln und gewinne dann auch noch einen Coinflip, als ich mit :Ax :Kx ein All-in Reraise mache. Der ursprüngliche Raiser covert mich leicht mit seinen Chips und callt mit :8x :8x. Ich treffe das As und als der Tisch schließlich aufgelöst wird, verlasse ich ihn mit knapp 40.000 an Chips.Am nächsten Tisch kenne ich wieder mal keinen einzigen Spieler, dafür habe ich in meinem ganzen Leben noch niemals eine derartige Aggressivität preflop erlebt. Fast eine Stunde lang beobachte ich das bunte Treiben; es gibt kaum ein open raise, das nicht von irgendwem gereraist wird. Die Leute sterben wie die Fliegen und ich denke, dass ich mich schleunigst an die Tischaction anpassen muss, wenn ich nicht totgeblindet werden will. Schließlich stelle ich mich mit :Tx :Tx preflop all-in und gewinne wieder einen Coinflip, diesmal gegen :Ax :Qx. Sollte das etwa mein Tag werden? Gegen 23:30 Uhr habe ich 90.000 Chips vor mir stehen. Es sind noch 65 Teilnehmer dabei, noch 9 weitere müssen raus, damit man wenigstens im Preisgeld ist. Wie üblich wird die Action in der Bubblephase etwas weniger, nur nicht an unserem Tisch. Dort versucht ein junger Heißsporn, das Turnier möglichst noch am heutigen Tage im Alleingang zu gewinnen. Die Blinds sind bei 1000/2000 mit 200 Ante, als der Cut off (37.000 an Chips) auf 7.000 raist. Ich finde im Big Blind :Ad :Qc und mache ein Reraise auf 21.000. Ich gebe ihm ein schwaches As, doch als er all-in geht weiß ich, dass ich der Underdog bin. Trotzdem calle ich die 16.000 mehr, ohne großartig zu zögern. Durch das Reraise auf 21.000 hatte ich mich selbst comitted. Er dreht ein Paar Könige um. Er gewinnt die Hand und ich bin runter auf 50.000. Im Nachhinein denke ich mir, dass ich meinen Fetzen ruhig auch etwas weniger aggressiv hätte spielen können. Ein Minraise auf 14.000 wäre auch ausreichend gewesen und dann hätte ich mich bei seinem All-in noch ohne Probleme aus dem Pot verabschieden können.Exakt 2 Hände später finde ich am Button :Ad :Kc. Diesmal folden alle zu mir und ich raise auf 6.000. Der small Blind denkt eine Weile nach und macht 20.000. Wieder bin ich der Meinung, dass ich zumindest einen Coinflip habe und mit der zusätzlichen Fold Equity gehe ich all-in. Die prinzipielle Frage, die sich hier stellt, ist eher strategischer Natur: Will ich auf Platz spielen, kann ich immer noch folden und mich irgendwie so ins Preisgeld hangeln. Will ich jedoch um den Sieg ein ernstes Wörtchen mitnehmen, kann ich in dieser speziellen Situation eine Konfrontation nicht vermeiden. Freudig callt der Small Blind mein All-in und zeigt mir :Ah :As. Der Flop gibt mir noch mal etwas Hoffnung, als der Dealer drei Kreuz umdreht. Aber weder Turn, noch River bringen das ersehnte Kreuz zum Flush und für mich ist die Show zu Ende. Bis Montag bleibe ich noch in Barcelona, für mich steht noch das Potlimit Omaha und das 1.000 € Nolimit Holdem Turnier auf dem Programm. Mit einem Tag Zwischenaufenthalt zuhause geht es dann nächsten Mittwoch weiter nach London zur WSOP Europe. Von dort melde ich mich selbstverständlich wieder.
Euer Michael von free-888.com
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EPT Barcelona 2007 – Chaos und kein Land in Sicht
29.8.2007 von Michael Keiner.
Aufgrund der zahlreichen Anfragen zunächst noch ein kurzer Nachtrag zu meinem letzten Artikel. Der Mercedes steht nach wie vor (hoffe ich zumindest) an besagter Tankstelle in der Nähe des Flughafens und harrt meiner Rückkehr. Da ich immer schön brav meine Inspektionen gemacht habe, wird wohl die Mobilitätsgarantie greifen und der Service sollte sich eigentlich am nächsten Montag um alles kümmern.
Hier in Barcelona ist es wie immer: Nichts funktioniert wirklich. Als ich um 20 Uhr am Montag bei der Registrierung erschien, wurde mir mitgeteilt, dass die Registrierung bis 22 Uhr geschlossen sei, da man Geld zählen müsste. Um 22 Uhr hieß es, der Computer sei abgestürzt und würde erst wieder in einer halben Stunde laufen. Um 22:30 kam dann die Nachricht, dass der Computer erst wieder nach Mitternacht hochgefahren werden könne. Cashgame konnte man auch nicht spielen. Es waren zwar 6 Tische offen, aber auf jedem Tisch eine Warteliste von über 30 Leuten und neue Partien wurden nicht eröffnet, da keine Dealer zur Verfügung standen. Ich wand mich an den Turnierdirektor Thomas Kremser, der in gewohnter Weise mit professioneller Souveränität Schadensbegrenzung betrieb. Er versprach mir, sich um mein Ticket zu kümmern. Am Dienstag kam ich dann kurz vor Turnierbeginn ins Casino und siehe da, mein Ticket war bereits ausgedruckt. Ohne Thomas würde vermutlich der ganze Laden komplett zusammenbrechen. Jetzt ging es mit dem Ticket zum Seat Draw, wo ich mich in eine Schlange von 150 Leuten einreihte. Auch hier ging nichts vorwärts. Am Anfang der Schlange stand eine junge Casinoangestellte mit einem Sektkübel in der Hand, in dem sich die Sitzplatzlose befanden. Offenbar hatte sie strikte Anweisung erhalten, nicht mehr als einen Spieler pro Minute sein Los ziehen zu lassen. Irgendwann wurde es John Duthie, dem Produzenten der EPT, zu bunt und er gesellte sich zu dem etwas hilflos wirkenden Mädel. Mit dem Charme eines Sergeants der „British Army“ übernahm er die Regie und forderte alle 5 Sekunden mit einem „next“ den nächsten in der Schlange auf, sein Los zu ziehen. Innerhalb von 5 Minuten hatte sich das ganze Problem gelöst.Um 17:35 Uhr ging schließlich das Turnier los. An meinem Tisch kannte ich nur 3 Leute: Einen spanischen „Nits“, der recht einfach zu spielen war, einen sehr guten Schweden und Niki Jedlika, der unter dem Nickname „Kai Buxxe“ schon heute zu einer Internetlegende geworden ist. Niki gehört vermutlich zu den technisch stärksten Spielern, die jemals am Pokerhimmel aufgetaucht sind. Normalerweise hat er nur ein Problem; er hat keine Geduld, muss immer Vollgas geben und kann nicht zurückschalten. Bei Liveturnieren wird ihm diese Schwäche meistens schnell zum Verhängnis. Aber nicht so hier in Barcelona: Niki erscheint wie verwandelt, als ob er der Erfinder des Wortes Disziplin sei. Geduldig wartet er auf seine Chancen, ändert blitzschnell die Pace und spielt absolut fehlerfreies Turnierpoker.Ich selbst spiele die ersten 90 Minuten keine einzige Hand, raise dann dreimal uncontested in Folge und als der Tisch kurze Zeit später aufgelöst wird, nehme ich rund 11.000 Chips an den nächsten Platz mit. Hier kenne ich jetzt keinen einzigen Spieler und beschränke mich in der ersten Stunde darauf, die Leute gründlich zu scannen. 2 Leute erscheinen mir besonders interessant: Ein etwas älter Engländer, der zwar viele Chips hat, aber sich jetzt anstrengt, diese mit einer loose-passive Spielweise unter die Leute zu bringen. Dann ein völlig chaotisch wirkender Spanier, der planlos durch die Pots irrt, aber dennoch mit über 25,000 Chips zu den Chipleadern gehört. Eine Schlüsselhand kommt, als ich UTG mit :7x :7x bei Blinds von 150/300 auf 1.025 raise. Der Spanier callt und bei einem Flop von :Qs :5h :3c spielt er 1.800 an. Ich will schon folden, da bemerke ich eine kleine Unsicherheit bei ihm, also calle ich. Am Turn kommt die :2h, er spielt jetzt wieder 2.500 an und als echte deutsche Calling-Station bezahle ich. Der River bringt die :2s, er spielt mich mit 4.000 quasi all-in und ich kann sehen, wie er dabei mächtig schwitzt. Mein Gegner ist alles andere als ein Schauspieler, also tue ich mir und ihm den Gefallen und zahle erneut. Er zeigt :Ac :5c, mein Read auf ihn war also richtig und ich dopple mich auf. Von den katalanischen Beschimpfungen, die er hinterher auf mich losgelassen hat, habe ich eigentlich nur das Wort „Idiot“ verstanden.Mit 20.000 Chips könnte man ja langsam anfangen, richtiges Poker zu spielen, aber ich habe die Rechnung ohne unseren jungen Spanier gemacht. Der ist jetzt richtig heiß auf mich und wann immer ich raise, ist er als Kunde dabei. Zweimal vernichtet er eine absolut seriöse Hand von mir mit einer geriverten Straight und als der Tisch dann aufgelöst wird, bin ich wieder dort angelangt, wo das Turnier anfing. Mit 10.000 Chips gehe ich zum nächsten Tisch. Hier treffe ich erneut auf Niki, der mittlerweile über 50.000 vor sich stehen hat und nach wie vor ausgezeichnetes Poker spielt.Ich hingegen bin wieder dazu verdammt, auf gute Starthände zu warten, da mich als Shortstack keiner mehr richtig ernst nimmt. Insgesamt dreimal mache ich das übliche „push all-in“, aber niemand will mir die Chance zur Aufdoppelung geben. Mit 9.900 schließe ich den Tag 1 des Turniers ab, noch 99 der ursprünglichen 264 Starter sind übrig.Ich hasse es, als „shorty“ mein Turnierleben fristen zu müssen, aber heute blieb mir einfach keine andere Wahl. Der Schnitt liegt bei etwa 27.000, ich muss mich also relativ schnell aufdoppeln und dann wird wieder Poker gespielt. Euer Michael von free-888.com
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EPT Barcelona 2007 – Eine Anreise mit Hindernissen
27.8.2007 von Michael Keiner.
Leider gibt es momentan zu viele spielenswerte Pokerturniere in Europa. Und leider kann man nur auf einer Hochzeit tanzen. Die Qual der Wahl zwischen der Turnierserie in Bregenz und dem EPT Event in Barcelona war eine harte Nuss. Aber letztlich habe ich mich dann doch für Barcelona entschieden. Natürlich ist die Chance auf ein gutes Ergebnis hier wesentlich kleiner als in Bregenz, dafür gibt es aber auch mehr Geld und Prestige zu gewinnen. Und, wie jeder weiß, der mich kennt, - ich liebe diese Stadt.Als sehr gute Flugverbindung hat sich die von Ryanair betriebene Strecke Hahn – Girona erwiesen. Der Flugplatz heißt eigentlich Frankfurt/Hahn, hat aber mit Frankfurt ungefähr genauso viel wie Köln zu tun, nämlich gar nichts. Dafür kann man auf dieser Strecke schon einen Tag vorher online einchecken, muss nicht mehr am Schalter anstehen und nur 30 Minuten vor Abflug da sein. Ich fahre heute morgens also ganz gemütlich los, aufgrund der vielen Baustellen habe ich auch noch einen Zeitpuffer von 45 Minuten eingebaut. Die Motorwarnblinkleuchte an meinem CLS ignoriere ich schon seit 4 Wochen, schließlich hatte meine Mercedes Werkstatt alles gecheckt und es auf ein harmloses Problem in der Anzeige geschoben. Ungefähr 50 km vor dem Flughafen erfahre ich dann, wie harmlos das Problem wirklich ist. Der Motor schaltet von einer Sekunde auf die nächste in Notlaufbetrieb um, statt 270 PS stehen mir nur noch 5 bis 10 PS zur Verfügung und statt mit 150 km/h schleiche ich mit 40 km auf der Standspur entlang. Wie langsam ich wirklich bin, realisiere ich erst, als mich eine Gruppe holländischer Caravantouristen mit atemberaubender Geschwindigkeit überholt. Meine Perspektive ist ziemlich trostlos. Mit dieser Geschwindigkeit verpasse ich garantiert den Flieger und bis mich ein Taxi abholt und hinbringt, ist der Flieger längst schon über Paris. Ich steuere die nächste Tankstelle an und scanne kurz die Autofahrer. Einer scheint mir die ideale Zielperson: Ca. 30 Jahre alt, kurzes Hemd mit Krawatte, Typ aufstrebender ehrgeiziger Verkäufer. Ich frage ihn, ob er sich auf die Schnelle 100.- € verdienen will. Er muss mich nur innerhalb der nächsten 20 Minuten zum Flughafen bringen, sind doch nur noch 30 Kilometer. Er zögert keine Sekunde: „O.K. Mann, den Hunderter nehme ich mit!“Während er losbraust, überlege ich noch, wie ich mir am Besten das Geld von meiner Mercedeswerkstatt wiederholen kann und bei jedem Blick auf die Uhr wird meine Hoffnung geringer, dass ich noch an Board des Fliegers komme. Das Flugzeug soll um 13:10 Uhr starten und eigentlich ist das Gate schon seit 2 Minuten geschlossen. Um exakt 12:58 hetze ich durch die Eingangshalle, an der Sicherheitskotrolle wird mir noch ein skeptischer Blick zugeworfen, weil ich vor lauter Atemnot kaum ein Wort raus bringe. Als ich endlich am Gate stehe, wartet noch ein einzelner Mensch darauf, von der Flugbegleiterin durchgelassen zu werden. Stolz präsentiere ich ihr meine Boardkarte und sie meint nur: „Oh, sie haben online eingecheckt, dann hätten sie doch eigentlich aufgrund der Priority Boarding mit den ersten Gästen an Board gehen dürfen.“ Mit zusammen gepressten Zähnen murmele ich ein „vielen Dank für die Info“ und betrete als letzter die Maschine. Pünktlich um 13:10 Uhr rollt der Flieger los. Mittlerweile sitze ich in meinem Hotelzimmer und wenn ich diese Zeilen beendet habe, geht es erst einmal an den Strand ein fettes Eis essen. Anschließend werde ich den Casino einen Besuch abstatten und mich vergewissern, dass mit meiner Registrierung alles paletti ist. Schließlich will ich morgen das erste EPT Turnier der neuen Saison spielen. Aber davon berichte ich Euch mehr im Laufe dieser Woche.
Euer Michael von free-888.com
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Von verpatzten Golfrunden und den Sonnenseiten der Varianz
13.8.2007 von Michael Keiner.
Der letzte Samstag hatte ein rotes Kreuzchen in meinem Kalender. Einmal im Jahr bekomme ich einen masochistischen Anfall und spiele ein Golfturnier mit. Eine gute Golfrunde sollte normalerweise nach vier Stunden beendet sein, alles andere ist ein beständiges Warten darauf, auch mal einen Schlag machen zu dürfen. Golfturniere haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie meistens sechs oder mehr Stunden dauern, weil jeder meint, seinen in den Wald geschlagenen Ball bis in alle Ewigkeit suchen zu müssen, nur um dann festzustellen, dass er unspielbar ist. Also geht es zurück zum Punkt des letzten Schlages und das Ganze geht von neuem los. Aber das Turnier am letzten Samstag war eine ganz spezielle Veranstaltung. Ein Freund von mir ist Landesdirektor einer großen Versicherungsgesellschaft, die einmal pro Jahr in meinem Heimatclub, dem Attighof, ein Einladungsturnier veranstaltet. Und in Gedenken an alte Zeiten stellt er dann einen Flight zusammen, der genau jener Gruppe von Leuten entspricht, die auch schon früher jede Gelegenheit zum Zocken wahrgenommen haben. Wir spielen so gut wie jede denkbare Kombination: Gewinner der ersten neun Loch, zweite Hälfte, Gesamtergebnis und natürlich auch Gewinner jedes einzelnen Lochs. Alleine das Ausrechnen nach der Runde dauert gut eine Stunde. Ich hatte nur ein Problem; insgesamt habe ich dieses Jahr gerade mal sieben Runden Golf gespielt. Vor der WSOP war ich fast jeden Tag mit der Fertigstellung meines Buches beschäftigt, in Vegas war es einfach zu heiß zum Golfen, so dass ich dort auch nur zwei Runden hinbekommen habe und in den letzten Tagen hatte sich der Dauerregen genau jene Tage ausgesucht, an den ich Zeit zum Spielen gehabt hätte. Nun ist es gerade auch beim Golf so, dass man durch fehlende Praxis nicht unbedingt besser wird und ich mich daher am Liebsten aus der Zockrunde ausgeklinkt hätte. Aber Kneifen geht hier nicht und ich hatte im Vorfeld bereits mehr oder weniger damit abgeschlossen, dass mich der Tag auf dem Platz wohl mindestens 1.500 € kosten würde. Hinzu kam noch die unmenschliche Abschlagszeit: 9 Uhr morgens, also quasi mitten in der Nacht. Sagte ich bereits, dass ich einen masochistischen Anfall hatte? Natürlich bin ich erst im allerletzten Moment aus dem Bett gekrochen, zum Golfplatz gehetzt und ohne auch nur einen einzigen Ball auf der Range zu schlagen, um zwei Minuten vor Neun Uhr am Tee 1 erschienen. Absoluter Kaltstart! Meinen ersten Drive berührte ich kaum mit dem Schlägerkopf und er kullerte so etwa drei bis vier Meter nach vorne rechts, um noch auf der Teebox liegen zu bleiben. O.K., vielleicht waren 1.500 € Verlust doch etwas knapp bemessen. Aber auch beim Golf gibt es so etwas wie Varianz: Irgendwie meinte es die Natur ziemlich gut mit mir, ich traf anschließend fast jeden Ball, die unmöglichsten Puts fielen und nach 14 Loch war ich zocktechnisch Chipleader in unserem Flight. Doch Gerhard, unser Gastgeber, hatte noch ein echtes Hindernis eingebaut, An der Teebox von Loch 15 servierte der Sponsor als besonders großzügige Geste den Teilnehmern des Turniers Caipirinhas. Und natürlich bestand mein Flight darauf, meinen Chiplead nachdrücklich zu begießen. Sie wussten, dass ich schon mit Kleinstmengen an Alkohol aus der Fassung zu bringen bin und jegliches Gefühl für koordinierte Bewegungen vermissen lasse. Schließlich produzierte ich auch das von den Mitspielern gewünschte und erwartete Ergebnis. Die vier letzten Löcher konnte ich ohne Ausnahme streichen und versank irgendwo im Mittelfeld des Turniers. Aber ich sehe es von der positiven Seite: Durch meinen Lauf bis zur 15 hatte ich einen so schönen Vorsprung herausgearbeitet, dass die ganze Zockrunde exakt bis auf den letzten Cent pari für mich ausging. Und angesichts meiner Verlusterwartung ist das wie 1.500 € gewonnen. Ich träume immer noch davon dass wir hier in Deutschland ähnlich wie in Amerika schon öfters praktiziert, mal ein Kombiturnier Golf und Poker veranstalten können. Ist vielleicht momentan noch etwas verfrüht, aber 2008 will ich versuchen, ein derartiges Projekt in Angriff zu nehmen.
Ach ja, Poker habe ich auch noch gespielt. Wie bereits letzte Woche in meinem Blogeintrag angekündigt, haben wir in Wien 8 Barcelona Folgen vertont. Am Mittwoch waren wir relativ pünktlich fertig und so zog es mich dann abends ins Concord Card Casino. Das Haus war richtig voll. Grund sind die ungeheuer beliebten Nolimit Holdem Turniere mit unlimited rebuys, die täglich für 10 € Buy-in angeboten werden. Als ich gegen 20:30 Uhr ankam, war das Turnier in vollem Gange und auch einige Cashgame Tische am Laufen. Erwartungsfroh fragte ich nach der höchsten Potlimit Omaha Partie. Zugegebenermaßen fielen meine Mundwinkel leicht nach unten, als der Floorman auf einen Tisch deutete und mir sagte: „That’s it. Ein Blind à 2 €“. Na ja, weil ich schon mal da war, wollte ich auch nicht gleich unverrichteter Dinge abziehen und nahm an dem shorthanded Tisch Platz. Ich kaufte mich mit 1.000 € ein und war gleich der deep Stack am Tisch. Was dann die nächsten 5 Stunden geschah, kann ich nur als absolut außergewöhnlichen Lauf bezeichnen. Ich gebe zu, der Tisch war schon ziemlich soft, angesichts des 2 € Blind ca. 60 € pro Stunde wert. Aber ich traf so ziemlich jeden Flop und wenn ich mal daneben lag, haben mir zumindest meine Mitspieler geglaubt, dass ich schon wieder getroffen hätte. Bilanz nach 5 Stunden: 3.150 € Profit, ich konnte es selbst kaum fassen. Ich möchte mir lieber gar nicht erst ausmalen, was ich mit diesem Lauf in einer regulären Partie mit 20/40 € Blinds gewonnen hätte. Ich liebe es, wenn die Varianz „Schmusekurs“ mit mir fährt.
Euer Michael von free-888.com
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On the road again!
6.8.2007 von Michael Keiner.
Grundsätzlich wollte ich den August etwas ruhiger angehen und es mir zuhause gemütlich machen. Aber in meiner grenzenlosen Naivität hatte ich schlichtweg verdrängt, dass es neben den Turnieren auch noch weitere Pflichten gibt, denen ich als Pokerprofi nachkommen muss (oder darf!)
Ich schreibe Euch diese Zeilen aus Wien, wohin ich relativ kurzfristig beordert wurde. Grund meines überraschenden Aufenthaltes in der österreichischen Metropole sind noch insgesamt 8 unvertonte Folgen von den 888 Heads Up Weltmeisterschaften, die im Mai in Barcelona stattfanden. Zusammen mit Markus Krawinkel werde ich die einzelnen Sendungen kommentieren und ab 15. August werden sie bei „Das Vierte“ ausgestrahlt. Persönlich mag ich ohnehin Heads Up Begegnungen sehr gerne, sie räumen wesentlich mehr Raum für strategische Moves ein, als ein voll besetzter Tisch und die psychologischen Komponenten des Spiels treten in den Vordergrund. Ich kann mich noch ziemlich gut an die einzelnen Heats in Barcelona erinnern, zumal ich bis zum Viertelfinale selbst mit von der Partie war.
Und noch ein weiterer Hinweis in Sachen Pokersendungen: Vergangene Woche war ich zusammen mit Toni Varjavand und Prof. Jürgen Fritz, Lehrstuhlinhaber an der Universität Köln, Gast bei einer Radioaufzeichnung des SWR. Diskussionsthema war natürlich der Pokerboom in Deutschland und seine gesellschaftlichen Auswirkungen. Moderiert wurde die Sendung von Burkhard Müller-Ullrich, einem freien Journalisten, der in seinen bisherigen Arbeiten immer bemüht war, den Dingen auf den Grund zu gehen und nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. Ich sagte meine Teilnahme vor allen Dingen aus einem Grund zu: Ich wollte klarstellen, dass Poker überwiegend ein Geschicklichkeitsspiel ist und deshalb als Sport anzusehen sei. Siehe da, die ganze Sendung wurde zu einer positiven Überraschung. Auch Prof. Fritz hatte sich intensiv mit dem Thema Poker auseinander gesetzt und stimmte mit Toni und mir in den meisten Punkten überein. Während der einstündigen Diskussion konnten wir einige harte Fakten herausarbeiten und mit etlichen Vorurteilen aufräumen, die Poker immer noch im Bild der Öffentlichkeit belasten. Ausstrahlungstermin ist der 09. August von 17:05 bis 18:00 Uhr auf SWR 2.
Euer Michael von free-888.com
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