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- 12.5.2009: CAPT Innsbruck: 7. Platz im Main Event
- 13.4.2009: Von notwendigen Strategieanpassungen
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Archive für April 2008
Von Sein und Schein in Monaco
20.4.2008 von Michael Keiner.
Besucher und Bewohner des Fürstentums Monaco lassen sich grob vereinfacht in zwei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe hat sehr viel Geld und zeigt es auch entsprechend. Die zweite Gruppe ist eigentlich nur im Lande, um der ersten das Geld auf die eine oder andere Art und Weise abzunehmen, aber um nicht weiter aufzufallen, tut sie so, als ob sie zur ersten Gruppe gehören würde. Nun, beim EPT Finale geht es auch nicht viel anders zu. Die erste Gruppe sind hoch bezahlte Superstars der Pokerszene, die mit ihrem Privatvermögen, zusammen gerechnet, den Staatshaushalt des einen oder anderen Schwellenlandes vor Neid erblassen lassen. Die zweite Gruppe sind die zahlreichen Onlinequalifikanten oder wagemutige Amateure und Semiprofis, die mit dem Buy in von immerhin 10.600 € mal einen Schuss auf eine wirklich lebensverändernde Situation versuchen wollen. Das Preisgeld von mehr als 2 Millionen € für den Sieg würde tatsächlich das Leben verändern – jedenfalls bei mehr als 90 Prozent der Teilnehmer.
Als ich an Tag 1 B schließlich antrat, hatte ich alles Mögliche im Kopf, nur nicht die ungeheuren Pay-outs. Ich wollte gut spielen, den Tag 1 zunächst einmal überstehen und dann weiter sehen. Ich hatte mich entsprechend gut vorbereitet. Nach meiner Anreise aus Cardiff einen Erholungstag eingelegt, an dem ich nur ein einziges Sit & Go mit einem Buy in von 1.000 € spielte, das ich schließlich Heads Up mit meinem alten Bekannten Vito Branchiforte aus Bregenz splitten konnte, gut und lange ausgeschlafen und nach einem ausgiebigen Frühstück am Meer tauchte ich bestens gelaunt pünktlich im Sporting Club auf. Zunächst lief auch alles nach Plan. Innerhalb der ersten 3 Stunden konnte ich mein Stack von 15.000 auf 30.000 Chips verdoppeln, alles scheibchenweise, ohne auch nur einmal in einem größeren Pot involviert zu sein. Rechts von mir saß ein junger Pole, der mittlerweile in Kanada lebt und sich sein Ticket online erspielt hatte. Von Turnierbeginn an führte er sich als wahrer Maniac auf. Ich hatte den Eindruck, dass er schon „on tilt“ war, bevor die erste Hand ausgegeben wurde. Nach nur 30 Minuten war er auf 2.000 Chips unten, verdoppelte sich zweimal mit echten Suckouts gegen ein paar ungläubig drein schauende Mitspieler und schon ging die Achterbahnfahrt aufs Neue los. Irgendwann war er wieder bei 14.000 Chips angelangt, als ich nach einem seiner beständigen Preflop Raises Pocket Könige fand. Ich wollte ihn isolieren, reraiste sofort und alle anderen foldeten zu ihm. Natürlich callte er ohne Zögern, wie in jedem Spiel vorher, in dem er mit einem Reraise konfrontiert war. Der Flop sah mit :Jx :2x :3x recht harmlos aus, also spielte ich nach seinem Check mit 3.500 Chips ein potsized Bet an. Er ging sofort mit seinen restlichen 12.000 Chips All in. Ich fühlte mich ehrlich gesagt etwas mulmig, brachte es dann aber doch nicht fertig, meine Cowboys zu entsorgen und zahlte nach. Ich hatte mein Geld noch nicht richtig über der Linie, da drehte er auch schon Pocket Asse um. Well played, Sir!
O.K., dachte ich mir, dann starten wir halt von neuem durch, schließlich hatte ich ja nach der Konfrontation immerhin noch meinen Startstack. Aber wie so oft nach derartigen Begegnungen, bekam ich keinen Fuß mehr auf den Boden. Meinen Stack verlor ich schließlich in zwei Portionen. In der ersten Hand raiste ich den dreifachen BB am Cut off mit :Ad :Qd. Der Big Blind zahlte nach und bei einem Flop von :Qh :Tc :4d spielte ich auf sein Check hin mit 2.000 etwa 80 Prozent des Pots an, die sofort bezahlt wurden Die :6d am Turn brachte mir zusätzlich den Flushdraw, also feuerte ich nochmals 5.000 nach. Am River kam mit der :5s eine relative Blank und ich checkte hinter ihm, da ich mit Top Paar Top Kicker ohnehin genug Showdown-Value besaß. In sicherer Erwartung, den Pot einkassieren zu können, drehte ich meine Karten um und schaute doch etwas verblüfft, als er mir seine Hand zeigte: :6c :4h, er hatte am Turn sein zweites Paar getroffen und das Ganze dann noch extrem passiv durchgezogen. Manche Spielzüge werde ich wohl nie begreifen, ganz egal, wie lange ich auch darüber nachdenke! Die restlichen Chips wanderten eine halbe Stunde später in die Mitte, als ein junger Schwede wieder mal ein Standardraise auf 1.100 machte. Ab Level 5 (Blinds 200/400, Ante 25) hatte er auf einen ziemlich loosen Modus umgeschaltet und so entschied ich mich, mit :Ks :Qs gleich meine restlichen 6.000 Chips in die Mitte zu stellen. Er callte mein Reraise mit :Jh :8h und bei einem blanken Flop und Turn besiegelte eine 8 am River mein Schicksal.
Trotzdem war ich mit meinem Monaco Auftritt insgesamt nicht unzufrieden. Ich spielte noch zwei Sideevents, das 1.000 € und das 2.000 € Nolimit Hold’em und bei allen Turnieren stimmte das Timing und die individuelle Anpassung an den Tisch. Im 1.000 Euro Turnier wurde ich 80. von 390 Teilnehmern, weil ich Pocket Damen gegen Pocket 6 verlor. Im 2.000 Euro Turnier wurde ich 16. von 253, weil mein :Ac :Ks gegen die Pocket Queens meines Gegners den Kürzeren zogen. Es war übrigens der einzige Showdown-Coinflip, den ich im gesamten Turnier nach 14 Stunden Nettospielzeit hatte und bei dem Pot ging es um den Chiplead der verbleibenden Spieler. Die Waffen sind also wieder geschärft und das Problem mit der Varianz wird sich über kurz oder lang auch zu meinen Gunsten auswirken.
Euer Michael von free-888.com
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It’s all about Coin Flips
12.4.2008 von Michael Keiner.
Der Poker Nations Cup 2008 in Cardiff ist zu Ende und es ist Zeit, ein wenig Resümee zu ziehen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Obwohl nur der vierte Platz heraus gekommen ist, bin ich unheimlich stolz auf unser Team. Deutschland wurde würdig vertreten!
Nach der riesigen Performance mit zwei Siegen für Andreas und Ben am letzten Tag der Vorrundenheats katapultierten die Beiden uns auf den ersten Platz, als das Finale startete. Als Captain war für mich klar, dass ich für das Finale nur eine Ausgangsstrategie schaffen konnte. In Abhängigkeit von unserem Chipcount und den jeweils am Tisch befindlichen Gegnern der anderen Nationen konnte jeder weitere Schritt nur im Rahmen einer Strategie der „flexible Response“ angewandt werden. Sicher hatte ich verschiedene Szenarien im Kopf, aber welches nun konkret zur Anwendung kam, konnte sich nur aus dem Spielverlauf ergeben.
Die Ausgangssituation sah Benjamin Kang als ersten Starter für Deutschland vor. Er hatte direkt am Abend vorher seinen Heat ohne jede Gefahr als perfekten Start-Ziel Sieg gewonnen. Ich sagte ihm, er solle sich das Ganze einfach als Zweitages-Turnier vorstellen und genau dort weitermachen, wo er ein paar Stunden vorher aufgehört hatte. Jeder im Team stand hinter meiner Idee. Aber bereits nach 20 Minuten verlor Ben einen Monsterpot, der uns vom Chiplead mit über 29.000 auf den letzten Platz mit knapp 9.000 Chips verbannte. Ich will an dieser Stelle Bens Move nicht analysieren oder in irgendeiner Weise kommentieren, aber es war danach eine sofortige Änderung der Taktik notwendig. Ich wechselte Ben gegen Andreas Krause aus, den ich persönlich für den besten short Stack Spezialisten des bekannten Universums halte. Wer sonst sollte uns wieder in eine schlagkräftige Position bringen? In gewohnt souveräner Weise erfüllte Andreas seine Job exzellent und nach Beendigung von Level 5 hatte er uns wieder zu 16.000 Chips verholfen. Danach musste ich gemäß den Regeln des Nations Cup eine neue Auswechselung vornehmen. Die Hauptgegner am Tisch waren jetzt Roland de Wolfe für England und William Thorson für Schweden. Sebastian Ruthenberg erschien mir die perfekte Antwort für diese Situation zu sein, da sein Spielstil die beste Kontermöglichkeit bei diesen Gegnern darstellte. Auch Sebastian schaffte wieder ordentlich Chips an und als ich zum Ende des Level 7 erneut auswechseln musste, hatten wir zwar wieder 23,000 Chips, lagen aber nach wie vor noch unter dem Average.
Aufgrund der hohen Blinds kam jetzt dem Preflop-Spiel die entscheidende Bedeutung zu. Natürlich hätte ich an dieser Stelle selbst gerne ins Geschehen eingegriffen. Aber meine Stärke ist das Spiel an Flop und Turn, Preflop ist Thomas „Buzzer“ Bihl sicher deutlich stärker. Seine Entscheidungen nach dem ICM trifft er wie ein Computer, fehlerfrei, per Autopilot. Beim Nations Cup müssen sich persönliche Überlegungen immer den Entscheidungen im Sinne eines optimalen Teamplays unterordnen. Also war es nur logisch und konsequent, dass Buzzer der Spieler war, der uns zum Sieg verhelfen sollte und ich meiner Rolle als Captain weiter im Greenroom nachkam.
Die Taktik schien aufzugehen. Thomas callte ein All-in von Neil Channing mit Pocket Jacks. Neil zeigte :Kx :8x , wurde also dominiert und nach der Hand waren wir sogar kurzfristig die Chipleader mit 42.000. In den nächsten Runden wollte gar nichts passieren. Keiner der verbliebenen Spieler machte auf und so wurden die Chips mehr oder weniger hin und her geschoben. Bei Blinds von 3.000/6.000 und einem Average von 40.000 lief schließlich alles auf den gefürchteten Crapshot hinaus. Wenn im Fußball gleichstarke Mannschaften aufeinander treffen, entscheidet oft das Elfmeterschießen nach der Verlängerung. Wenn beim Golf mehrere Top-Pros ein Turnier spielen, entscheidet oft über Sieg oder Niederlage, wer die meisten 20 Meter Puts versenken kann. Beim Pokern sind es zuletzt die Coinflips, die man gewinnen muss, um das Turnier heim zu fahren. Die unausweichliche Situation kam, als Neil wieder mal beim Battle of the Blinds mit :9h :7h All-in pushte und Buzzer Pocket 5 im Big Blind fand. Er callte und gleich die Doorcard des Flops brachte eine 9. Keine 5 am Board und wir waren direkt im nächsten Spiel mit 1.000 verbliebenen Chips zwangsweise All-in im Small Blind. Natürlich verloren wir auch dieses Spiel und mussten uns schließlich mit dem vierten Platz begnügen. Keine 10 Minuten später musste auch Marcel Luske als Dritter das Feld räumen. Die Hand des Tages kam dann im Heads Up, als Neil mit :8c :4s All-in pusht und Donechea O’Dea für Irland mit Pocket 2 callt. Eine 4 am River crippelt O’Dea und Channing hatte mal wieder in Sachen Coinflips die Nase vorne. Zum Schluß hatte der frisch gebackene Irish Open Champion das Momentum ganz auf seiner Seite. In einem insgesamt starken Wettkampf war er am Ende der Glücklichere von vier Spielern, von denen jeder einzelne beliebig die Trophäe in sein jeweiliges Heimatland hätte mitnehmen können.
Euer Michael von free-888.com
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Zahlenspielereien
3.4.2008 von Michael Keiner.
Die Potlimit Omaha Partie mit Blinds von 10€/20€ startet wieder einmal mit den üblichen Verdächtigen. Rechts von mir nimmt eine Dame Platz, die mir schon in Seefeld aufgefallen ist: Gut situiert, gepflegte Umgangsformen, gute Allgemeinbildung und erfrischend wenig Ahnung vom Pokern im Allgemeinen und Potlimit Omaha im Speziellen.Aber das ist auch überhaupt nicht nötig. Schon in Seefeld verließ sie Tag für Tag den Tisch als Gewinnerin. Gefloppte Top-Drillinge findet sie fast im 15 Minuten-Takt und trotz ihrer überaus passiven Spielweise hält die Hand dann auch noch am River. Jedes Mal, wenn sie einen Pot über 1.000 € gewinnt, entschuldigt sie sich artig bei ihrem Gegner. Die Entschuldigung ist keineswegs gespielt oder ironisch gemeint, man merkt wirklich, dass es ihr schon fast peinlich ist. Wieder ist sie in einem Pot involviert, rivert bei gepaartem Board schließlich ihren Royal Flush, den sie natürlich schön brav checkt (wie so oft, wenn sie am River die Nuts hält) und gewinnt einen kleinen Pot. Eine Hand später geschieht das Unfassbare: Wieder ist sie am Turn auf einem Inside-Straightdraw in Kombination mit dem Nuts-Flushdraw und wieder rivert sie den Royal Flush in Form einer :Qs. Ganz grob überschlage ich die Odds für zwei Royal Flush in unmittelbarer Folge, komme (mit einer Fehlerquote von gut 10 Prozent) auf eine Wahrscheinlichkeit von 1 : 113 Millionen.Ich kann kaum an mich halten und da platzt es auch schon aus mir heraus: „Weißt Du eigentlich, dass Du gerade Pokergeschichte geschrieben hast?“ frage ich sie. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat diese Handfolge kein Mensch an diesem Pokertisch jemals vorher erlebt und wird sie auch nie wieder erleben.“„Ach Michael, mit der Mathematik habe ich es nicht so, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich das Kunststück im Laufe des Jahres 2008 noch einmal fertig bringe“, antwortet sie mir und bietet mir eine Wette um ein Abendessen an.Ich bin komplett fassungslos: Wenn ein wirklich sehr fleißiger Pokerspieler im Jahr rund 2.500 Stunden an irgendwelchen Live-Cashgame-Tischen verbringt, ist er noch nicht einmal Favorit darauf, diese Übung im Laufe des gesamten Jahrtausends zustande zu bringen und das Jahrtausend hat schließlich noch 991 Jahre Restlaufzeit.Aber manchmal geht es offensichtlich nicht um Stochastik. Ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, die innigste Liaison mit der freundlichsten Seite der Varianz und ein beinahe an Gewissheit grenzendes Vertrauen in den positiven Ausgang aller Abläufe sind mitunter doch wichtiger als alle technisch-strategischen Kniffe und Kenntnisse.
1 : 113 Millionen? Na und, das weiß doch der Royal Flush nicht!
Wir Menschen können uns zwar nicht den fundamentalen Gesetzen des Universums entziehen, aber zeitweise doch ziemlich extreme und überaus erfolgreiche Gratwanderungen auf den äußersten Kanten unternehmen, die diese Gesetze zulassen. Die allermeiste Zeit bleibt uns jedoch der Tanz auf dem Drahtseil verwehrt. Und dann ist es Erfolg versprechender, wenn man Poker auf der Basis des erlernten Wissens und der angesammelten Erfahrungen spielt, ohne sich auf das sichere Eintreten der außergewöhnlichsten (Un)wahrscheinlichkeiten zu verlassen..
Euer Michael von free-888.com
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