Archive für November 2008

Die Woche der (Poker)-Autisten

Mein Gegenüber lässt sich reichlich Zeit für seine Entscheidung. Schließlich ist er ja so gut wie draußen aus dem EPT-Event, wenn er falsch liegen sollte. Ungefähr 1.000 Chips würden ihm noch bleiben, wenn er die Hand verliert. Bei einem Board von :2d :3h :Js :9d hatte ich mich nach seinem Check am Turn mit knapp 9.000 All in gestellt. 6.000 lagen zu diesem Zeitpunkt im Pot und mein All in war vielleicht etwas hoch ausgefallen, aber bei einem regulären Anspiel wäre ich ohnehin am River comitted gewesen: In der Hand hielt ich :Jc :9c und hatte somit die Top 2 geturnt. Schließlich presste er “Call” aus seinen zusammengekniffenen Zähnen und macht sich nicht einmal mehr die Mühe, sein Stack in die Mitte zu schieben. Er dreht :Ah :4h, eine Overcard und den Gutshot zur Straight. Nicht schlecht, denke ich, mit diesem Pot wäre ich dann endlich mal über Average und so richtig im Spiel an Tag 2. Der Dealer dreht den River um: :5s. Mein werter Gegner hat seinen Gutshot getroffen. Sein “Yes” wird sofort von einem “oh, sorry, sorry” relativiert, als er meine 2 Paar sieht. Während er die Chips einsammelt, erklärt er mir noch auf Englisch, dass er das Turnier quasi als Freeroll spielt, da er seinen Sitz mit 11,60 US$ Einsatz Online gewonnen hat. “No sorry”, antworte ich, “Du hast eine gute Hand!” Ein klein wenig Ironie kann ich mir wohl doch nicht verkneifen. “Ja, ” bestätigt er, “und schließlich hatte ich ja auch noch das As als Overcard.” Ihm kam während seiner Überlegung nicht einmal die Idee, dass ich besser als lediglich ein Paar sein könnte. 

Drei Tage später sitze ich im PokerRoyale in Wiener Neustadt und spiele bei den Masters mit. Obwohl nur 42 Spieler den Weg ins Turnier fanden und obwohl das garantierte Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro am Ende doch nicht eingehalten werden konnte, war das Turnier selbst vorbildlich: 50.000 Chips als Startstack, 60 Minuten Levels und Startblinds von 50/100 erfüllen wohl jeden Anspruch an ein deep stack Format. Mir schräg gegenüber nimmt ein etwas überaktiver junger Lokalmatador Platz. Nach seinen einleitenden Worten und Kommentaren glaube ich schließlich, mit dem Erfinder des Pokerspiels höchstpersönlich an einem Tisch zu sitzen. Jede Hand, ob er nun involviert ist oder nicht, wird lautstark analysiert und bewertet.Allerdings sehe ich in den fünf Stunden, die ich ihn beobachten konnte, keine einzige Hand, die er gut, geschweige denn fehlerfrei gespielt hätte. Aber, was soll’s, unser Kiddie trifft halt und wenn er nicht sofort ein Monster hält, suckt er seine Gegner spätestens am River aus. Sein Standard-Eröffnungsraise liegt so zwischen dem 20- bis 30fachen Big Blind. Warum sollte er sich auch an die Blindlevels anpassen, Poker ist doch ein Spiel für ganze Kerle. Dann kommt es zu folgender Situation: Erneut suckt er seinen Gegner aus, doch im Gegensatz zu den vorhergehenden Spielen erahnt er diesmal, wie viel Glück er just in dm Moment hatte. Sofort platzt es aus ihm heraus: “Das Turnier sei ihm sowieso egal, er ist gesponserter Spieler und das Buy-in kommt nicht aus seiner eigenen Tasche!” Aha, jetzt kenne ich wenigstens die ultimative Begründung für schlechtes Spiel!Es kam, wie es fast vorhersehbar war: Nach fünf Stunden Spielzeit mache ich mit Pocket Damen ein Eröffnungsraise auf den 2 1/2 fachen Big Blind. Natürlich zahlt er sofort nach und spielt bei einem Flop von :2d :3d :9c 8.000 in einen Pot mit 4.800 an. Ich will mich auf nichts einlassen und reraise sofort All in. 27.000 muss er noch nachbringen und ohne eine einzige Sekunde des Überlegens annonciert er seinen Call. Er dreht :Jd :7d um. Natürlich kommt am River die :Td, die ihm den Flush komplettiert. Ich murmele noch ein “well played Sir!” und verabschiede mich von der Runde. Sofort springt er auf, läuft mir nach und will mir verbal beweisen, wie genial er doch diese Hand gespielt hat. Ich hingegen würde am Liebsten auf der Stelle mit ihm um 10.000 Euro Heads Up spielen, trotz seines Laufes. 

Klar, in den ersten paar Minuten habe ich mich schon geärgert, sowohl in Warschau, als auch in Wiener Neustadt. Aber letztlich sollte ich mich eigentlich freuen, dass es trotz eines vielfältigen Ausbildungsangebots immer noch Spieler solchen Kalibers gibt. Ohne sie würde jeder Turniersieg ungleich schwerer werden. 

Interessante Mitspieler wünscht Euch 

Euer Michael von free-888.com

Sieg bei den 888 UK Poker Open V

Mein prallvoller Terminkalender führte mich auf  direktem Weg von Budapest nach London. Der Grund war die Einladung zur 888 UK Poker Open, das schon seit Jahren zu der größten internationalen TV Turnieren zählt und in den Matchroom Studios in London aufgezeichnet wird. Das Buy in beträgt 6.000 US$ und die 108 Teilnehmer sind eine etwas exotische Mischung aus internationalen Top Pros, Online-Qualifikanten und ein paar Celebreties. 

Das Turnierformat entspricht am Ehesten einem „Triple Shoot Out“. Zuerst muss man in einer Art Vorrunde seinen 6er-Tisch wie bei einem Sit & Go gewinnen. Alle Zweitplatzierten des jeweiligen Heats bekommen eine zweite Chance als Hoffnungslauf, um sich noch für den letzten verbliebenen Platz an einem der drei Semifinaltische zu qualifizieren. Die Semifinale werden an einem 7er-Tisch gespielt und die beiden Erstplatzierten des Semifinales bekommen einen Platz im Finale, das dann wiederum als 6er-Tisch ausgetragen wird. Die Besonderheit: Man nimmt seine Chips aus dem Semifinale an den Finaltisch mit! 

Für mich war ein Platz im vorletzten der insgesamt 18 Vorrundentische reserviert, der es dann von der Besetzung her wirklich in sich hatte. Weit und breit war kein Qualifikant oder Celebrity  in Sicht, ich hatte es stattdessen ausschließlich mit gestandenen Pros zu tun. Aber gleich in der allerersten Hand stand ich vor einer „Alles oder Nichts“ Entscheidung, als ich das Raise von Roberto Romanello preflop callte und mit meinen Pocket 7-7 das medium Set bei einem Flop von :Jd :7d :4c traf. Ich checkraiste ihn, er erhöhte nochmals und ich ging All in. Ohne zu Zögern callte er und drehte :8d :9d um. Flushdraw mit inside Straightdraw war nicht unbedingt die Gegenhand, die ich mir wünschte. Aber mein Gegner konnte sich weder auf Turn, noch auf dem River verbessern und so saß ich direkt nach einer gespielten Hand mit doppeltem Average am Tisch und konnte nach Herzenslust loslegen. Den Chiplead gab ich nie wieder ab und gewann die Vorrunde recht problemlos. 

Wesentlich schwieriger gestaltete sich das Semifinale. Speziell der einzige Amateur in unserem Heat, ein siebzigjähriger, ziemlich unerschrockener Nordengländer, war mit keinem Raise preflop aus irgendeinem Pot zu vertreiben und zu allem Überfluss hatte der Herr auch noch einen richtigen Lauf. Ich mied ihn, wo es nur ging und wartete auf erste Anzeichen, dass dieser übermenschliche Lauf endlich zu Ende gehen sollte. Dies geschah dann auch prompt, als wir noch zu Viert waren und innerhalb von nur 20 Minuten brachte er seine Chips unter die restlichen Anwesenden inklusive meiner Wenigkeit. Die Blinds von 15.000 / 30.000 bei einem Average von 230.000 luden nicht unbedingt zu einem ausgeprägten Spiel des Flops ein und so vollzog sich der Rest in einer regelrechten Preflop-Schlacht. Und dieses Mal war mir tatsächlich Fortuna hold: Am Button raiste ich mit :Kc :Tc auf 100.000 und der small Blind ging nach einiger Überlegung mit insgesamt 206.000 All in. In der Hoffnung, dass meine Karten zumindest „live“ waren, zahlte ich die 106.000 nach. Er drehte :As :5d um. Wahrscheinlich hatte mir Sebastian Ruthenberg seine Luckbox ausgeliehen; zwei Zehner am Board schenkten mir den Pot und mit 518.000 zog ich als absoluter Chipleader an den Finaltisch der letzten 6 Spieler ein. 

Wie es dort im Einzelnen abgelaufen ist, darf ich Euch aus fernsehtechnischen Gründen an dieser Stelle noch nicht schildern, aber das Endergebnis darf ich Euch schon vorab mitteilen: Nach fünf Stunden Finale konnte ich das Turnier gewinnen und darf mich jetzt in den erlauchten Kreis der UK Open Champions einreihen. Mein Preisgeld: süße 250.000 US$. Der Titel: Unbezahlbar! 

Jetzt freue ich mich noch auf zwei erholsame Tage zuhause, bevor es dann am Montag weitergeht nach Amsterdam. Der Main Event der Master Classics of Poker steht auf dem Programm. 

Euer Michael von free-888.com

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