Archive für März 2009

Vienna Spring Festival – Die hohe Kunst des siegreichen Showdowns

Der Prolog zum zehntägigen Pokerfestival in Wien fand für mich nicht im Concord Card Casino, sondern im nur 10 Minuten entfernten Montesino Casino statt. Das dortige Management hatte zu einem High Stakes Cashgame eingeladen und die Tendenz dieser Partie sollte bezeichnend für den Verlauf der gesamten Spring Challenge sein. Mit Blinds von 25/50 und einer Ante von 10 ist es nicht unbedingt eine Nolimit Holdem Partie, die ich regelmäßig spiele. Also habe ich mich zunächst schön brav mit dem Minimum Buy in von 5.000 € an den Tisch gesetzt und zumindest anfänglich eher zurückhaltend agiert. Mit dabei waren unter anderem Tony G., der Shooting Star Johann Steindl, Erich Kollmann und Stefan Jedlika. Innerhalb der ersten 90 Minuten konnte ich mein Stack ohne einen Showdown auf etwa 6.700 € vergrößern, als es zu folgender Hand kam: Im HiJack lächeln mich Pocket Asse an und ich openraise auf 200 €. Tony G. am Button und Johann Steindl im Small Blind callen. Der Flop kommt mit :Jc :7s :6c noch relativ ungefährlich daher, aber Johann spielt direkt 440 € an. Ich will hier überhaupt nicht lange Theater machen und raise direkt auf 1.500 €. Tony foldet zügig und Johann kommt etwas ins Grübeln. Er fragt mich schließlich, wie viel ich noch vor mir habe. „Etwa 6.500 €“, antworte ich ihm und er geht sofort All in. Er covert mein Stack beliebig und jetzt ist es an mir, in den Think Tank zu gehen. Ein Set gebe ich ihm nicht, damit würde er wahrscheinlich erst auf dem Turn die Keule auspacken. :8x :9x als Semibluff wäre noch eine Möglichkeit und darüber hinaus auch ein guter Spielzug. Es kommen noch die üblichen Alternativen wie slow gespielte Pocket Könige, :Ax :Jx, eventuell auch :Kx :Jx in Frage. Aber gegen alle genannten Hände bin ich weit vorne. Einzig und allein :6x :7x wäre eine Kombination, die Sinn macht und mich schlagen würde, aber liegt diese Hand preflop tatsächlich ohne Position in seiner calling Range? Ich calle das All in und er dreht zu meiner Erleichterung :Ax :Jx um, eigentlich die Kartenkombi, die ich noch am Liebsten bei ihm sehe. Wie im High Stakes Format üblich, wird nach Showdown und All in gefragt, ob der Turn und River zur Verringerung der Varianz zweimal gedealt werden soll. Ich bin mit dem vorwiegend in Amerika praktizierten „Deal it twice“ nicht ganz so vertraut, also mache ich hier meinen ersten Fehler; da ich mich mit rund 91,5 % Prozent Gewinnchance recht weit vorne fühle, sage ich: „Nur einmal dealen!“ Zur Strafe erscheint auf dem Turn sofort ein weiterer Jack und ohne Hilfe am River wandern rund 13.700 € zu Johann. Was ich bei meiner voreiligen Entscheidung nicht berücksichtigt hatte: Wenn ich Turn und River zweimal dealen lasse, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, den gesamten Pot zu gewinnen, auf etwa 83 Prozent. Gleichzeitig reduziere ich aber die Wahrscheinlichkeit, den vollen Pot zu verlieren, auf lächerliche 4 Promille. Ein folgenschwerer Fehler, der sich so sicher nicht wiederholen wird. 

Ähnlich makaber gestaltete sich auch der Verlauf der gesamten Spring Challenge für mich. Insbesondere auf den Main Event hatte ich mich tierisch gefreut. Mit 3.000 € Buy in sollte bei 140 Spielern doch ein ganz anständiger Preispool zusammen kommen, der dem Sieger stolze 117.000 € bescheren würde. Die Struktur ist mit einen starting Stack von 20.000, 90 Minuten Levels und ganz moderaten Steigerungen die beste in ganz Europa. Unendlich viel Raum, um gutes Poker spielen zu können. 2 ½ Tage tat ich das auch. Aber irgendwann kommt bei jedem noch so guten Turnier die Phase, in der in Abhängigkeit vom eigenen Chipcount das Preflop-Gedonke anfängt und man zumindest einen oder zwei Showdowns heil überstehen muss. Bei mir fing der Absturz in Raten in der zweiten Hälfte von Tag 3 an. Ausgestattet mit einem Stack von rund 100.000, der zwar leicht unter Average lag, aber mit rund 70 BB immer noch mehr als ausreichend ist, um solide pokern zu können, zahle ich mit ein paar spielbaren Händen ein Openraise nach, um den Flop sehen zu dürfen. Jedes Mal verfehle ich ihn komplett und gebe auf, da ich offensichtlich geschlagen bin. Im Anschluss verliere ich noch eine geturnte Straight mit open ended Straightflush Draw gegen ein gerivertes Fullhouse und bin zum ersten Mal short stacked. Die Chance zum Comeback bietet sich, als es zu einer typischen Battle of the Blinds kommt. Ein junger italienischer Heißsporn füllt im Small Blind auf, nachdem alle zu ihm gefoldet hatten. Ich sitze im Big Blind und finde :Ad :Jc . Ich raise von 2.000 auf 8.000 und der Italiener fragt nach meinem Chipcount. „Noch 28.000 dahinter“, antworte ich. Er setzt mich schließlich All in, covert mich knapp. Ich weiß, dass er ziemlich angegrillt ist,  da er eine Hand zuvor nach einem Raise von Stefan Jedlika am Button aus dem Big Blind gereraist hatte und nach dem All in von Stefan doch noch aufgeben musste. Also calle ich sein All in. Er dreht :Jx :Tx um. Bei meinem derzeitigen Lauf  haben dominierende Hände allerdings bestenfalls Coinflip Qualitäten und so wundert es mich überhaupt nicht, dass sofort eine :Tx am Board erscheint und ich meinen Hut nehmen muss. Ich scheide als 18. aus. Der Lohn für die 2 1/2 Tage Poker waren 0 €, denn Preisgeld gab es erst ab dem 15. Platz. In beeindruckender Kontinuität setzt sich damit die Serie der letzten Wochen fort. In Dortmund im Main Event bin ich als 87. von 667 ebenfalls in der Bubblephase raus, im 2.000er Side Event als 24. von 239 gab es in der ersten Preisgeldstufe immerhin etwas mehr als das Buy in zurück. Also hoffte ich, hier in Wien mal wieder einen anständigen Score hinlegen zu können. Aber solange die Showdown-Krankheit in ihrer Akutform anhält, wird auch der nächste Turniersieg noch etwas auf sich warten lassen.  Euer Michael

Von Paragraphen und deren Reitern

In den meisten Ländern der Erde ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. In Deutschland ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist… und vielleicht auch noch etwas mehr! Die EPT Dortmund hätte ein wahres Fest werden können; rein vom deutschen Pokergesichtspunkt aus war sie das auch. Mit Sandra Naujoks als Siegerin können wir uns kaum eine bessere Botschafterin wünschen, die die positiven Aspekte des Spiels so glaubwürdig und authentisch wie kaum ein anderer übermitteln kann. Aber die für mich persönlich letzte Szene der EPT Dortmund war so einprägsam wie der allgegenwärtige Hang zur Überregulierung und das daraus resultierende Chaos der gesamten Veranstaltung: Ich muss vorausschicken, dass ich Sandra schon lange kannte, bevor ihr Name in der Medienwelt ein Begriff wurde und wir schon einige Zeit vor ihrem Titelgewinn in Baden unsere gemeinsamen Runden auf dem Golfplatz drehten. Nachdem das Blitzlichtgewitter am Finaltisch etwas abgeklungen war wollte ich sie einfach in den Arm nehmen und herzlichst zu diesem gigantischen Erfolg gratulieren. Aber ich hatte meine Rechnung ohne die muskelmassenmäßig überaus aufgepolsterten Herren gemacht, die den Finaltisch vor Leuten wie mir beschützen sollten. Statt eines simplen Wortes wurde einfach der Unterarm ausgestreckt und mir bedrohlich vor die Brust geschoben, was wohl nichts anderes zu bedeuten hatte, als: „Bis hierher und keinen Millimeter weiter!“ Ich respektiere ja die Obrigkeit, also bleibe ich schön brav stehen und warte auf bessere Zeiten. Keine 5 Sekunden später entdeckt mich Sandra und kommt strahlend auf mich zugelaufen. Aber da hat sie wohl nicht an den aufgepolsterten Herrn gedacht. In einer reflexartigen Bewegung, die vermutlich eher direkt der Oberarmstreckmuskulatur, als dem eigentlich gut 20 Zentimeter höher sitzenden koordinativen Organ entsprungen zu sein scheint, schnellt erneut der Unterarm heraus und diesmal hat ihn Sandra vor der Brust. Dass wir uns zu guter Letzt doch noch in die Arme nehmen konnten, grenzt schon beinahe an ein Wunder… 

Dieses Beispiel ist bezeichnend für den gesamten Ablauf der Organisation. Fünf mit überdimensional großen Taperollen ausgestattete Spielbankmitarbeiter waren allein dafür abgestellt, durch die hoheitlichen Räume zu eilen und nach irgendwelchen Anzeichen der leisesten Form von Werbung Ausschau zu halten. Wurde das Corpus delicti entdeckt, kam sofort das schwarze Klebeband zum Einsatz und der Schriftzug war nicht mehr zu sehen. Begründet wurde dies mit einer Dienstanweisung vom Innenministerium. Bei der Aktion mussten sowohl die Brandings von in Deutschland völlig legalen, reinen Playmoneyseiten, als auch alle anderen Werbebotschaften dran glauben. Selbst das Logo einer bekannten Burgerkette wurde nicht verschont. Warum in aller Welt ist dies durch eine ministerielle Anweisung verboten worden, wenn mir, keine 100 Meter von der Spielbank entfernt, ein riesengroßer Whopper von einer Plakatwand entgegen lacht? Natürlich muss dieser Aufwand auch entsprechend gegenfinanziert werden. Deshalb wurde neben der 300 € Entry Fee für den Main Event nochmals zusätzlich 30 € pro Person fällig, wenn man überhaupt den Turniersaal betreten wollte. O.K., 25 € davon waren als Subvention für die Gastronomie gedacht und man konnte sich Softdrinks bis zum Abwinken bestellen. Aber wenn man wie ich, nur 2 Cola am Tag trinkt, kann man dies getrost der Kategorie „Nepp“ zuordnen. Die Spieler, welche Tag 1 überlebten, wurden gleich noch mal extra bestraft. Ohne die 30 € auch an Tag 2 abzudrücken, konnte man nicht den Turniersaal betreten und musste sich totblinden lassen. Ich verstehe einfach nur noch Bahnhof: In Deutschland gibt es doch richtig gute staatliche Casinos, wie beispielsweise die Spielbank Schenefeld oder das auch zur Westspielgruppe gehörende Casino Bremen, um nur zwei zu nennen. Dort gibt es fantastische Pokermanager und ein tolle Organisation, die jeden Pokerspieler als geschätzten Gast betrachtet und alles dafür tut, damit er sich wohl fühlt. Warum können sich die Verantwortlichen von Dortmund nicht mal mit diesen Leuten zusammensetzen und erklären lassen, wie man anständige Pokerevents aufzieht? Dann gäbe es nicht nur ein dickes Lob für die tollen Leistungen der deutschen Pokerspieler, sondern auch für die Gastfreundschaft, 

glaubt Euer Michael

Fairplay in Bregenz

Die Turnierserie der Casinos Austria geht nunmehr in ihre zweite Saison und schon beim ersten Event des Jahres 2009 in Seefeld war absehbar, dass der Zuspruch und das Interesse der Pokerspieler wohl alle Erwartungen übertreffen würden, selbst die der Organisatoren. Die CAPT in Bregenz toppte noch mal Seefeld, bis auf das Potlimit Omaha waren alle Events ausverkauft und trotz intensivster Bemühungen des Managements konnten nicht alle Spieler von der Warteliste im Nachrückverfahren ihren Platz ergattern. Was sind die Gründe für diesen bemerkenswerten Erfolg? Einerseits spielt natürlich die hohe Fachkompetenz der Mitarbeiter, vom jungen Dealer, bis hin zum Pokerchef Edgar Stuchly, eine große Rolle. Der pokerspielende Gast fühlt sich sicher und gut betreut. Andererseits wage ich aber auch zu behaupten, dass es teilweise auf die private Konkurrenz zurückzuführen ist. In Österreich gibt es zahlreiche private Cardcasinos, die ihre Gäste mit attraktiven Angeboten binden wollen. Diese Situation führt zwangsläufig zu einem echten Wettbewerb, was letztendlich dem einzelnen Kunden zugute kommt. Und am Ende ist dann jeder zufrieden. Wer würde da nicht zustimmen wollen, dass wir von unseren südöstlichen Nachbarn nicht doch noch eine ganze Menge lernen können? 

Ich selbst fahre bei der CAPT eine Zwischenstrategie. Die Cashgames sind so attraktiv, dass ich auf die Turniere mit den kleineren Buy ins gerne verzichte, um abends an den Omaha-Tischen Platz zu nehmen. Hier entspricht ein einzelner Pot mitunter dem Preisgeld für den Turniersieg und in der Turnierwoche in Bregenz gab es sogar ein paar Pots, die von der Größe her dem ersten Platz des Main Events entsprachen. Leider war ich an keinem davon persönlich beteiligt, aber ich hatte zumindest die Chance am Tisch dazu.  

Eine Ausnahme stellte das Potlimit Omaha Turnier dar. Eigentlich wollte ich Skifahren, aber das Wetter war mehr als bescheiden und so machte ich dann kurz entschlossen doch noch mit. 113 Spieler hatten die 200.- € Buy in entrichtet und da während der ersten 90 Minuten unbegrenzte Rebuys angeboten wurden, machten auch zahlreiche Kämpfer regen Gebrauch von dieser Möglichkeit. Ich selbst war hier ein wenig bestrahlt. Ohne einen einzigen Rebuy konnte ich mein Startstack vervierfachen, so dass ich lediglich das Add on in Anspruch nahm. Bis zu den letzten 3 Tischen lief es auch wie geschmiert weiter. Bei noch 20 verbliebenen Spielern hat ich 161.000 an Chips, was ungefähr dem Schnitt der letzten 7 entsprach. Aber dann kam halt die Phase, in der aufgrund der Blindhöhe ein ordentliches Flopspiel praktisch unmöglich wurde und das Ganze sich meist im „preflop All in Bereich“ abspielt. Ich verlor 2 Showdowns als 70 % Favorit, eine Konstellation, die preflop bei Omaha im Gegensatz zu Texas Holdem nicht unbedingt so häufig vorkommt. Schließlich war ich knapp unter Average und in einem Battle of the Blinds kommt es mit meinem linken Nachbarn, Bobby G. zum unausweichlichen All in. Beim Showdown zeigt sich, dass wir nahezu die gleiche Hand halten. Er gewinnt das Spiel schließlich, weil er mit einer seiner Beikarten auf dem River ein Paar macht.  

Und jetzt kommt das Unglaubliche: Bobby sagt, dass er vor dem Dealen des Boards mir eigentlich vorschlagen wollte, 5 Prozent vom Preisgeld gegenseitig abzutreten. Jetzt, wo er die Hand gewonnen hatte, wollte er mir trotzdem die 5 Prozent geben. Mir war das schon fast peinlich, aber er bestand darauf. Ich muss offen eingestehen, dass mir in 15 Jahren Turnierpoker so viel sportliche und menschliche Fairness noch nicht unter gekommen ist. Hut ab, Bobby und nochmals ein herzliches Dankeschön! Ich scheide schließlich als 13., gerade so im Preisgeld,  aus. Nach den vielen Stunden im Turnier stand mir nicht unbedingt der Sinn danach, mich mit den Jungs am großen Gashgame Tisch zu messen. Also nahm ich meine 840 € Preisgeld und legte sie in der kleinen Omaha Partie mit 500 € Minimum Buy in vor mich. Jetzt passierte die zweite Unglaublichkeit für den Abend: Ich habe einen Upswing von echtem Seltenheitswert und etwa 2 ½ Stunden später stehen 12.000 € vor mir, was ungefähr dem zweiten Platz im Omaha Turnier entsprach. Nice Rush!!! Übrigens: Bobby G. gewann das TurnierJ!  

Unglaubliche Stunden am Pokertisch wünscht Euch 

Euer Michael von free-888.com

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