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Archive für 18.11.2007
Deutsche Pokermeisterschaft 2007 in Bad Zwischenahn
18.11.2007 von Michael Keiner.
Von Crapshots und ungeahnt positiven Nebenlösungen
Die Location erinnert eher an ein gemütliches Landgasthaus, als an eine staatliche Spielbank. Bad Zwischenahn ist dieses Jahr Austragungsort des Finales der so genannten „Deutschen Pokermeisterschaft 2007“. Dieses einst so prestigeträchtige Turnier hatte seinen glanzvollen Namen während der neunziger Jahre erworben, als noch insgesamt 14 deutsche Spielbanken Vorqualifikationen durchführten und die dort erfolgreichen Teilnehmer zum Finale an einen jährlich wechselnden anderen Austragungsort sandten. Von den 14 Casinos sind mit Schenefeld, Hamburg, Berlin und Bad Zwischenahn leider nur noch 4 übrig geblieben, die restlichen Orte hatten sich in dem chaotisch unüberblickbaren Gewirr an Regulierungsvorschriften und Kompetenzgerangel unter den jeweiligen Länderhoheiten aus dem Verbund gelöst. Den vier Casinos, die immer noch mit viel Hingabe die Aufrechterhaltung dieses traditionellen Events weiterverfolgen, kann man die politische Entwicklung sicher nicht zum Vorwurf machen, aber leider ist die deutsche Meisterschaft in ihrer derzeitigen Austragungsform „nur“ ein norddeutscher Regionalcup geworden.Positiv ist mir aufgefallen, dass die Organisation und das Management des Casinos sichtbare Anstrengungen unternommen hatten, den Event spürbar kunden- und gastfreundlicher als letztes Jahr in Berlin zu gestalten. Nein, diesmal mussten wir eben nicht zu zehnt an für sechs Leute ausgelegten Black Jack Tischen Platz nehmen, um Poker aus der zweiten Reihe zu spielen. Der eher knapp bemessene Raum in hinter Bereich des Casinosaals wurde geschickt ausgenutzt, wir saßen an vernünftigen Pokertischen ohne größere Platzprobleme. Die Dealer erwiesen sich als kompetent und freundlich, vermittelten ein professionelles Niveau. Die Gastronomie des angeschlossenen Hotels Jagdhaus Eden bot mit dem inkludierten Abendessen den Spielern und Begleitpersonen ausgezeichnete Qualität und Service. Wenn ich also die Rahmenbedingungen betrachte, verdient das Wochenende in Bad Zwischenahn eine gute Note.
Weniger positiv fällt leider die Beurteilung der Turnierstruktur an den beiden ersten Tagen aus, die eher an die Ausrichtung eines der zahllosen Sachpreisturniere quer durch die Republik erinnerte, als an die Deutsche Pokermeisterschaft. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum ausgerechnet eine derart überreizte Struktur gewählt wurde, fähige Leute innerhalb des Casinoverbundes, die genau wissen, wie man es besser machen könnte, gibt es wirklich genug. In einem kurzen Gespräch mit einer leitenden Mitarbeiterin der Spielbank Bad Zwischenahn bin ich der Lösung des Rätsels ein wenig näher gekommen. Aus der (politischen) Sicht des Casinos stellt Poker ein Glücksspiel dar und diese Sichtweise kann man mit ziemlich radikalen Turnierstrukturen natürlich hervorragend untermauern. Wie wir alle wissen, stellt die Varianz im kurzfristigen Bereich einen nicht unbeträchtlichen Faktor dar und je kürzer die Levelzeit und je schneller der Anstieg der Blinds gewählt werden, desto mehr treten die Auswirkungen der Varianz in den Vordergrund und desto mehr verliert der Skillfaktor an Bedeutung. Womit wir uns dann wieder auf politisch korrektem Boden bewegen würden…
Meine ganz persönliche Deutsche Pokermeisterschaft 2007 startete an sich ganz erfreulich. Nach einer etwa 45 minütigen Beobachtungsphase, in der ich hauptsächlich Infos über die mir weitgehend unbekannten Mitspieler an meinem Tisch sammeln wollte, griff ich aktiv ins Geschehen ein. Innerhalb einer weiteren Stunde konnte ich meinen Chipstack von 5.000 bis 8.500 ohne einen echten Showdown aufbauen. Kurz vor der Dinnerpause kam dann der erste massive Rückschlag: Ich trat mit :Ah :Qc gegen :Ad :Jd (all in) an, der mit seiner Hand einen Flush machte. 4.500 an Chips hatte mich diese Begegnung gekostet. Nach dem einstündigen Break schaltete ich erst einmal zwei Gänge zurück und suchte nach einer passenden Gelegenheit zur Aufdoppelung. Die bot sich dann in Form von :As :Kc. Ich trat erneut gegen den gleichen Spieler an, diesmal hielt er :Ks :Ts und wieder gewann er mit einem Flush. Diesmal war ich all-in und somit draußen. Offen gestanden hat mich dies nicht allzu sehr berührt. Bei einem Turnier mit derartigen „crapshot“ Strukturen muss man radikale Lösungen mit qualitativ höherwertigen Händen suchen, sonst kommt man viel zu schnell unter Druck durch die Blinds. Länger anhaltende Downswings sind eine völlig normale Realität im Leben eines Pokerprofis, man darf sich nur nicht von ihnen psychologisch nach unten ziehen lassen.
Aber Bad Zwischenahn bot noch einen weiteren, höchst angenehmen Aspekt. Als ich zum Floorman ging und mich auf die Liste fürs Cashgame eintragen lassen wollte, erfuhr ich, dass auch Potlimit 7-Card Stud im Angebot war. Zwischen 1995 und 2000 wurde diese Variante in einigen deutschen Casinos fast täglich gespielt, aber seit ein paar Jahren waren die Partien komplett ausgestorben. Ich mag PL Stud sehr gerne und die Zusammensetzung der Runde stellte sich bald als äußerst interessant heraus. Zwei Leute am Tisch wussten einigermaßen, was sie taten, aber der Rest irrte mehr oder weniger planlos durch die einzelnen Hände. Ich verlagerte meine Strategie wie auch in Amsterdam in Richtung Nits-Poker, das sich erneut als weitgehend unelegant, dafür aber sehr profitabel herausstellte. Bei einer regelmäßigen Teilnahme in dieser Runde würde das Ganze allerdings auch nicht allzu lange funktionieren; am Ende meiner letzten Sitzung in Bad Zwischenahn bekam ich kaum noch Action vom Tisch. Auch wenn es mit meinen Ambitionen in Bezug auf die deutsche Meisterschaft überhaupt nicht klappen wollte, war der Auftritt im Ammerland aus pokertechnischer Sicht durchaus als Erfolg zu verbuchen.
Euer Michael von free-888.com
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