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Archive für September 2008
Tableselection
26.9.2008 von Michael Keiner.
In den letzten Tagen hatten mich einige Leute darauf angesprochen, warum ich nicht in London die WSOPE spielen würde, dort hätten Sie mich eigentlich erwartet.
„Stand zu keinem Zeitpunkt auf meinem Terminplan“, antworte ich stets und das „Warum“ würde ich gerne nachfolgend erläutern.
Dank des Pokerbooms sind die Angebote an Turnierfestivals in Europa so reich gesät wie nie zuvor. Man hat manchmal viel mehr als nur die Qual der Wahl, auch wenn man als Messlatte Buy ins größer als 1.500 € anlegt. Somit kommen für einen gewinnorientierten Pokerspieler auch bei der Auswahl der Location diejenigen Mechanismen zum Tragen, die allgemein als Tableselection bekannt sind, was im konkreten Fall sowohl die Qualität der Cashgames, als auch des Turnier-Teilnehmerfeldes betrifft. Als dritter Punkt spielt auch noch die Qualität der Lebensumgebung eine erhebliche Rolle, denn wer sich wohl fühlt, spielt besser.
Im letzten Jahr hatte ich weitgehend erfolglos an der WSOP Europe teilgenommen und dabei die folgenden Erfahrungen gemacht:
1. Teilnehmerfeld
Normalerweise mag ich Turniere, in denen zumindest 30 Prozent des Feldes, gelinde gesagt, als „soft“ einzustufen ist. Grundsätzlich spiele ich am Anfang eines Turniers ziemlich tight und versuche, mir ein oder zwei „weak spots“ auszugucken, die dann hoffentlich irgendwann ihre Chips in mich hineinschütten werden, weil sie möglicherweise eine Hand überspielen oder einen unlogischen Bluff ansetzen. Wenn ich mir allerdings das Teilnehmerfeld in London so ansehe, frage ich mich ernsthaft, welcher Held denn wohl freigiebig seine Chips in mich hineinschütten würde? Na gut, vielleicht finde ich ja im gesamten Turnier fünf bis sieben „weak spots“, aber das ist ein bisschen mager.
2. Cashgames
Die Organisation der Cashgames war im letzten Jahr eine absolute Katastrophe. Es gab keinerlei Kommunikation seitens des Casinobetreibers Harrahs und der möglichen Cashgamespieler und nach mehreren Stunden Wartezeit konnte man dann vielleicht an einem der vier bis fünf Tische in einem kleinen Nebenraum Platz nehmen. Aber auch hier sah der Teich ziemlich „leergefischt“ aus, so dass ich mich ernsthaft fragen musste, wo der Value begründet sein soll. Bei den EPT’s oder der CAPT Serie herrschen da mitunter ja geradezu paradiesische Zustände.
3. Umgebung
London ist nicht meine Traumstadt in Europa. Die Hotels sind völlig überteuert, die Straßen hoffnungslos verstopft und das gesellschaftliche Leben spielt sich nur noch vor den Pubs in streng eingezäunten und massiv überfüllten Bereichen ab, da die Briten in ihrer Regulierungswut selbst noch die Bereiche im Freien mit seilartigen Zäunen versehen, wo man sich einen Glimmstengel anzünden kann. Das sieht dann so aus: Im Pub befinden sich noch 10 bis 15 Leute und vor dem Pub 200, die sich dann aufgrund der Enge gegenseitig mit ihren Zigaretten verbrennen.
Als Alternative zur WSOPE London hatte ich das Turnierfestival im Concord Card Casino Wien, gefolgt von den Europameisterschaften der Casinos Austria in Baden bei Wien. Wenn ich mir die oben genannten Kriterien unter dem Stichwort „Tableselection“ anschaue, ist es klar, wohin die Reise geht: In meine zweite Heimat Wien! Hier werde ich in den nächsten zwei Wochen ebenfalls vier Turniere mit einem Buy in von 2.000 € und mehr spielen, daneben noch eine paar Turniere mit etwa 1.000 €. Ist doch auch nicht zu verachten, oder?
Nach meinem Sieg im Bregenzer Main Event vor ein paar Wochen las ich den folgenden Kommentar: Der kleine Fisch meidet das tiefe Wasser… Zugegeben, da musste ich ganz schön schmunzeln! Natürlich ist es manchmal viel schöner in seichten Gewässern, aber deshalb geht es trotzdem häufig genug in den großen Ozean. Von den EPT Events werde ich bis auf drei (London, Kopenhagen und Bahamas lasse ich aus) alle anderen spielen. Für ein weiteres Bracelet, das hoffentlich kommen wird, muss ich aber nicht nach London. In Las Vegas gibt es nächstes Jahr noch 55 weitere Armbändchen! Die richtige Mischung macht’s.
Und nach London fliege ich sowieso. Am 27. Oktober, also einen Tag vor dem Start der EPT Budapest, werde ich einen Blitzbesuch machen und meinen Heat der 888 Poker Open spielen. Drückt mir die Daumen, dass ich dann am 4. November noch mal nach London fliegen muss, um das Finale spielen zu dürfen.
Ein geschicktes Händchen bei der Auswahl Eurer Tische wünscht Euch
Euer Michael von free-888.com
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Varianz – einmal anders betrachtet!
17.9.2008 von Michael Keiner.
Die folgende Geschichte hat zwar nur indirekt etwas mit Poker zu tun, weist aber erstaunliche Parallelen zu den heftigsten Tablestories auf, so dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte.
Ursprünglich sollte ich ja am letzten Samstag schon in Seefeld aufkreuzen, um im lange angekündigten Teamchallenge meinen Platz im 888 Team einzunehmen. Da ich glücklicherweise den Tag 3 der EPT-Barcelona mitspielen durfte, musste also schnell nach einer Alternativlösung gesucht werden. Im Team nahm dann Pjotr Job meinen Platz ein, der in der letzten Zeit bei österreichischen Turnieren eine beeindruckende Erfolgsserie vorweisen konnte. Ich buchte meinen Flug auf Montag um. Girona – Karlsruhe/Baden mit Ryanair. Von Baden-Baden sollte es dann mit eigenem Auto nach Seefeld weitergehen und wenn alles planmäßig funktionierte, sollte ich schon um etwa 17 Uhr in Seefeld eintrudeln.
Bis zum Boarding lief auch alles perfekt und kurz nach 10:30 Uhr standen wir auf der Startbahn in Girona und hatten Startfreigabe. Plötzlich drehte der Pilot um und rollte zurück zum Gate. In einer für jeden verständlichen Erklärung teilte er uns mit, dass der Höhen- und Geschwindigkeitsmesser des ersten Offiziers ausgefallen seien und er einen Start bis zur Lösung des Problems nicht riskieren dürfe. Seine Entscheidung wurde von beinahe allen Passagieren vollkommen respektiert und mit deutlicher Zustimmung aufgenommen. Am Gate mussten wir wieder von Bord und eine lange Zeit des Wartens begann. Lange vor Allem deshalb, weil sich niemand von Ryanair bemüßigt fühlte, uns irgendeine Erklärung zum weiteren Ablauf zu geben, beispielsweise, ob ein Ersatzflug geplant sei oder wie lange die Reparatur sich noch hinziehen könnte. Nach 5 ½ Stunden Wartezeit kam dann die lapidare Erklärung, dass der Flug komplett gestrichen wird und wir uns zum Schalter begeben sollten, um Alternativen angeboten zu bekommen. Erst in diesem Moment wurde auch unser Gepäck wieder freigegeben und als ich es endlich in Empfang nehmen konnte, fand ich schon eine lange Schlange am Ryanairschalter vor, die sich nur mit schneckenartiger Geschwindigkeit vorwärts bewegte.Nach einstündiger Wartezeit war ich endlich beim „Schalterbeamten“ angekommen, der mir erklärte, dass ab sofort keine Umbuchungen mehr an diesem Schalter vorgenommen werden und ich mich an der links von mir befindlichen Schlange erneut anstellen solle. Selbst das lautstarke Vortragen meiner Argumente, dass ich jetzt wohl an der Reihe sei, auch unter hilfsweisem Einsatz meiner Faust, die auf seinen Schalter einhämmerte, konnte seinen Standpunkt nicht ändern. Er ignorierte mich einfach. Ein kurzer Blick auf die andere Schlange genügte, um absehen zu können, dass ich dort wohl weitere zwei Stunden Wartezeit verbringen müsste, um überhaupt zum Schalter vordringen zu können. Mittlerweile hatte ich von anderen Passagieren erfahren, dass die früheste, durch Ryanair angebotene Gelegenheit zum Heimflug erst am nächsten Tag um 20 Uhr angeboten wurde. Dann allerdings nicht nach Baden-Baden, sondern nach Frankfurt/Hahn. Und wie bitteschön sollte ich dann zu meinem Auto auf dem 250 km entfernten Flughafen kommen? Tja, das ist doch nicht das Problem von Ryanair.
Ich hatte von dem Kasperletheater endgültig die Schnauze voll und überlegte mir Alternativen. Auf gut Glück zurück nach Barcelona und einen Flug mit einer anderen Gesellschaft nach Frankfurt suchen, hätte sicher auch erst am nächsten Tag geklappt. Und dann war ja auch noch die Strecke in Deutschland zu bewältigen. Aber wozu gibt es schließlich Mietwagen? Girona – Baden-Baden, das sind gerade mal 1100 km, die sollten eigentlich in 10 Stunden zu schaffen sein. Dann ein paar Stunden schlafen und weiter geht es nach Seefeld, wo ich mit nicht mal 24 Stunden Verspätung ankommen würde. Also hin zu AVIS, einen Mietwagen für 448 Euro organisiert, die ich mir natürlich von Ryanair wiederholen will (darin kann ich ziemlich hartnäckig sein!). Keine 30 Minuten später war ich auf der Autobahn. Die ersten 680 km liefen auch absolut problemlos. Mittlerweile war es 0:30 Uhr, ich befand mich irgendwo zwischen Lyon und Besancon „in the middle of nowhere“, als dann die Augen doch etwas schwer wurden und ich kurz einen Parkplatz ansteuern wollte, um mir die Beine zu vertreten. Schon auf dem Bremsstreifen ging der Motor am geliehenen Seat Ibizia aus und keinerlei Überredungsversuche meinerseits brachten ihn wieder zum Laufen. Ich rief die AVIS-Hotline in Deutschland an, aber die können mir nachts um 1 Uhr in Frankreich auch nicht weiterhelfen. Als bis 2 Uhr rein gar nichts passiert, rufe ich den französischen Pannendienst an und lasse mich von der Autobahn schleppen (213 Euro, die ich mir auch von irgendjemand wiederholen werde!). Es ist nun schon 3 Uhr nachts und ich sehe ein, dass ich in diesem Moment überhaupt nichts mehr machen kann. Der Pannendienst organisiert mir noch schnell ein Taxi, das mich zu einem 5 km entfernten Hotel bringen soll. Selbstverständlich war das Taxameter schon auf 25 Euro voreingestellt. Entweder akzeptiere ich die Sondergebühr oder ich kann laufen. Das Hotel entpuppt sich schließlich als eine Art Jugendherberge, aber egal, Hauptsache ein Bett!
Am nächsten Morgen geht das Spiel dann noch mal von vorne los. Um 9 Uhr rufe ich AVIS Deutschland an, aber die können angeblich nichts machen. AVIS Spanien verweist mich schließlich an AVIS Frankreich, weil ich mich dort aufhalte. AVIS Frankreich verweigert jede Hilfe, weil es ein spanisches Auto ist. Ich bin am Durchdrehen! Nach etlichen Fehlversuchen erklärt sich schließlich Spanien für mich zuständig. Sie wollen mir ein Taxi organisieren, dass mich die 250 km nach Mühlhausen bringt, wo ich einen Ersatzmietwagen in Empfang nehmen soll, um mit dem dann endlich ungehindert nach Baden-Baden weiterreisen zu können. Mein Jugendherbergszimmer musste ich schon um 11 Uhr räumen, und die Blicke des „Hotelmanagers“ wurden immer grimmiger, als ich mein Lager im Rezeptionsbereich aufschlug. Wann denn endlich mein Taxi kommen würde?Um 16 Uhr holt mich zu guter Letzt das Taxi ab und wir düsen los Richtung Mühlhausen. Normalerweise bin ich absolut seetauglich und Reisekrankheit ist für ein Fremdwort. Aber der Taxifahrer hatte es in sich. Völlig unfähig, auf weitgehend leerer Autobahn eine Geschwindigkeit zu halten, musste er dauernd mit dem Gaspedal spielen und die Tachonadel bewegte sich im Sekundentakt zwischen 135 und 140 km/h hin und her. Mir wurde speiübel und ich schaute mich nach einem geeigneten Behältnis um, als ich direkt in der Seitenablage eine Kotztüte entdecke. Ob der Fahrer wohl schon einschlägige Erfahrung mit seinen Kunden gemacht hat? Um 18:30 Uhr kamen wir in Mühlhausen an und ab da lief alles nach Plan. Seefeld habe ich mir allerdings geschenkt, ich war einfach zu entnervt und bin nach Hause gefahren.
So und jetzt soll mir jemand noch mal eine Bad Beat Story über einen Einouter am River erzählen. Ich werde nur grinsen… Ende Oktober werde ich wieder fliegen, nach London, zur 888 Poker Open. Der Flug wird aber gewiss nicht mit Ryanair nach Stansted gehen, sondern mit einer anständigen Fluggesellschaft, die schon mal was von Krisenmanagement gehört hat.
Euer Michael von free-888.com
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EPT Barcelona 2008 – Aus der Traum!
14.9.2008 von Michael Keiner.
Eigentlich hatte alles ganz gut ausgesehen. Tag 2 beendete ich bei 36 verbliebenen Spielern mit fast 300.000 Chips, was beinahe dem doppelten Average entsprach. Ich war fokussiert, aber nicht aufgeregt, konditionell fit, aber nicht überdreht.
Links von mir nimmt einer junger, mir völlig unbekannter Finne Platz, der schon vor der ersten Hand mit der Gesamtsituation komplett überfordert schien. Er hippelt auf seinem Stuhl herum, als ob in seiner Hose gerade eine Kolonie Ameisen ihr Nest bauen wollen, während seine Blick ständig Hilfe suchend zu seinen Freunden wandern, die als Railbirds moralische Unterstützung leisten wollen. Mit 80.000 Chips bei Blinds von 3.000/6.000 ist er zwar shortstacked, sollte aber keinesfalls der Verzweiflung nahe sein. In Ermangelung eines besseren Konzeptes pusht er seine Chips ständig All in und kann sich innerhalb von 30 Minuten auf etwa 120.000 hocharbeiten. Einmal habe ich auch preflop eine Hand gegen ihn aufgegeben, als ich :Ks :Qs preflop auf 17.000 raiste und sein stereotypes All in zu hören bekam. Es war einfach noch nicht der richtige Spot, um die Konfrontation zu suchen. Wenige Hände später starte ich mit Pocket :Tx :Tx, raise wieder auf 17.000 und höre wieder sein All in. 103.000 muss ich nachzahlen und diesmal kann ich nicht noch mal aufgeben. Angesichts der Tatsache, dass ich auch bei Verlust der Hand immer noch knapp über Average liegen würde, verliere ich zusätzlich zuviel Reputation am Tisch, wenn ich mich erneut rauspushen lasse. Ich calle und er dreht :Ad :Qh um. Am Flop und Turn kommen lauter Blanks, aber, als ob Barry Greenstein persönlich anwesend wäre, erscheint das „Ace on the river“. Der Finne bricht in laute Jubelstürme aus, tanzt um seinen Stuhl herum und schreit „Yes, yes, yes“! Einige Hände später hat es sich dann ausgejubelt, als ein erneutes All in von ihm durch Jonas Klausen gecallt wird und sein :Jc :3c die soliden Pocket Queens von Jonas nicht schlagen können.
Für die nächsten zwei Stunden muss ich mir dann ständig ansehen, wie die Action mit All ins bei mir ankommt und ich niedliche :9x :2x in meinen Holecards finde und in den Muck befördern darf. Ein paar Mal kann ich die Blinds klauen, verliere aber trotzdem in dieser Zeit etwa 60.000 Chips an Blinds und Antes. Mittlerweile besitze ich nur noch 110.000 Chips, nur mein rechter Nachbar, der erfahrene Pro Ramzi Jelassi aus Schweden, ist mit 73.000 noch shorter als ich. Bei Blinds von 5.000/10.000 sitze ich im Small Blind und finde Pocket :8x :8x, als er am Button All in pusht. Der Mann weiß genau, was er tut und mit seinem kleinen Stack ist die Range der Karten, die er pusht, so offen wie ein Scheunentor. In vielen Fällen dominiere ich seine Hand, also Call. Er zeigt :Qs :9d. Wie ich diese unausweichlichen Coinflips hasse!!! Der Flop kommt mit :Ts :6h :2d noch recht harmlos, der :Ks am Turn gibt ihm noch zusätzlich einen Gutshot Straightdraw und die :9s am River besiegelt erneut mein Schicksal.
Danach bleiben mir noch exakt 33.000 Chips, die meinen Spielraum auf maximal einen Orbit begrenzen. UTG finde ich schließlich :Ax :2x und die Chance, dass ich im Big Blind in der nächsten Hand bessere Startkarten finden sollte, ist sehr klein. Also rein damit! Jonas callt und Dren Ukella, der im Small Blind sitzt, callt ebenfalls. Schon beim Flop von :Ks :Qh :8d weiß ich, dass ich so gut wie tot bin. Jonas gewinnt den Pot schließlich mit :Qx :Jx und ich scheide als 25. aus
Einen Tag später habe ich den Absturz immer noch nicht ganz verdaut. Ich bin die Hände wieder und wieder im Kopf noch mal durchgegangen, finde aber keinen einzigen Spot, in dem ich eine bessere Entscheidung hätte treffen können. Eventuell hätte ich schon beim ersten All in des Finnen mein Glück mit KQ suited versuchen und mich auf den Showdown einlassen sollen, aber das ist reine Spekulation. Fest steht jedenfalls, dass man in der Spätphase von derart großen Turnieren hin und wieder ein paar anständige Startkarten braucht, die dann auch einen Showdown überleben können. Aber glücklicherweise gibt es immer ein nächstes Mal.
Siegreiche Showdowns wünscht Euch
Euer Michael von free-888.com
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EPT Barcelona 2008 – Meine Rollercoasterfahrt durch Tag 1A
11.9.2008 von Michael Keiner.
Wenn man nur lange genug Poker spielt, wird man wahrscheinlich alles erleben, was technisch möglich ist. Da ich ziemlich lange dabei bin, dachte ich, dass ich schon fast alles erlebt habe – bis heute. Gleich zwei Premieren gab es für mich zu bestaunen, die schließlich zu einer ziemlichen Achterbahnfahrt durch den ersten Tag des EPT-Events führten.
Barcelona ist extrem beliebt in der Pokergemeinde, trotz der chaotischen Zustände im Gran Casino und trotz des astronomischen Rakes von mittlerweile 40 € Maximum pro Pot. Um jeglichem Stress hinsichtlich meiner Teilnahme am Turnier auszuweichen, hatte ich das Buy-in schon vor vier Wochen überwiesen und mir als Starttag 1A gewünscht. Für den wünschenswerten Fall, dass ich den ersten Tag überleben sollte, waren also noch mal 36 Stunden Pause vorgesehen, bevor es so richtig ums Eingemachte und einen mehrere Millionen Euro schweren Preispool gehen sollte.
Nahezu pünktlich starteten wir um 14 Uhr mit 292 Spielern. Nach einer Warmlaufphase von rund 60 Minuten ging das Turnier für mich auch recht viel versprechend los. Ich gewinne mehrere ansehnliche Pots im Lauf der ersten fünf Stunden und finde mich etwa gegen 19 Uhr mit knapp 35.000 Chips im erlauchten Kreis der Chipleader wieder. Dann kommt es zur ersten Premiere: UTG openraise ich mit :Ac :Ad bei Blinds von 150/300 auf 950. Ich gebe zu, dass ich es nicht ungern gesehen habe, als mein linker Nachbar direkt mit 5.000 All-in geht. Sein linker Nachbar wiederum überlegt geschlagene 20 Sekunden und geht dann ebenfalls mit ca. 15.000 All-in. Zugegeben, als dann der Button auch noch mit den Worten: „Let’s gamble!“ All-in geht, fällt mir schon ein wenig die Farbe aus dem Gesicht. Natürlich calle ich, obwohl mir klar ist, dass ich schon etwas Glück benötigen würde, um am River als Sieger dazustehen. Meine Kontrahenten zeigen mit Pocket 5-5, J-J und K-K jeder ein Paar und gegen alle 3 Hände zusammen habe ich gerade mal 51 Prozent, es spielt sich also für mich de facto wie ein Coinflip. Aber die Asse halten tatsächlich und plötzlich bin ich mit weit über 60.000 der Chipleader des Turniers.
Zunächst passiert nicht mehr allzu viel, ich muss ein paar Raises preflop gegen kräftige Reraises aufgeben, verliere noch mal einen größeren Pot mit einem gefloppten Drilling gegen den geturnten Nutsflush und halte nur noch 45.000, als es zu folgender Begegnung und damit zur zweiten Premiere kommt. 15 Minuten vor dem Ende von Tag 1, bei Blinds von 300/600 und 75 Ante, limpt Chad Brown UTG ein. Alle folden zu mir im Small Blind und ich finde :Ah :Qd. Chad ist einer jener Kandidaten, die sehr gerne limpen und bei einem Raise mit einem deutlichen Reraise antworten, also fülle ich nur auf, während der Big Blind checkt. Im Flop kommt :Qc :8c :3d. Chad macht in Position fast immer eine Continuation Bet, also checke ich mit der Intention eines Checkraises, aber sowohl der BB als auch Chad checken behind. Am Turn kommt der :Jh. Jetzt wird mir das Board doch etwas zu drawlastig, also spiele ich 2.000 an. Der Big Blind antwortet mit einem Raise auf 5.000. Ich konnte ihn schon eine geraume Zeit beobachten und hatte ihn schon relativ früh mit dem Attribut „Napoleon.Syndrom“ versehen. Ein jugendlicher Südländer, von ungemein kleiner Körperstatur und mit einem grenzenlosen Selbstbewusstsein ausgestattet, das in krassem Widerspruch zu seinen tatsächlichen Pokerfähigkeiten steht, nutzte er jede sich bietende Gelegenheit zu untermauern, dass er tatsächlich der Größte ist.Nach Chads Fold calle ich nur, um bei einer harmlosen Karte einen Bluff am River zu induzieren. Der River ist mit der :5d tatsächlich ziemlich harmlos. Ich checke und er annonciert direkt All-in. Eigentlich bestätigt mich sein viel zu schnelles All-in nur in der Annahme, dass er „Luft“ hat. Zur Sicherheit gehe ich aber nochmals in Gedanken die Hand Schritt für Schritt durch und bitte den Dealer mit dem Wort „Count“ um ein Abzählen seiner Chips. Mein Gegner hat offensichtlich „Call“ verstanden und dreht blitzartig zur Hälfte seine Karten um. Der Dealer schreit noch: „No, no only count, no call!“ und mein Gegner dreht die Karten wieder zurück. Während die andere Seite des Tisches alles sehen konnte, erhaschte ich nur einen Blick auf die :9c, die zweite Karte war für mich nicht zu sehen. So langsam wird mir mulmig. Hat er tatsächlich 10-9 gespielt und die Straight geturnt? Der bereits vorprogrammierte, glasklare Call, erscheint mir plötzlich doch ziemlich wackelig. 13.000 müsste ich noch bringen. Die Geschwindigkeit seines Showdown-Versuches gibt am Ende den Ausschlag: Ich folde meine Hand. Als sie im Muck liegt, fragt mich Chad: „Konntest du nicht seine Pocket 9-9 schlagen?“ Mich trifft fast der Schlag. Seine zweite, für mich unsichtbare Karte war ebenfalls eine 9! Nur im Zusammenspiel dieser speziellen, völlig ungewöhnlichen Ereignisabfolge war es für „Klein Napoleon“ möglich, die Hand zu gewinnen. Am Liebsten würde ich im Boden versinken. 63.000 Chips könnten wieder vor mir stehen, stattdessen sind es gerade mal 39.400.
Ich bin heilfroh, als der Tag 1 keine 10 Minuten später zu Ende geht und ich einen ganzen Tag Zeit habe, mich mental auf die Fortsetzung des Turniers einzustimmen. Bei näherer Betrachtung sind 39.400 auch nicht so schlecht, immerhin 10.000 mehr, als der Average besitzt.
Euer Michael von free-888.com
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Bregenzer Sommerfestival – Sieg im Main Event
1.9.2008 von Michael Keiner.
Wieder einmal hatte Casinos Austria nach Bregenz zum Sommerfestival eingeladen und wieder einmal konnte ich dem Lockruf nicht widerstehen, hatte ich nach der CAPT Graz doch tatsächlich eine ganze Woche Zuhause verbracht.
Insgesamt fünf Nolimit Holdem Turniere standen auf dem Programm, von denen ich aber von vornherein die zwei „kleineren“ (200 € mit Rebuys und das 500 € Freezout) in meinem persönlichen Turnierplan gestrichen hatte. Der Grund ist ganz einfach zu erklären: Jedes einzelne Turnier startete schon um 14 Uhr und da ich mir fest vorgenommen hatte, gut zu spielen, musste ich mich zwangsläufig auf stundenlange Sitzungen einrichten. Da aber auch die Omaha Cashgame Partien aufgrund der bekannt guten Bregenzer Action nicht zu kurz kommen sollten, musste ich irgendwo Abstriche machen.
Wie ich im 800 € und 1.000 € Freezeout feststellen konnte, war mein Spiel im Großen und Ganzen ziemlich nah an meinem persönlichen A-Game dran. In beiden Turnieren kam ich unter die letzten 30 Spieler. Im 800er verlor ich mein Turnierleben mit Pocket 10er gegen As-10 von Vito Branciforte. Ich hatte meine Chips als deutlicher Favorit in die Mitte gebracht und halt ein bisschen Pech gehabt – kein Grund um sauer zu sein. Im 1.000er war ich bei 34 verbliebenen Spielern Chipleader, nur um dann als 25. auszuscheiden, weil ich mich unbedingt auf einen Coinflip (mit A-K das All in meines Gegners gecallt, der Pocket Jacks hielt) einlassen wollte. Mein Call war zwar mathematisch gesehen absolut korrekt. Ich musste noch 22.000 für einen Pot von insgesamt fast 70.000 nachbezahlen. Aber war das turniertechnisch gesehen auch die richtige Entscheidung? Hätte ich den Call sein gelassen, wäre ich immer noch knapp über Average gewesen und hätte meine bereits investierten Chips risikoloser über das wiederholte Einsammeln der Blinds zurückholen können, ohne mich auf die Tatsachenentscheidung im Showdown einlassen zu müssen. So aber war ich nach Verlust des Coinflips shortstacked und quasi ohne die nötigen Waffen, um weiterhin Druck ausüben zu können.
Genau jene Überlegungen sollten der Wegbereiter für meinen Sieg im Main Event sein. Insgesamt viermal stand ich in der späten Turnierphase vor der Entscheidung, den meiner Ansicht nach höchst wahrscheinlichen Coinflip in Kauf zu nehmen und jedes Mal vermied ich ihn. Meine verbleibenden Chips reichten einfach zur Genüge aus, um in aller Seelenruhe weiterhin „mein“ Spiel zu spielen und die Mitspieler vor Entscheidungsprobleme zu stellen, anstelle selbst welche zu haben.
Was aber war neben der unabdingbar nötigen Portion an Glück der Hauptgrund für den Turniersieg? Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die erfolgreiche Operation meiner Nasenscheidewand und der Nebenhöhlen vor vier Wochen hier eine erhebliche Rolle spielte. Das erste Mal, seit ich denken kann, bekomme ich richtig „Luft“ über die Nase und ich habe mich selten gesundheitlich so fit gefühlt. Am ersten Tag des Main Events kamen wir auf 13 Stunden Turnierdauer, davon 11 Stunden Nettospielzeit und ich fühlte mich ungefähr so gut, als ob ich gerade mal zwei Stunden am Tisch gesessen hätte, während einige meiner Mitstreiter doch mehr als offensichtlich mit deutlichen Ermüdungserscheinungen zu kämpfen hatten. Es lohnt sich also, zum „besten“ Spezialisten zu gehen, obwohl die Operation fast überall durchgeführt wird. Den Bregenzer Sieg widme ich daher Dr. Kovacevic aus der HNO-Praxis am Stephansplatz in Hamburg. Und wer glaubt, dort könnten sich nur Leute mit richtig viel Schotter unters Messer legen, irrt gewaltig: Dr. Kovacevic ist für alle Krankenkassen zugelassen und operiert AOK-Patienten genauso sorgfältig wie die Leidensgenossen, die privat versichert sind.
Poker und das Leben weisen überraschend häufig erstaunliche Parallelen auf: Gute und präzise Informationen sind oft viel wertvoller als Geld, respektive Chips, meint
Euer Michael von free-888.com
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