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Archive für Januar 2008
878
22.1.2008 von Michael Keiner.
Der Ford Fiesta zieht gemächlich mit etwa 80 km/h vom Beschleunigungsstreifen auf die rechte Spur der Autobahn. Hinter ihm drängelt ein Audi, der es offenbar kaum erwarten kann, an dem Ford vorbei zu ziehen und er fährt deshalb mit ungefähr 85 km/h direkt vom Beschleunigungsstreifen auf die Überholspur. Währenddessen düse ich mit gemütlich 180 km/h auf der Autobahn entlang in Richtung Seefeld, als plötzlich diese Wand in Form von 2 Autos vor mir die Straße blockiert. Der Audifahrer hatte mich offensichtlich komplett übersehen und ein physikalisches Grundgesetz besagt, dass sich 2 Materieteilchen nicht zum gleichen Zeitpunkt an identischen Raumkoordinaten aufhalten können. Mit einem Geschwindigkeitsüberschuss von rund 100 Stundenkilometern rase ich also in diese Mauer hinein. Hier wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr doch Poker mein Leben bestimmt. In der kurzen Sekunde vor dem Aufprall, die sich aufgrund des Adrenalinstoßes scheinbar endlos auszudehnen scheint, geht mir noch ein Gedanke durch den Kopf: „Da hast du kein Out mehr. Du bist drawing dead.“ In einer mehr reflexartigen Bewegung versuche ich noch, auf den Standstreifen auszuweichen, aber auch das ist unmöglich. Stattdessen erwischt es den armen Fordfahrer. Aber die Sicherheitssysteme moderner Kraftfahrzeugtechnik greifen perfekt ineinander. Der Gurt strafft sich, der Airbag löst aus und die Knautschzonen der Fahrzeuge erfüllen voll ihren Zweck. Obwohl der Ford und auch mein Mercedes nach dem Unfall als Totalschaden deklariert wurden, blieben alle Beteiligten unverletzt. Und der Audifahrer hat glücklicherweise auch ein korrektes Verhalten an den Tag gelegt. Er hielt sofort an und gab unumwunden auch gegenüber der Polizei seine Alleinschuld an dem Unfall zu. Die Autobahn war für zwei Stunden gesperrt und eine weitere Stunde später setzte ich meine Reise nach Seefeld in einem Mietwagen (Toyota Corolla) vom ADAC fort.
Noch von der Autobahn aus rief ich Marcel Pipal, Pokermanager des Casinos Seefeld an und teilte ihm mit, dass ich mich für das Turnier aufgrund kleinerer technischer Schwierigkeiten wohl um eine halbe Stunde verspäten würde. Exakt 35 Minuten nach Turnierbeginn traf ich tatsächlich im Casino ein und nahm im Turnier Platz. 6 Stunden später saß ich immer noch da, allerdings war zu diesem Zeitpunkt das Feld von 112 Teilnehmern auf 9 reduziert und ich fand mich am Finaltisch wieder. Obwohl ich mit meinen Chips im Average lag, konnte ich dort nur einen einzigen Spieler überleben und schied schließlich als Achter aus. Ich mag Seefeld als Turnierort ausgesprochen gerne. Gerade im Winter entwickelt das kleine Tiroler Städtchen ein ganz besonderes Flair und außerdem konnte ich mit einem hohen Spaßfaktor gekoppelt, einen meiner wichtigsten Vorsätze für das neue Jahr umsetzten: Die Zeit, die ich letztes Jahr in das Schreiben von Büchern gesteckt hatte, will ich dieses Jahr dazu nutzen, Sport zu treiben. Also stand ich jeden Mittag um 12 Uhr auf der Skipiste und machte die Pisten unsicher. Skifahren erlernte ich bereits im zarten Alter von sechs Jahren und konnte seit dieser Zeit unzählige Hänge umpflügen, aber auch heute hoch löst das Ganze bei mir echte Glücksgefühle aus, speziell, wenn ich ein paar Monate mal nicht auf den Brettern stand. Vielleicht half auch das positive Ambiente, dass ich bei den Turnieren mein A-Game reproduzieren konnte. Von 4 gespielten Turnieren saß ich dreimal am Finaltisch. Allerdings machte sich hier wohl bemerkbar, dass mein Sponsor 888 vermutlich ein Bündnis mit der Varianz hinter meinem Rücken abgeschlossen hatte. An den jeweiligen Finaltischen endete ich als Achter, Siebter und Achter. Vielleicht sollte ich anregen, dass sich die Firma eine Namensänderung überlegt: Wie wäre es beispielsweise mit 121 anstelle von 888?
Den Main Event in Seefeld konnte ich dann leider nicht mitspielen, da meine Anwesenheit im Großraum Wien für das Wochenende benötigt wurde. Ich war Gastgeber und Turnierdirektor des 888. Pokerfestivals, das vom 18. bis zum 20. Januar im Pokerroyale Casino in Wiener Neustadt und Concord Card Casino in Wien stattfand. Mit 1008 Teilnehmern war es das zweitgrößte Liveturnier, das jemals in Europa ausgetragen wurde. Hatte ich im Vorfeld doch zumindest einen Riesenrespekt vor dieser Aufgabe, so stellte sich dann mit Beginn der Veranstaltung heraus, dass alles denkbar „glatt“ laufen würde. Sowohl die Floorleute im Pokerroyale, als auch die Mitarbeiter des Concord Card Casinos hatten die Organisation perfekt im Griff und die Dealer gaben wirklich ihr Bestes, waren teilweise 16 Stunden mit viel Enthusiasmus im Einsatz. Die Resonanz der Teilnehmer war überwältigend positiv. Am zweiten Turniertag kam dann auch noch Thomas Kremser zu einem Spontanbesuch vorbei und gab mir noch ein paar sehr hilfreiche Tipps für die Struktur des Finaltages. Mit so kompetenter Beratung von einem der besten Turnierdirektoren der Welt konnte dann eigentlich nichts mehr schief gehen und am Sonntagabend kurz vor Mitternacht stand auch der Gewinner des Festivals fest. Ziel- und Punktlandung! Wenngleich dieser Ausflug auf die „andere Seite“ des Pokertisches auf jeden Fall den beachtlichen Energieaufwand allemal wert war und ich die gemachten Erfahrungen keinesfalls missen möchte, werde ich dennoch in Zukunft weiterhin da bleiben, wo ich hingehöre: auf der Spielerseite!
Momentan bin ich noch in München, um die restlichen Folgen der UK Poker Open für „Das Vierte“ zu kommentieren und am Freitag geht es dann im nagelneuen CLS nach Bremen. Dort bin ich Studiogast beim NDR in der Fernsehtalkshow „III nach Neun“, die zwischen 22 Uhr und 24 Uhr live beim NDR und HR ausgestrahlt wird. Für alle, die keine Zeit zum Zuschauen haben, wird die Sendung nochmals am 4. Februar um 10:15 Uhr auf 3SAT wiederholt.
Euer Michael von free-888.com
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Irish Poker Championships in Galway
8.1.2008 von Michael Keiner.
Die internationale Pokerwelt ist momentan in drei Gebiete aufgeteilt. Während eine Gruppe sich beim Carribean Poker Adventure auf den Bahamas vergnügt und weitere, besonders reiselustige Spieler sich in Australien bei den Aussie Millions ein Stelldichein geben, zog es eine kleine Minorität, zu der auch ich mich zähle, nach Galway an die Westküste Irlands, wo die Irish Poker Championships am vergangenen Wochenende stattfanden.
Überredet zu dem Trip hatte mich mein langjähriger Bekannter Padraig Parkinson, der hier auch als Fernsehkommentator und Mitorganisator auftrat. Er versprach mir, dass alles wesentlich besser als in Dublin organisiert sei, wo ich in den letzten Jahren eher schlechte Erfahrungen beim Ablauf von Pokerfestivals gesammelt hatte. Also sagte ich zu, zumal ich noch nie vorher die Gelegenheit hatte, mich einmal an der Westküste Irlands umzusehen. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht. Padraig organisierte für mich eine Luxussuite mit VIP Betreuung im SAS Radisson Hotel, dass zugleich Ort der Veranstaltung war. Wenn das Umfeld stimmt, sollte es auch mit den Pokerleistungen klappen – dachte ich zumindest. Und hier zeigte sich der „Pferdefuß“ der VIP-Einladung. Ich hoffte, einen „juicy“ Tisch zumindest zu Beginn des Turniers ergattern zu können; stattdessen musste ich am TV-Table Platz nehmen. Und der hatte es in sich! Rechts von mir nahm Padraig Platz, direkt links von mir Marcel Luske und neben ihm saß dann Omaha Weltmeister und Captain des amerikanischen Teams beim Nations Cup, Robert Williamson. Von der ersten Hand an wurde mega-aggressiv gespielt, was so gar nicht zu meiner Basisstrategie bei größeren Multitable-Turnieren passt. Gleich im ersten Level setzte es auch eine entsprechende Klatsche. Mit :Ad :Ks raise ich UTG auf 150 den dreifachen Big Blind und Marcel reraist mich direkt auf 1.000. Entsprechend angepasst an den ziemlich loosen Tisch will ich zumindest einen Flop sehen und zahle die 850 Chips nach. Der Flop bringt :Kh :Qs :3d und ich spiele 1.500 an, die Marcel relativ schnell callt. Am Turn kommt die :7s, ich spiele 3.000 und Marcel geht mit 6.200 all-in. Nach rund zwei Minuten des Überlegens gebe ich schließlich meine Hand auf. Um wenigstens eine Reaktion zu provozieren, openfolde ich AK und Marcel tut mir den Gefallen. Er zeigt mir Pocket Könige, hat also das Topset getroffen. Nach dieser Hand besaß ich nur noch 30 Prozent meines Startstacks, die ich dann schließlich eine Stunde später in einer Coinflip Situation mit :Ah :Qh gegen Padraigs Pocket 7s verlor.
Statt also am nächsten Tag weiter um den Titel mitkämpfen zu können, machte ich einen Tagesausflug und schaute mir die Klippen von Moher an der Atlantikküste einmal etwas näher an. Offensichtlich hatte der dort vorherrschende Orkan meine Gehirnwindungen kräftig frei geblasen. Beim 750 € Nolimit Holdem Side-Event, der um 17 Uhr startete, spielte ich dann wirklich mein A-Game. Der Weg an den Finaltisch wurde mir durch die folgende Begegnung geebnet:
Es waren noch etwa 50 Spieler im Turnier und mit einem Stack von 22.000 lag ich etwas über dem Durchschnitt. Ein semi-loose aggressive Spieler in mittlerer Position open-raised bei Blinds von 500/1000, Ante 100, auf 3.000. Ich finde im Big Blind :3d :3s und zahle die 2.500 nach. Der Flop bringt :2c :6c :Ts. Ich checke und er checkt ebenfalls. Am Turn kommt die :5c. Er spielt 4.000 an und ich calle, weil ich ihm bestenfalls 2 Overcards mit einem Flushdraw gebe. Der River ist die :Th. Ich checke erneut und er spielt 9.000 an. Nach einigem Überlegen calle ich seine Wette. Er zeigt :Ad :Jh und schüttelt seinen Kopf mit den Worten: „Du musst krank sein, wie kannst Du callen?“, als er mein Paar 3er sieht und ich den Pot gewinne. Folgende Überlegung hat mich zum Call seiner River-Bet bewegt: Erstens gebe ich ihm keinen Flush. Da er Preflop geraist hatte, würde er bei einem Flushdraw am Flop immer ein Continuation Bet ansetzen, er checkte aber den Flop. Die 5 am Turn ist relativ ungefährlich, also versuchte er hier mit einer entsprechenden Wette den Pot einzusammeln. Die 10, die am River das Board paart, sehe ich auch als sehr günstige Karte an. Wenn er das Board getroffen hätte, hätte er ebenfalls eine Wette am Flop getätigt. Sollte er selbst ein Paar in seiner Hand halten, das meine 3er schlägt, hat er genug Showdown Value, um den River zu checken. Er kann in der Regel also davon ausgehen, dass er nur dann ein Call oder Raise von mir bekommt, wenn seine Hand geschlagen ist. Letzte Möglichkeit war natürlich, dass er ein Set am Flop getroffen hatte und ein Slowplay machte. Für ein Slowplay war dann aber die Wette von 9.000 am River eindeutig zu hoch. Folgerichtig setzte ich ihn auf einen kompletten Bluff und gewann mit meinem Call einen Pot in Höhe von 35.400
Der Finaltisch selbst lief allerdings nicht ganz nach meiner Erwartung. Ich hatte gerade den Neunten eigenhändig aus dem Turnier befördert und lag mit 120.000 Chips im Schnitt. Jener Mitspieler, der vorher den Bluff gegen mich gefahren hatte, berappelte sich auf dem langen Weg zum Finaltisch nochmals und war mittlerweile Chipleader. Vom Start weg führte er sich als wahrer Maniac auf und raiste jede zweite Hand. Ich wollte ihn unbedingt ausbremsen und sah eine gute Gelegenheit, als ich :Ac :Qc hielt und er wieder mal in früher Position sein Standardraise auf den dreieinhalbfachen Big Blind (20.000) machte. Ich ging direkt all-in, um keinerlei Raum für weitere Psychospielchen zu lassen. Aber diesmal hatte er mit Pocket Damen wirklich eine Hand. Kein As am Board und ich durfte als Achter an die Rail wechseln.
Trotzdem war ich mit meiner Irland-Performance insgesamt zufrieden. Das Jahr war gerade mal 6 Tage alt und ich saß schon an einem Finaltisch bei einem größeren internationalen Event. Das lässt doch hoffen, oder?
Euer Michael von free-888.com
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Von Süchtigen und staatlichen “Schutzmaßnahmen”
2.1.2008 von Michael Keiner.
Die Frau meines Nachbars hat ein Problem. Sie kann an keinem Schuhgeschäft vorbeigehen. Im vergangenen Jahr hat sie mehr als 90 Paar Schuhe gekauft. Alle Indizien sprechen dafür, dass sie konsumsüchtig ist. Aber sie ist nicht alleine; etwa 200.000 andere Deutsche teilen ihr Problem. Und nicht zu vergessen die 25 Millionen süchtigen Raucher, die 8 Millionen Alkoholiker, und natürlich, die 300.000 süchtigen Spieler. Und nicht zu vergessen die Gruppe der Drogen- und Medikamentenabhängigen, die Sexsüchtigen, und so weiter.
Aber die einzige Gruppe, über die derzeit ständig in allen möglichen öffentlichen Medien diskutiert wird, ist die der Spieler. Vor März 2006 waren sie kein Problem, allenfalls eine Randnotiz einer Zeitungskolumne. Doch am 28. März 2006 entschied das Verfassungsgericht der Bundesrepublik Deutschland, dass die einzig legitime Möglichkeit, ein Glücksspielmonopol zu rechtfertigen, der Schutz der süchtigen Spieler sei. Die zweite Option, die das höchste deutsche Gericht vorgab, war die Liberalisierung des Marktes, indem Lizenzen an private Unternehmen zu vergeben seien. Aber die Mehrheit unserer Politiker in ihrer unendlichen Weisheit und unter massiver Beeinflussung der Lobbyisten beschlossen, das Monopol für den Staat zu erhalten. Tausende von privaten Sportwettbüros mussten schließen, und es gab eine Art Lotterie, in welchem Teil von Deutschland ihr Büro war, denn einige lokale Ämter und Verwaltungsgerichte behandelten das “Problem” liberaler als andere. Insgesamt mehrere tausend Menschen verloren ihren Arbeitsplatz, die Steuereinnahmen sanken, und mehr soziale Probleme wurden geschaffen, als beseitigt. Als unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitute errechneten, dass die Einnahmen aus dem Glücksspieltopf ohne die bisherige Werbung um 20 bis 25 Prozent sinken würden, reagierten einige unserer Politiker sehr schnell. Traditionell wurden diese Mittel benutzt, um Sportaktivitäten sowie kulturelle und soziale Projekte zu fördern und zu finanzieren. Also, sagten sie, wenn wir nicht mehr werben dürfen, und die Einkommen der Staatshaushalte sinken, können wir diese Projekte eben nicht mehr unterstützen. Inzwischen förderten private Unternehmen wie Bwin hunderte von Freizeitsportvereinen, sponserten sie mit Trikots, Schuhen, und andere Sachen. Das ist nicht legal, schrien die örtlichen Behörden im südlichen Bayern. Und während die Spieler eines kleinen Fußballvereins in einem kleinen Dorf trainierten, kam die Polizei und zwang die Spieler dazu, ihre Trikots auszuziehen, weil darauf „Bwin“ zu lesen war. Und in der so ordentlichen Stadt Frankfurt ging die Fürsorgepflicht der Staatsraison sogar soweit, dass Pokern aus Gründen der Vorbeugung auch ohne irgendeinen Geldeinsatz verboten wurde, weil aus diesen Aktivitäten ja irgendwann einmal süchtige Spieler rekrutiert werden könnten, die dann tatsächlich um Geld spielen würden.
Warum verbieten wir eigentlich dreijährigen Kindern nicht, mit Legosteinen zu spielen? Prävention kann schließlich nicht früh genug einsetzen.
Mit der Zeit erkannten die Politiker, dass es vielleicht nicht so eine gute Idee war, die gesamte Werbung für Glücksspiele zu verbieten, also interpretierten sie die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes ein klein wenig anders. Vielleicht, so mutmaßten sie, war nur die Werbung von privaten Unternehmen schlecht und gefährdete die süchtigen Spieler, während die staatlichen Anzeigen gut seien und Schutzmaßnahmen darstellten. Wen interessiert es wirklich? Wenn man sein Radio einschaltet, gibt es immer noch jede Menge Jackpot Ankündigungen der staatlichen Lotterie und Werbespots, wie spannend es ist, täglich Keno zu spielen. Natürlich ist dies keine Werbung - es sind nur „Verbraucherinformationen“. Mit all diesen Maßnahmen wurde es leicht absehbar, dass massive Teilbeträge der Gelder, die früher in Deutschland ausgegeben wurden, jetzt ihren Weg zu ausländischen Glücksspielanbietern fanden, meist auf dem Wege des Internets. Dies muss aufhören, dachten die gleichen Politiker und suchten in ihrer unendlichen Weisheit einen Weg, wie man es bewerkstelligen könnte. Warum zwingen wir die Internet Provider nicht dazu, alle IP-Adressen von ausländischen Unternehmen der Branche zu blockieren?
Liebe Politiker, ihr vergesst dabei, dass dies noch nicht einmal in der Islamischen Republik Iran funktioniert, warum also sollte es in Deutschland gehen? Und, wenn endlich das Problem mit den süchtigen Spielern in Deutschland beseitigt ist, gibt es noch viel mehr zu tun. Alle anderen Gruppen von Süchtigen müssen natürlich auch geschützt werden. Das Patentrezept hat unser Staat ja schon gefunden: Alles wird verstaatlicht und monopolisiert! Der Vertrieb von Zigaretten, Alkohol und Medikamenten, Konsumgüter wie Schuhe und Kleidung natürlich auch, weil die Kaufsüchtigen geschützt werden müssen. Ganz besonders spannend wird es beim Schutz der Sexsüchtigen. Um diese Gruppe zu schützen, darf dann vermutlich in Deutschland Sex nur noch mit eigens dafür angestellten Staatsdienerinnen und Staatsdienern praktiziert werden, alles andere wäre in höchstem Maße illegal. Eine kleine aber feine Gruppe zu schützen, wurde auf dem langen Weg der Kontroll- und Fürsorgemanie allerdings vergessen: Es sind die vielen Automatenspieler, die Monat für Monat ihr Einkommen an den Groschengräbern in den Eckkneipen oder Spielhallen verzocken. Diese Gruppe stellt immerhin rund 260.000 der 300.000 Spielsüchtigen in Deutschland dar und wird bei den vielfältigen Bemühungen um Spielerschutz mit keinem einzigen Wort in die Planung und Gesetzgebung mit einbezogen.
Wurden die einfach nur vergessen oder haben die Automatenhersteller vielleicht eine sehr starke Lobby im Hintergrund? Wenn ich etwas hasse, dann ist es diese Art verlogene Doppelmoral, mit der hier vorgegangen wird. Die Perversion des neuen Staatsvertrages zum Glücksspielwesen zeigt sich an allen Ecken und Enden. Während Bwin nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Sachsen weiterhin als privater Anbieter von Sportwetten tätig sein darf und Wetten von Deutschen annehmen darf, sofern sie sich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR aufhalten, ist dies dem anderen Teil der Nation verboten.
Wurde da nach 17 Jahren deutsche Einigung wieder eine neue Mauer errichtet? Das Verwaltungsgericht Hamburg hat dies erkannt und verlauten lassen, dass Bwin in ganz Deutschland (soweit dies Hamburg betrifft!!!) seine Wetten anbieten kann. Und das Verwaltungsgericht Bremen sieht dies völlig anders: Hier wurde Bwin die Tätigkeit für ganz Deutschland rumdum verboten (soweit das Bremen betrifft!!!). In Bremen war die Firma ja ganz gefährlich aktiv, schließlich waren sie Trikotsponsor von Werder Bremen. Ganz andere Töne kommen jetzt jedoch aus einer unvermuteten Ecke. Der Chef der Landeslotteriegesellschaft Rheinland-Pfalz, Herr Hans-Peter Schössler, bezeichnete in einem Interview mit dem Wiesbadener Tageblatt den seit 1. Januar 2008 gültigen neuen Staatsvertrag sinngemäß als Auslaufmodell und pochte dabei auf einen kleinen Nebensatz, der sonst bisher nirgends erwähnt wurde: Mit dem neuen Staatsvertrag gibt es eine Übergangsfrist von einem Jahr, welche die Tätigkeit unter den alten Bedingungen weiterhin zuläßt. Er hat auch allen Grund dazu, dies expizit zu erwähnen. Die Landeslotteriegesellschaft Rheinland-Pfalz ist nämlich nach wie vor in privater Hand und dies ist illegal.Lustig wird es auch in Niedersachsen. Dort hat man gleich mal alle Spielbanken an die Casinos Austria verkauft. Mit dem Kauf wurde der Firma auch gleichzeitig das Recht angedient, ein Internet-Casino zu betreiben. Auch das wäre nach dem neuen Staatsvertrag illegal. Wenn Casinos Austria jetzt kein Internet-Casino betreiben darf, steht ihnen logischerweise Schadensersatz zu. Und wer wird wohl die Zeche bezahlen? Natürlich wir, das Volk!!!
Euer Michael von free-888.com
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