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Ship it!
28.11.2007 von Michael Keiner.
Natürlich bin ich Euch noch meinen Abschlussbericht von dem Festival im PokerRoyale, Wiener Neustadt, schuldig. Vielleicht hatte der Gewinn des 1.200 € Satellites zum Einzug ins Finale der Megastep Challenge wirklich eine Trendwende eingeleitet. Auf jeden Fall fühlt es sich so an. Tags drauf spielte ich das 1.000 € Nolimit Holdem Turnier. Es hatten sich zwar nur 64 Teilnehmer eingefunden, das Feld hatte aber dennoch ein paar eindrucksvolle Namen aufzuweisen und beflügelt von dem Erfolg des Vortages war ich hungrig auf ein sehr gutes Resultat. Das Turnier startete relativ verhalten für mich und mit einigen Up’s und Downs konnte ich bis in die Mittelphase aus meinen 8.000 Chips „nur“ etwa 10.500 machen. Dann kam die entscheidende Hand, die mir den Weg zum Finaltisch ebnen sollte. Ein etwas unbedarfter deutscher Amateur rechts von mir (Chipcount etwa 18.000) raist in mittlerer Position den dreifachen Big Blind auf 2.400, als ich :Qx :Qx finde. Ohne großes Theater gehe ich direkt all-in und als alle zu ihm folden, ist er tatsächlich so freundlich, mein All-in mit :6h :5h zu callen. Ist das nicht „Gnuf(fig)“? Die Damen halten und der entscheidende Schritt in die richtige Richtung ist vollbracht. Große Konfrontationen blieben danach allerdings aus und ich kam an den Finaltisch als Shortie mit nur 28.000 Chips bei einem Average von über 70.000. Hin und wieder kann ich ein paar Blinds einsammeln, doch während der ersten Stunde am Finaltisch finde ich keine einzige Hand, mit der ich mich für einen Showdown bereit machen möchte. Währenddessen bricht links und rechts von mir der Krieg los und ein Finalist nach dem anderen verabschiedet sich. Ich pendle immer noch ständig zwischen 20.000 und 40.000 hin und her, als wir plötzlich nur noch zu Viert sind. Sich um die Entscheidung zu drücken, ist jetzt nicht mehr möglich. Mit etwa 25.000 gehe ich (Blinds 3.000/6.000) am Button mit :Kd :9d all-in und der Chipleader im Big Blind callt sofort mit :Ax :Jx. Aber erneut meint es die Varianz gut mit mir. Im Flop treffe ich sofort den König und gewinne als leichter Underdog die Hand. Bei den recht hohen Blinds konnte ich noch ein paar Chips im Anschluss daran ohne weiteren Showdown einsammeln und plötzlich habe ich über 100.000 vor mir stehen. Platz Vier nehme ich schließlich vom Tisch, als mein Overpaar gegen sein Unterpaar hält. Platz Drei hatte dann im shorthanded Game etwas den spielerischen Anschluss verloren und war bei Blinds von 6.000/12.000 praktisch zwangsweise all-in gegen mich. Wieder gewinne ich die Hand mit einem Paar Zwei und halte jetzt exakt 3.000 Chips weniger als der Chipleader, ein junger dänischer Pro. Es war bereits 5:30 Uhr morgens und am folgenden Nachmittag wollte ich unbedingt in vernünftiger Form den Main Event spielen. Also schlug ich ihm vor, den ersten Platz zu teilen, da sich das Ganze durchaus noch zwei Stunden hätte hinziehen können und ich von der durchspielten Nacht des Vortages doch ziemlich ausgepowert war. Er willigte ein und so waren wir beide zufrieden.
Den Main Event selbst konnte ich dann nach 5 Stunden Spielzeit abhaken, ohne jemals ernsthaft ins Geschehen eingreifen zu können. Mit :9x :9x ging ich schließlich als short Stack all-in und laufe bei Rolf Slotboom in :Qx :Qx, der die Hand souverän gewinnt.
Aber es stand ja noch das 100.000 € Finale der Megastep Challenge in meinem Kalender. Der Tisch war wirklich hochkarätig besetzt. Mit Markus Golser und Sigi Stockinger, Niki Jedlika und Soren Kongsgaard (Führender der europäischen Rangliste) waren auch die unterschiedlichsten Spielstile vertreten. Gleich in der zweiten Hand war ich all-in. Der Spielverlauf hatte einigen Diskussionsstoff geliefert, also möchte ich Euch an dieser Stelle meine Version der Geschichte schildern. Sappo Löppönen, ein junger Finne, mit dem ich schon einige gemeinsame Turnierstunden verbrachte, raist in früher Position den viereinhalbfachen Big Blind auf 450. Ich kenne seinen Stil relativ gut, der bei den loose-aggressive Skandinaviern sehr beliebt ist. Das Schlagwort „inverses Positionsspiel“ beschreibt die Taktik am Besten. Dabei openraist der Spieler in früher Position eine recht breite Palette mittelprächtiger Hände. Je mehr er in Position kommt, desto höher werden die qualitativen Anforderungen an seine Hände. Das frühe Raise zieht grundsätzlich immer eine Continuation Bet am Flop nach sich, wenn es ein preflop Call gibt. Dieses Wissen wollte ich mir zunutzen machen. Nach Sappos Raise folden alle zu mir und ich finde im Big Blind :Kx :Kx. Heads Up entscheide ich mich für ein Slow Play, da ich auch noch seine Contibet einsammeln wollte, also calle ich nur. Der Flop bringt :Qx :Tx :6x und ich check-raise seine 500 Contibet auf 1.250. Nach einiger Überlegung reraist er auf 3.000. Bei dem Turnier handelte es sich um ein echtes Sit’n Go Format mit straffer Blindstruktur und ich geben offen zu, dass ich gewaltige Probleme damit habe, Pocket Könige aufzugeben, wenn kein As im Flop liegt. Ich gebe ihm bestenfalls :Ax :Qx, vielleicht auch :Kx :Qx. Ein Call kommt für mich nicht in Frage, also gehe ich all-in. Er callt sofort und ich schaue schon etwas dumm aus Wäsche, als er :Qx :Qx für das Topset umdreht. Aber diesmal packe ich die größte Luckbox aus, die ich in ganz Europa finden konnte. Auf dem River kommt mein Zweiouter in Form eines Königs. Ich kann mein Glück selbst kaum fassen. Sappo trägt den Bad Beat sehr stilvoll mit Fassung und verabschiedet sich in Sekundenschnelle vom Tisch. Knapp vier Stunden später sind wir zu Viert. Der arme Sigi Stockinger war wieder mal der Bubble Boy, als er mit 4.850 bei Blinds von 600/1200 all-in geht. Ich habe mittlerweile gut 18.000 an Chips und calle aus dem Big Blind mit :4x :4x. Sigi dreht :Ax :4x um. Mein Paar hält und gemeinsam mit Soren bin ich nun Chipleader. Niki verhält sich als short Stack für seine Verhältnisse ungewöhnlich ruhig, lediglich Kurt Haindl geht hin und wieder direkt mit seinen 12.000 preflop all-in. Irgendwann finde ich bei einer seiner all-in Aktionen Pocket Jacks und schiebe mein Stack ebenfalls in die Mitte. Er dreht :Ax :6x um und gewinnt den Pot mit einem As auf dem River. Nach dieser Aktion war ich selbst short und schiebe eine Runde später mit :Kd :6c im Small Blind all-in gegen Soren, der mich im Big Blind mit :Ts :6s callt. Er macht am River einen Flush und ich scheide als Vierter aus. Trotzdem bin ich ziemlich zufrieden. Ich hätte zwar unwahrscheinlich gerne ein Heads Up zwischen Soren und mir gesehen, aber unter normalen Umständen wäre ich schon in der zweiten Hand des Turniers Geschichte gewesen. Andererseits: Ist es wirklich so ungewöhnlich, wenn Pocket Könige als Starthand gegen Pocket Damen gewinnen? Hätte ich die Hand nicht slow gespielt, wäre es vermutlich im Endergebnis auf das Gleiche hinaus gelaufen, nur dass wir eben schon preflop all-in gegangen wären.
Insgesamt war die Turnierwoche im PokerRoyale ein echter Hit, auch wenn ich zugeben muss, dass man nach einer überdurchschnittlich guten Performance alles ein wenig durch die rosarote Brille sieht. Auf jeden Fall freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Event in Wiener Neustadt.
Euer Michael von free-888.com
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Endlich !!! Das Wunder der Wiener Neustadt
22.11.2007 von Michael Keiner.
Manchmal sind es nur winzige Veränderungen im Zeitstrom, welche die Weichen für signifikant spürbare „Realitätsanpassungen“ in der persönlichen Erlebniswelt schaffenMomentan bin ich in Wiener Neustadt zuhause. Das kleine, etwa 50 km südlich von Wien gelegene Städtchen ist der Standort des derzeit größten Cardrooms in Europa, dem Pokerroyale Casino. Im Januar werde ich hier Gastgeber und Turnierdirektor des 888 Pokerfestivals sein und natürlich wollte ich mich vorher intensiv persönlich davon überzeugen, dass die Rahmenbedingungen in dieser Location so stimmig sind, dass ich guten Gewissens hunderte von deutschen Pokerspielern hierher einladen kann. Um es ganz klar zu sagen: Das Casino ist absolute Spitze!!! Über 80 Pokertische stehen hier verteilt, ohne dass auch nur ein Hauch der gefürchteten „Turnhallenatmosphäre“ aufkommt. Die leitenden Mitarbeiter hier sind oft langjährige Bekannte aus den verschiedensten europäischen Casinos und verbreiten eine Kompetenz, die der Mannschaft im Concord um nichts nachsteht. Die Gastronomie ist hervorragend und der großzügige Barbereich mit herrlich bequemen und ruhigen Sitzecken schafft ein angenehm relaxtes Ambiente auch abseits der Pokertische. Wohlfühlfaktor: Genial!
Hier im Pokerroyale Casino findet derzeit eine kleine Turnierwoche statt, die am kommenden Wochenende mit dem € 2.000 Buy-in Nolimit Hold’em Event ihren Höhepunkt finden wird. Eine besondere Livepremiere wird auch am nächsten Sonntag ausgetragen. Es handelt sich um eine so genannte Megastep Challenge. Das Format ist Online schon lange bekannt. In insgesamt vier verschiedenen Sit and Go single Tables kann man sich für die letzte Stufe qualifizieren, in der um einen Preispool von 100.000 € gekämpft wird. Man kann sich dort natürlich auch direkt einkaufen, allerdings beträgt das Buy-in stolze 10.000 €. Ich hatte die Sache einmal für mich persönlich durchkalkuliert und kam zu dem Schluss, dass es wohl strategisch am Günstigsten sei, sich mit 1.200 € direkt in Stufe Drei einzukaufen. Der Gewinner des Tisches ist dann für den 100.000 € Pool qualifiziert. Zwei Chancen wollte ich mir zugestehen.
Gestern Abend saß ich in einer lukrativen Potlimit Omaha Runde mit Blinds von 10/20 € und einem Mindest-Buy-in von 1.000 €. Die Varianz meinte es gut mit mir und nach etwa zwei Stunden war ich weiter vorne, als selbst eine optimistische Gewinnerwartung für zwei Tage rechtfertigen würde. Gerade standen die beiden schwächsten Spieler auf und verließen den Tisch, nachdem sie mehrmals erfolglos all-in gegangen waren, als plötzlich Martin Pollak auftauchte und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, an einer Stufe Drei Challenge teilzunehmen. Vom Timing her konnte der Zeitpunkt nicht optimaler gewählt werden, also drückte ich ihm 1.200 € in die Hand und sagte, er solle mir schon mal eine Platzkarte ziehen. Der Tisch selbst erwies sich dann alles andere als leicht. Über die Hälfte der Teilnehmer hatte sich direkt eingekauft und unter den Teilnehmern erblickte ich dann unter anderem Tommi Linfors, einen jungen Finnen, den ich nur allzu gut von der EPT her kannte. Als wir noch zu Neunt waren, bin ich auch prompt mit Tommi aneinander geraten. In mittlerer Position raiste ich mit :7s :8s den 3 ½ fachen Big Blind auf 350 und er reraiste aus dem Small Blind auf 850. Bei ihm kann dieses Reraise alles mögliche bedeuten, die Bandbreite reicht von einem kompletten Resteal bis hin zu einer Monsterhand. Als callte ich mit ein klein wenig „Hollywood“, um ihm den Anschein zu geben, dass ich an dieser Stelle Heads Up eine Monsterhand slow spielen wollte. Der Flop brachte :5h :6c :Qd und Tommi machte seine obligatorische Contiunation Bet in Höhe von 1.200. Ein kurzer Blick auf sein Table Stack zeigte mir, dass er noch mehr als die Hälfte seines ursprünglichen Chipcounts besaß, er also keinesfalls committed war. Also entschloss ich mich zu einem Semibluff und raiste All-in. Tommi überlegte keine Sekunde mit dem Call und drehte souverän :As :Ah um. Ich hatte ihn völlig falsch eingeschätzt und dementsprechend nur 34 Prozent, die Hand zu gewinnen. Doch diesmal packte ich die Luckbox aus. Am Turn kam die :4s und er war drawing dead, ich hatte also Asse mit einer Straight geknackt.
Ich erzähle die Geschichte vor allem deshalb, weil ich öfters kritisiert werde, keine Hände zu posten, in denen ich auch mal ordentlich Glück hatte. Bitte, hier ist sie! Das erste Mal in den letzten drei Monaten habe ich während eines Turniers einen echten Suck-out fabriziert und irgendwie fühle ich mich auch noch gut dabei.Natürlich hatte ich mit diesem Suck-out auch eine gewisse Verpflichtung übernommen, den Tisch zu gewinnen. Drei Stunden später war es dann vollbracht. Im Heads Up konnte ich mich schließlich gegen einen Schweizer mit serbokroatischer Abstammung (ohne weitere Suck-outs) durchsetzen und bin jetzt einer der Zehn, die um die 100.000 € zocken.
Euer Michael von free-888.com
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Deutsche Pokermeisterschaft 2007 in Bad Zwischenahn
18.11.2007 von Michael Keiner.
Von Crapshots und ungeahnt positiven Nebenlösungen
Die Location erinnert eher an ein gemütliches Landgasthaus, als an eine staatliche Spielbank. Bad Zwischenahn ist dieses Jahr Austragungsort des Finales der so genannten „Deutschen Pokermeisterschaft 2007“. Dieses einst so prestigeträchtige Turnier hatte seinen glanzvollen Namen während der neunziger Jahre erworben, als noch insgesamt 14 deutsche Spielbanken Vorqualifikationen durchführten und die dort erfolgreichen Teilnehmer zum Finale an einen jährlich wechselnden anderen Austragungsort sandten. Von den 14 Casinos sind mit Schenefeld, Hamburg, Berlin und Bad Zwischenahn leider nur noch 4 übrig geblieben, die restlichen Orte hatten sich in dem chaotisch unüberblickbaren Gewirr an Regulierungsvorschriften und Kompetenzgerangel unter den jeweiligen Länderhoheiten aus dem Verbund gelöst. Den vier Casinos, die immer noch mit viel Hingabe die Aufrechterhaltung dieses traditionellen Events weiterverfolgen, kann man die politische Entwicklung sicher nicht zum Vorwurf machen, aber leider ist die deutsche Meisterschaft in ihrer derzeitigen Austragungsform „nur“ ein norddeutscher Regionalcup geworden.Positiv ist mir aufgefallen, dass die Organisation und das Management des Casinos sichtbare Anstrengungen unternommen hatten, den Event spürbar kunden- und gastfreundlicher als letztes Jahr in Berlin zu gestalten. Nein, diesmal mussten wir eben nicht zu zehnt an für sechs Leute ausgelegten Black Jack Tischen Platz nehmen, um Poker aus der zweiten Reihe zu spielen. Der eher knapp bemessene Raum in hinter Bereich des Casinosaals wurde geschickt ausgenutzt, wir saßen an vernünftigen Pokertischen ohne größere Platzprobleme. Die Dealer erwiesen sich als kompetent und freundlich, vermittelten ein professionelles Niveau. Die Gastronomie des angeschlossenen Hotels Jagdhaus Eden bot mit dem inkludierten Abendessen den Spielern und Begleitpersonen ausgezeichnete Qualität und Service. Wenn ich also die Rahmenbedingungen betrachte, verdient das Wochenende in Bad Zwischenahn eine gute Note.
Weniger positiv fällt leider die Beurteilung der Turnierstruktur an den beiden ersten Tagen aus, die eher an die Ausrichtung eines der zahllosen Sachpreisturniere quer durch die Republik erinnerte, als an die Deutsche Pokermeisterschaft. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum ausgerechnet eine derart überreizte Struktur gewählt wurde, fähige Leute innerhalb des Casinoverbundes, die genau wissen, wie man es besser machen könnte, gibt es wirklich genug. In einem kurzen Gespräch mit einer leitenden Mitarbeiterin der Spielbank Bad Zwischenahn bin ich der Lösung des Rätsels ein wenig näher gekommen. Aus der (politischen) Sicht des Casinos stellt Poker ein Glücksspiel dar und diese Sichtweise kann man mit ziemlich radikalen Turnierstrukturen natürlich hervorragend untermauern. Wie wir alle wissen, stellt die Varianz im kurzfristigen Bereich einen nicht unbeträchtlichen Faktor dar und je kürzer die Levelzeit und je schneller der Anstieg der Blinds gewählt werden, desto mehr treten die Auswirkungen der Varianz in den Vordergrund und desto mehr verliert der Skillfaktor an Bedeutung. Womit wir uns dann wieder auf politisch korrektem Boden bewegen würden…
Meine ganz persönliche Deutsche Pokermeisterschaft 2007 startete an sich ganz erfreulich. Nach einer etwa 45 minütigen Beobachtungsphase, in der ich hauptsächlich Infos über die mir weitgehend unbekannten Mitspieler an meinem Tisch sammeln wollte, griff ich aktiv ins Geschehen ein. Innerhalb einer weiteren Stunde konnte ich meinen Chipstack von 5.000 bis 8.500 ohne einen echten Showdown aufbauen. Kurz vor der Dinnerpause kam dann der erste massive Rückschlag: Ich trat mit :Ah :Qc gegen :Ad :Jd (all in) an, der mit seiner Hand einen Flush machte. 4.500 an Chips hatte mich diese Begegnung gekostet. Nach dem einstündigen Break schaltete ich erst einmal zwei Gänge zurück und suchte nach einer passenden Gelegenheit zur Aufdoppelung. Die bot sich dann in Form von :As :Kc. Ich trat erneut gegen den gleichen Spieler an, diesmal hielt er :Ks :Ts und wieder gewann er mit einem Flush. Diesmal war ich all-in und somit draußen. Offen gestanden hat mich dies nicht allzu sehr berührt. Bei einem Turnier mit derartigen „crapshot“ Strukturen muss man radikale Lösungen mit qualitativ höherwertigen Händen suchen, sonst kommt man viel zu schnell unter Druck durch die Blinds. Länger anhaltende Downswings sind eine völlig normale Realität im Leben eines Pokerprofis, man darf sich nur nicht von ihnen psychologisch nach unten ziehen lassen.
Aber Bad Zwischenahn bot noch einen weiteren, höchst angenehmen Aspekt. Als ich zum Floorman ging und mich auf die Liste fürs Cashgame eintragen lassen wollte, erfuhr ich, dass auch Potlimit 7-Card Stud im Angebot war. Zwischen 1995 und 2000 wurde diese Variante in einigen deutschen Casinos fast täglich gespielt, aber seit ein paar Jahren waren die Partien komplett ausgestorben. Ich mag PL Stud sehr gerne und die Zusammensetzung der Runde stellte sich bald als äußerst interessant heraus. Zwei Leute am Tisch wussten einigermaßen, was sie taten, aber der Rest irrte mehr oder weniger planlos durch die einzelnen Hände. Ich verlagerte meine Strategie wie auch in Amsterdam in Richtung Nits-Poker, das sich erneut als weitgehend unelegant, dafür aber sehr profitabel herausstellte. Bei einer regelmäßigen Teilnahme in dieser Runde würde das Ganze allerdings auch nicht allzu lange funktionieren; am Ende meiner letzten Sitzung in Bad Zwischenahn bekam ich kaum noch Action vom Tisch. Auch wenn es mit meinen Ambitionen in Bezug auf die deutsche Meisterschaft überhaupt nicht klappen wollte, war der Auftritt im Ammerland aus pokertechnischer Sicht durchaus als Erfolg zu verbuchen.
Euer Michael von free-888.com
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Tulpen aus Amsterdam
11.11.2007 von Michael Keiner.
Menschen denken gerne in runden Zahlen. Wahrscheinlich werden deshalb der millionste Besucher einer Website, das zehnjährige Abijubiläum oder der runde Geburtstag etwas exzessiver gefeiert als andere Daten. - In diesem Zusammenhang fällt mir eine Gruppe grölender Engländer ein, die ich vor ein paar Wochen in der Abfertigungshalle des Flughafens Stansted sah. Jeder trug ein knallrotes T-Shirt mit der Aufschrift „John’s 40th Birthday Mallorca October 2007“ und einige von ihnen waren schon so betrunken, dass sie den Weg zum Gate nur noch mit der tatkräftigen Unterstützung der restlichen Gruppe fanden. –
Ich hatte ebenfalls letzte Woche ein rundes Jubiläum. Genau vor zehn Jahren, im November 1997, nahm ich zum ersten Mal an den Master Classics of Poker in Amsterdam teil. In jenen Monaten fanden meine ersten Gehversuche auf internationalem Parkett statt und gleich beim ersten Turnier in Amsterdam wurde ich Dritter von etwa 120 Teilnehmern. Das Preisgeld waren bescheidene 1.900 US$, allerdings betrug das Buy-in auch umgerechnet nur 45 €. Nun, der allgemeine Pokerboom hat auch nicht vor unseren holländischen Nachbarn halt gemacht, die Startplätze wurden auf 300 für die Nebenevents und stolze 420 für den Main Event erweitert, trotzdem war jeder einzelne Event restlos ausgebucht. Amsterdam zählte schon immer zu den beliebtesten Turnierorten in Europa, aber trotz der riesigen Konkurrenz konnten die Holland Casinos erneut einen Spitzenplatz behaupten. Der Grund liegt sowohl in der hervorragenden Organisation und exzellenten Struktur – der Timetable des Mainevents ist sogar noch besser als bei der EPT -, als auch in den hervorragenden Rahmenbedingungen. Ein hochmotiviertes, kompetentes und gastfreundliches Team der Pokerabteilung versucht, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Daneben ist Amsterdam auch für seine hochkarätigen Cashgames berühmt, so dass hier manche Glücksritter angelockt werden, die sonst kaum bei Turnierwochen zu sichten sind.
Mein persönliches Jubiläum wollte ich auch entsprechend feiern. Allerdings weniger mit Alkohol, viel mehr mit guten und erfolgreichen Pokersitzungen. Vielleicht war ja auch einer jener Tulpensträuße drin, die hier der Sieger eines Turniers neben dem Preisgeld und der Schale aus Delphter Porzellan erhält. Um es gleich vorwegzunehmen. Aus den Tulpen ist nichts geworden. Alles in Allem „no big deal“. Von den vier gespielten Turnieren hatte ich einmal einen guten Schuss auf einen Finaltisch. Beim € 1.000 Nolimit Hold’em raise ich mit :Jx :Jx preflop aus MP1 den vierfachen Big Blind auf 8.000. Zu diesem Zeitpunkt sind noch etwa 50 Spieler im Turnier, ich besitze 24.000 Chips, etwa den 1 ½ fachen Schnitt. Der Chipleader an unserem Tisch (ca. 40.000) callt am Button. Als im Flop :Ks :Th :7h kommt, mache ich eine continuation Bet in Höhe von 10.000. Er raist mich all-in und nachdem ich ihn etwas näher beobachtet habe, bin ich überzeugt davon, dass er einen König hat und folde. Er zeigt :Kh :3h, hatte also ein echtes Monster gefloppt. Short stacked verballere ich meine restlichen Chips, als ich wenig später in früher Position mit :Ac :Qc all-in gehe, nur um in :Ax :Kx zu laufen, die der Button hält.Im Main Event quälte ich mich mehr schlecht als recht durch das Turnier und hatte in den ersten vier Stunden meine 10.000 Startchips auf 8.200 reduziert, ohne irgendeinen bemerkbaren Fehler zu machen. Zwei Minuten vor der Dinnerpause finde ich am Cut off :Kh :Qh und raise den dreifachen Big Blind auf 600. Der Button zahlt nach (was keinerlei Qualitätsaussage zu seiner Hand war, da er fast jedes zweite Raise am Tisch bezahlte) und wir sind Heads Up am Flop. Es kommt :Kc :Td :6d und ich spiele 1.100 an. Der Button hat jetzt noch etwa 9.000 an Chips und raist auf 3.500. Nachdem ich ihn volle vier Stunden beobachten konnte, hatte ich ein ziemlich exaktes Profil von seiner Spielweise. Ich bin überzeugt davon, dass ich zumindest am Flop die stärkste Hand halte und reraise jetzt all-in. Er zahlt nach und zeigt :Ad :7d. Mit etwa 55 Prozent bin ich gegen seine Hand nur minimaler Favorit, weder er, noch ich kommen angesichts des Chipcounts aus der Situation heraus. Am Turn trifft er das Karo zum Flush und ich darf mich verabschieden.
Im Gegensatz dazu lief es in den Cashgames deutlich besser. Während der gesamten Woche hatte ich mich auf die € 20/40 Potlimit Omaha Partie mit einem minimum Buy-in von 2.000 € konzentriert, von der täglich zwei bis drei Tische im Angebot waren. Viele junge Dänen und Schweden haben dieses Spiel in letzter Zeit für sich als neues Cashgame Betätigungsfeld entdeckt. Dabei übernehmen sie nur allzu gerne die Rolle des Maniacs am Tisch. Sie bezahlen oder raisen Preflop abschnittsweise mehr als 80 Prozent aller Hände. Der Schwachpunkt ihrer Strategie liegt insbesondere am vollen Tisch darin, dass sie auf dem Flop und Turn ihre Karten gnadenlos überspielen, wenn sie mal nicht getroffen haben. Meistens gewinnen sie vier von fünf Händen, aber die Hand, die sie dann schließlich verlieren, kostet meist doppelt soviel wie das vorher gewonnene Geld. In solchen Partien, in denen ich mir niemals Gedanken darüber machen muss, wie ich mit einer sehr guten Hand meine Chips in die Mitte bekomme, verwende ich meist die genau entgegengesetzte Strategie. Ich habe eine preflop Beteiligung von kaum mehr als 15 Prozent (was im Omaha deutlich zu tight ist!) und wenn ich eine sehr starke Hand getroffen habe, raise oder checkraise ich am Flop oder Turn je nach Position um den vollen Pot. Meistens entwickelt der Maniac dann genügend Fantasie, um irgendwie seinen Call zu rechtfertigen und zahlt nach. Wenn ich manchmal für zwei oder drei Stunden keine nach meinen Kriterien spielbare Hand finde, folde ich eben eine Hand nach der anderen. Es sieht langweilig, farblos und unelegant aus, ist aber ungeheuer profitabel. Beim Pokern gibt es halt keine Extraprämie für einen besonders trickreichen Move oder einen tollen Spielstil. Die Schlacht um Ruhm und Ehre findet im Turnier ihren Platz. Aber beim Cashgame gibt es nur ein Ziel: Am Ende der Sitzung mit mehr Geld in der Tasche aufzustehen, als man zu Beginn mitgebracht hat.
Euer Michael von free-888.com
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Von Falschspielern und anderem Ungeziefer
3.11.2007 von Michael Keiner.
Es geschah im März 2006. Ich saß im Casino Schenefeld in einer ungeheuer actionreichen Potlimit Texas Hold’em Partie mit Blinds von € 10/20. Hauptgrund dieser Action war der Spieler mit Stammplatz auf 1, direkt links vom Dealer. Er schien wie meistens einen ungeheuer guten Lauf zu haben, aber aufgrund seines, positiv formuliert, sehr kreativen und ungewöhnlichen Spielstils wollte ich unbedingt mit dabei sein, wenn er am Tisch saß. Wie die meisten anderen an unserem Tisch, fast alles langjährige Bekannte, dachte auch ich: „Irgendwann ist dieser Lauf vorbei und dann wird er mit seiner Spielweise in drei Tagen über einhunderttausend Euro regelrecht verbrennen. Irgendwann finde ich in MP1 Pocket Queens und openraise Pot, also 70 €. Zwei Spieler callen mein Raise bis zu besagtem Maniac, der im Small Blind sitzt. Moment, er sitzt gar nicht im Small Blind, sondern steht ungefähr fünf Meter entfernt an einem Roulettetisch, wo er gerade mit dem Bepflastern des Tableaus beschäftigt ist. Aus diesen fünf Metern Entfernung ruft er: „Reraise Pot!“. Das macht dann 370 €. Ich bin mir absolut sicher, dass er bisher noch nicht einmal in seine Karten geschaut hat, er stand die ganze Zeit am Roulettetisch und die Karten lagen immer noch so vor seinem Platz, wie vom Dealer ausgeteilt. Ich habe etwa 3.500 Euro vor mir stehen und er Lawinen, über 10.000 Euro. Na gut, denke ich mir, ich spiele mit meinen Damen gegen zwei Randomkarten und will möglichst Heads Up mit ihm kommen. Also raise ich noch einmal um den Pot auf 1270 Euro, die beiden anderen folden und während er noch drei Meter entfernt ist, ruft er Call, während er sich langsam zu seinem Platz begibt. Der Dealer dreht :3x :7x :9x und er macht eine potsized Bet von 2.700 Euro. Ich schiebe sofort meine etwa 2.300 Euro Rest in die Mitte. Nicht schlecht, denke ich noch, jetzt sind über 7.000 Euro im Pot und ich gehe wahrscheinlich als massiver Favorit ins Rennen. Aber ich habe meinen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da dreht er schon, bevor der Dealer die Turnkarte ausgibt, Pocket Asse um. Es kommen zwei blanke Karten an Turn und River und der Pot wandert zu ihm. Ich verstehe die Welt nicht mehr!!! Er hat mit Sicherheit preflop keinen Blick in seine Karten werfen können! Ich murmele noch so etwas wie „das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen“, als am Tisch schon allgemeines Gelächter ausbricht und mir die übrigen Mitspieler von ähnlichen Vorkommnissen mit unserem Glückspilz erzählen. Die Geschichte habe ich in den vergangen Jahren mehrfach zu den verschiedensten Gelegenheiten zum Besten gegeben, auch um zu zeigen, das beim Pokern einfach alles vorkommt, wenn man nur genügend Stunden spielt.
Heute, im Nachhinein, weiß ich, dass es tatsächlich nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Gestern wurde der entsprechende Spieler im Casino Bad Zwischenahn als Falschspieler entlarvt. Er ließ mit schöner Regelmäßigkeit Karten aus dem Deck verschwinden, um sie dann bei entsprechendem Flop hervorzuzaubern und die Siegerhand zu präsentieren. Er spielte schon seit geraumer Zeit im Casino Zwischenahn. Daher wusste er auch, dass die Dealer regelmäßig um 22 Uhr und 24 Uhr die Karten des Decks nachzählen. Völlig kalt erwischte es ihn, als der Dealer gestern vollkommen unplanmäßig um 23 Uhr das Deck zählte. Hastig versuchte er noch, die Karten aus seinem Ärmel zum Muck zu befördern, aber einigen aufmerksamen Gästen am Tisch entging der überhastete Versuch dann doch nicht und die Videoaufzeichnung bewies seinen Betrug.
Jetzt bin ich mächtig sauer! Nicht nur auf diese Wanze, die mit kriminellen Machenschaften jahrelang dutzende, vielleicht sogar hunderte seriöse Pokerspieler um ihr Geld betrogen hat. Poker ist ein Geschäft mit schnellen Geld und viel Geld. Natürlich lockt so ein Geschäft auch jede Menge Ungeziefer an, das sich mit schäbigen Tricks auf dreckige Art bereichern will. Ein wenig sauer bin ich auch auf die staatlichen Casinos, die hier ihre Sorgfalts- und Fürsorgepflicht für die Sicherheit der Spieler vernachlässigt haben und durch allzu standardisierte Rituale und festgefahrene Vorgehensweisen raffinierten Betrügern die Schlupflöcher zu groß machen. Seit mehr als einem Jahr propagiere ich schon die Einführung von Kartenmischmaschinen in deutschen Spielbanken. Mischmaschinen sind schnell, effektiv und entlasten den Dealer. Aber Mischmaschinen sind auch sicherer: Die Elektronik zählt bei jedem Mischvorgang die Anzahl der Karten im Deck nach und gibt Alarm, wenn etwas nicht stimmt. Und Mischmaschinen erschweren ebenfalls Betrugsversuche, die durch die mögliche Zusammenarbeit zwischen einem Dealer und einem Falschspieler am Tisch durchgezogen werden könnten.
Aber am meisten sauer bin ich auf unsere holde Obrigkeit! In dreister Scheinheiligkeit werden die Bewahrer des staatlichen Glücksspielmonopols nicht müde, auf die Gefahren einer Privatisierung der Branche hinzuweisen. Als Argument führen sie gemäß Verfassungsgerichtsurteil vom März 2006 die Bekämpfung der Spielsucht, sowie die staatliche garantierte Sicherheit der Gäste in deutschen Spielbanken an, die angeblich private Anbieter nicht bieten könnten und würden. Vorfälle wie der hier aufgeführte Falschspieler sind keine Einzelfälle. Sie werden nur in der Regel totgeschwiegen und kommen erst gar nicht an die Öffentlichkeit. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Und den Vertretern des Monopols sei wärmstens empfohlen, sich in Zukunft etwas mehr um Zurückhaltung zu bemühen, wenn es um Fingerzeige auf private Anbieter geht. Wer im Glaskasten sitzt, soll nicht mit Steinen werfen!
Euer Michael von free-888.com
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