Festtagsspielereien

Am zweiten Weihnachtsfeiertag machte ich einen kurzen Tagesabstecher nach Wien. Das vor ein paar Wochen neu eröffnete Montesino-Casino hatte mich für einen Gastauftritt gebucht. Mit dem Konzept, Pokern und Entertainment harmonisch miteinander zu verbinden, versucht die Geschäftsleitung, neue Weg im Rahmen eines klassischen Cardcasinos zu gehen. Stilvolles Ambiente, ohne kitschig zu wirken, ein sehr gutes Restaurant, eine Showbühne und 3 Barbereiche sprechen auch diejenigen Kunden an, die beim Besuch eines “normalen” Pokerrooms eher zurückhaltend wären. 

Attraktive Turniere mit meist garantiertem Preispool sind im täglichen Angebot, wobei die Struktur im Vergleich zum Buy-in wirklich positiv überrascht. Hauptthema meines Auftritts wat ein Bounty-Turnier, bei dem ein Kopfgeld in Höhe von 1.000.- € auf meinen Turnierrauswurf ausgesetzt war. Bei einem Buy-in von nur 56.- € ist das natürlich ein gewaltiger Brocken, der zumindest bis in die tiefen Preisgeldränge alle anderen strategischen Überlegungen zum Turnier in den Hintergrund treten läßt.355 Spieler stürmten das Casino und schon bald bekam ich den Eindruck, dass es sich nicht um ein Bounty-Turnier, sondern um eine allgemeine Treibjagd handelte, bei der ich das einzige auserwählte Opfer sein sollte. 

Erschwert wurde das Ganze noch zusätzlich durch ein paar merkwürdige Entscheidungen des Turnierdirektors, der mich stets dann an einen anderen Tisch zu setzen pflegte, wenn ich gerade am Button war. So hatte ich im Schnitt ungefähr alle vier Hände die beiden Blinds und wechselte allein in den ersten drei Levels zehnmal den Tisch. Irgendwie löste diese Hetzjagd geradezu Trotzgefühle in mir aus und ich wollte es den Jägern so schwer wie möglich machen. Also versuchte ich auf jeden Chip zu achten, als ob es mein letztes Geld wäre! 

Welche strategischen Anpassungen sind also bei einem Bounty-Turnier nötig? 

Zunächst einmal sollte man sich in die Rolle des Jägers versetzen. Dieser zahlt 56.- € und gewinnt 1.000.- €, wenn er mich aus dem Turnier wirft. Sofern er mich mit seinen Chips covert und ich im Pot bin, ist es ein absolutes Muss, mit “any two cards” den Flop zu sehen. Jeder Preflop Fold wäre -EV, sobald ich Chips investiert habe. 

Für mein eigenes Spiel ergeben sich daraus folgende Überlegungen: 

1. Ultratighter Grundansatz in den ersten Levels!Da keine meiner Hände irgendeine Form von Fold-Equity seitens des Gegners besitzt, bin ich auf Kontakt zum Flop angewiesen. Bei jeder Hand, die ich spiele, muss ich davon ausgehen, dass es zum Showdown kommen wird. 

2. Bluffen ist für mich gegen gleichgroße oder größere Stacks absolut verboten!Erklärt sich von selbst durch Punkt 1. Das Gleiche gilt entsprechend natürlich auch für Semibluffs, die bekanntlich einen Großteil ihres Wertes aus besagter Fold-Equity gewinnen. 

3. Postion wird noch erheblich wichtiger!Wenn ich in früher Position Chips preflop investiere, werde ich immer mit Multiway-Action konfrontiert sein. Das führt zu folgendem Schluß: In früher Position sollten Karten wie hohe Paare oder AK nur gelimpt werden, in später Position gewinnen suited connectors ungeheuer an Wert, da sie fast immer gegen mehrere Gegner antreten. 

4. Nur die Karten spielen und nicht den Gegner!Da ich kaum mehr als sechs oder sieben Hände am gleichen Tisch spiele, ist es völlig illusorisch, irgendwelche Reads auf die Mitspieler zu bekommen, zumal diese Reads auch getrost über Bord geworfen werden können, sobald ich im Pot bin. 

Bei allen Überlegungen gibt es auch noch einen positiven Punkt zu vermerken. Ich muss mir mit sehr starken Händen niemals überlegen, wie ich Chips in die Mitte bekomme. Das übernehmen meine Gegner aufgrund des Bounty für mich! 

Dieser Strategie zufolge spielte ich in den ersten 60 Minuten keine Hand und wurde nur runter geblindet. Dann ergab sich eine gute Gelegenheit. UTG macht ein bei Blinds von 50/100 ein Eröffnungsraise auf 300, drei Spieler bezahlen und ich finde am Button :7h :8h. Ich zahle ebenfalls, wie natürlich auch der Small und Big Blind nach mir. Der Flop kommt :7d :4d :7c. UTG macht sein continuation bet in Höhe von 1.600 und der nächste Spieler zahlt nach. Eine bessere Situation werde ich wohl nicht mehr finden und pushe mit geflopptem Drilling sofort mit 5.300 All in. Die Blinds sowie UTG folden, nur der zweite Spieler zahlt nach. Völlig korrekte Entscheidung in Hinblick auf das Bounty, da er mich erstens covert und zweitens mit :Ad :5d den Nutflushdraw hält. Aber er verpasst den Flush und aus meinem Drilling wird am River sogar noch ein Full House. Danach besitze ich 14.500 an Chips und gehöre mit zu den Chipleadern. Normalerweise ist das meine persönliche Aufforderung zum Tanz und in allen anderen Turnieren packe ich jetzt das “Terrorkommando” aus. Kurzfristig habe ich dies auch im Bounty-Turnier versucht, nach kürzester Zeit aber wieder aufgegeben. Interessanterweise spielten die Leute stets weiter den Jäger, auch wenn sie aufgrund ihres eigenen Chipcounts überhaupt keine Chance hatten, mich aus dem Turnier zu werfen. Wahrscheinlich war es ein konditionierter “Bounty-Reflex”, der dieses Verhalten unterstützte. 

Also spielte ich weiterhin gemäß den oben aufgeführten Grundsatzüberlegungen. Letzten Endes konnte ich mich unter die Top 100 retten und schied irgendwo zwischen Platz 83 und 92 aus, als ich shortstacked mit 6.200 Chips bei Blinds von 800/1600 mit :As :Th all in pushte und in Pocket Asse lief. 

Neben der Tatsache, dass dieses Turnier trotz völliger Chancenlosigkeit aufgrund des Bounty unheimlich viel Spaß gemacht hat, habe ich auch noch die praktische Bestätigung für eine Grundsatztheorie des Turnierpokerns bekommen. Wenn man sich bei einem Turnier nur auf seine Karten verlassen muss, ist es so gut wie unmöglich, den Finaltisch zu erreichen, geschweige denn, das Turnier zu gewinnen. Spätestens ab der mittleren Phase werden die regelmäßigen Steals der Blinds und Antes so unglaublich wichtig, dass sie spielentscheidend sind. 

Einen guten Rutsch in ein erfolgreiches und glückliches 2009 wünscht Euch 

Euer Michael von free-888.com

Nations Cup in Bregenz

Der Flop mit :5s :6s :Jd sah zwar alles andere als günstig aus, aber immerhin lagen wir noch knapp vorne. Sebastian Ruthenberg hatte preflop mit 4.200 Chips all-in gepusht. Die Blinds lagen mittlerweile bei 400/800 und unsere Luckbox saß UTG. Wir „Railbirds“ vom zweiten (oder ersten) deutschen Team wussten alle, dass dieser Move jetzt fällig war, bevor unser kleiner Stack am Finaltisch des Nations Cups kaum noch als Bedrohung aufgefasst werden konnte. Was wir zu diesem Zeitpunkt alle noch nicht ahnten: Sebastian hatte wirklich eine Hand! Pocket Queens für unser erstes All in ist im Grunde genommen eine Hand, mit der man in unserer Position dann doch ganz gerne ein Call sieht. Team Türkei tat uns den Gefallen und schob 4.200 Chips über die Linie. Heads Up drehte er :As :Ts um und murmelte ein anerkennendes „nicht schlecht, nicht schlecht!“ als er Sebastians :Qc :Qs sah. Der Turn in Form der :Td gab unserem türkischen Mitspieler noch mal zwei Outs zu den bereits vorhandenen 11 und eine weitere :Tx am River ließ die Chips in Richtung Türkei wandern. Ein etwas enttäuschender 5. Platz ist das Resultat für die statistische Auswertung. Was mit diesem Score jedoch überhaupt nicht wieder gegeben werden kann, ist die annähernde Beschreibung der Emotionen und des Spaßfaktors, die in diesem Turnier involviert waren. Der Ablauf der vergangenen drei Tage bewies einmal mehr, dass die Vorplanung völlig richtig war. Mit Katja Thater, Jan von Halle und Sebastian Ruthenberg hatte ich drei ausgezeichnete und live-erfahrene Mitstreiter, die allesamt den Teamcharakter dieser speziellen Turnierform perfekt verinnerlicht hatten. Egotrips waren nicht einmal im Ansatz erkennbar und jeder Einzelne hatte stets bei seinen Entscheidungen die Verantwortung gegenüber dem Rest der Gruppe vor Augen. Danke Leute, ich bin mächtig stolz auf Euch, auch wenn das Ergebnis auf dem Papier nicht das widerspiegelt, was wir uns alle erhofft hatten! 

Was mich ebenfalls sehr beeindruckt hatte, war das außergewöhnlich hohe Spielniveau aller nominierten Teams und wenn ich „alle“ schreibe, dann schließe ich damit ausdrücklich auch diejenigen Spieler mit ein, die bisher auf internationalem Parkett noch nicht so sehr in Erscheinung getreten sind. Wenn an einem Finaltisch drei verschiedene Pokervarianten gespielt werden und angesichts des Chip-Blind Ratio spätestens beim Potlimit Omaha nicht das sonst übliche Turniergemetzel in dieser Variante stattfindet, müssen zwangsläufig alle Spieler sehr genau wissen, was sie tun. Und wenn nach 7 gespielten Levels nur ein einziges Team ausgeschieden ist, unterstreicht dies nochmals die Stärke des „Skill-Levels“ in der Partie.  

Natürlich geht in diesem Zusammenhang auch mein besonderer Dank an die Organisation des Nations Cup rund um Edgar Stuchly und Joe Fuchshofer, die im Rahmen des Möglichen alles gegeben haben, um dem hohen Prädikat der Veranstaltung gerecht zu werden.  

Glückwunsch an das Team aus der Schweiz zum Sieg! Ihr habt bravourös gekämpft; aber wie Ihr selbst wisst: Wenn bei irgendeiner Form eines Wettkampfs nahezu gleichwertige Gegner aufeinander treffen, entscheidet am Ende die Tagesform in Verbindung mit einer gesunden Portion an Glück. 

Auf eine baldige Revanche hofft 

Euer Michael von free-888.com

Die Woche der (Poker)-Autisten

Mein Gegenüber lässt sich reichlich Zeit für seine Entscheidung. Schließlich ist er ja so gut wie draußen aus dem EPT-Event, wenn er falsch liegen sollte. Ungefähr 1.000 Chips würden ihm noch bleiben, wenn er die Hand verliert. Bei einem Board von :2d :3h :Js :9d hatte ich mich nach seinem Check am Turn mit knapp 9.000 All in gestellt. 6.000 lagen zu diesem Zeitpunkt im Pot und mein All in war vielleicht etwas hoch ausgefallen, aber bei einem regulären Anspiel wäre ich ohnehin am River comitted gewesen: In der Hand hielt ich :Jc :9c und hatte somit die Top 2 geturnt. Schließlich presste er “Call” aus seinen zusammengekniffenen Zähnen und macht sich nicht einmal mehr die Mühe, sein Stack in die Mitte zu schieben. Er dreht :Ah :4h, eine Overcard und den Gutshot zur Straight. Nicht schlecht, denke ich, mit diesem Pot wäre ich dann endlich mal über Average und so richtig im Spiel an Tag 2. Der Dealer dreht den River um: :5s. Mein werter Gegner hat seinen Gutshot getroffen. Sein “Yes” wird sofort von einem “oh, sorry, sorry” relativiert, als er meine 2 Paar sieht. Während er die Chips einsammelt, erklärt er mir noch auf Englisch, dass er das Turnier quasi als Freeroll spielt, da er seinen Sitz mit 11,60 US$ Einsatz Online gewonnen hat. “No sorry”, antworte ich, “Du hast eine gute Hand!” Ein klein wenig Ironie kann ich mir wohl doch nicht verkneifen. “Ja, ” bestätigt er, “und schließlich hatte ich ja auch noch das As als Overcard.” Ihm kam während seiner Überlegung nicht einmal die Idee, dass ich besser als lediglich ein Paar sein könnte. 

Drei Tage später sitze ich im PokerRoyale in Wiener Neustadt und spiele bei den Masters mit. Obwohl nur 42 Spieler den Weg ins Turnier fanden und obwohl das garantierte Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro am Ende doch nicht eingehalten werden konnte, war das Turnier selbst vorbildlich: 50.000 Chips als Startstack, 60 Minuten Levels und Startblinds von 50/100 erfüllen wohl jeden Anspruch an ein deep stack Format. Mir schräg gegenüber nimmt ein etwas überaktiver junger Lokalmatador Platz. Nach seinen einleitenden Worten und Kommentaren glaube ich schließlich, mit dem Erfinder des Pokerspiels höchstpersönlich an einem Tisch zu sitzen. Jede Hand, ob er nun involviert ist oder nicht, wird lautstark analysiert und bewertet.Allerdings sehe ich in den fünf Stunden, die ich ihn beobachten konnte, keine einzige Hand, die er gut, geschweige denn fehlerfrei gespielt hätte. Aber, was soll’s, unser Kiddie trifft halt und wenn er nicht sofort ein Monster hält, suckt er seine Gegner spätestens am River aus. Sein Standard-Eröffnungsraise liegt so zwischen dem 20- bis 30fachen Big Blind. Warum sollte er sich auch an die Blindlevels anpassen, Poker ist doch ein Spiel für ganze Kerle. Dann kommt es zu folgender Situation: Erneut suckt er seinen Gegner aus, doch im Gegensatz zu den vorhergehenden Spielen erahnt er diesmal, wie viel Glück er just in dm Moment hatte. Sofort platzt es aus ihm heraus: “Das Turnier sei ihm sowieso egal, er ist gesponserter Spieler und das Buy-in kommt nicht aus seiner eigenen Tasche!” Aha, jetzt kenne ich wenigstens die ultimative Begründung für schlechtes Spiel!Es kam, wie es fast vorhersehbar war: Nach fünf Stunden Spielzeit mache ich mit Pocket Damen ein Eröffnungsraise auf den 2 1/2 fachen Big Blind. Natürlich zahlt er sofort nach und spielt bei einem Flop von :2d :3d :9c 8.000 in einen Pot mit 4.800 an. Ich will mich auf nichts einlassen und reraise sofort All in. 27.000 muss er noch nachbringen und ohne eine einzige Sekunde des Überlegens annonciert er seinen Call. Er dreht :Jd :7d um. Natürlich kommt am River die :Td, die ihm den Flush komplettiert. Ich murmele noch ein “well played Sir!” und verabschiede mich von der Runde. Sofort springt er auf, läuft mir nach und will mir verbal beweisen, wie genial er doch diese Hand gespielt hat. Ich hingegen würde am Liebsten auf der Stelle mit ihm um 10.000 Euro Heads Up spielen, trotz seines Laufes. 

Klar, in den ersten paar Minuten habe ich mich schon geärgert, sowohl in Warschau, als auch in Wiener Neustadt. Aber letztlich sollte ich mich eigentlich freuen, dass es trotz eines vielfältigen Ausbildungsangebots immer noch Spieler solchen Kalibers gibt. Ohne sie würde jeder Turniersieg ungleich schwerer werden. 

Interessante Mitspieler wünscht Euch 

Euer Michael von free-888.com

Sieg bei den 888 UK Poker Open V

Mein prallvoller Terminkalender führte mich auf  direktem Weg von Budapest nach London. Der Grund war die Einladung zur 888 UK Poker Open, das schon seit Jahren zu der größten internationalen TV Turnieren zählt und in den Matchroom Studios in London aufgezeichnet wird. Das Buy in beträgt 6.000 US$ und die 108 Teilnehmer sind eine etwas exotische Mischung aus internationalen Top Pros, Online-Qualifikanten und ein paar Celebreties. 

Das Turnierformat entspricht am Ehesten einem „Triple Shoot Out“. Zuerst muss man in einer Art Vorrunde seinen 6er-Tisch wie bei einem Sit & Go gewinnen. Alle Zweitplatzierten des jeweiligen Heats bekommen eine zweite Chance als Hoffnungslauf, um sich noch für den letzten verbliebenen Platz an einem der drei Semifinaltische zu qualifizieren. Die Semifinale werden an einem 7er-Tisch gespielt und die beiden Erstplatzierten des Semifinales bekommen einen Platz im Finale, das dann wiederum als 6er-Tisch ausgetragen wird. Die Besonderheit: Man nimmt seine Chips aus dem Semifinale an den Finaltisch mit! 

Für mich war ein Platz im vorletzten der insgesamt 18 Vorrundentische reserviert, der es dann von der Besetzung her wirklich in sich hatte. Weit und breit war kein Qualifikant oder Celebrity  in Sicht, ich hatte es stattdessen ausschließlich mit gestandenen Pros zu tun. Aber gleich in der allerersten Hand stand ich vor einer „Alles oder Nichts“ Entscheidung, als ich das Raise von Roberto Romanello preflop callte und mit meinen Pocket 7-7 das medium Set bei einem Flop von :Jd :7d :4c traf. Ich checkraiste ihn, er erhöhte nochmals und ich ging All in. Ohne zu Zögern callte er und drehte :8d :9d um. Flushdraw mit inside Straightdraw war nicht unbedingt die Gegenhand, die ich mir wünschte. Aber mein Gegner konnte sich weder auf Turn, noch auf dem River verbessern und so saß ich direkt nach einer gespielten Hand mit doppeltem Average am Tisch und konnte nach Herzenslust loslegen. Den Chiplead gab ich nie wieder ab und gewann die Vorrunde recht problemlos. 

Wesentlich schwieriger gestaltete sich das Semifinale. Speziell der einzige Amateur in unserem Heat, ein siebzigjähriger, ziemlich unerschrockener Nordengländer, war mit keinem Raise preflop aus irgendeinem Pot zu vertreiben und zu allem Überfluss hatte der Herr auch noch einen richtigen Lauf. Ich mied ihn, wo es nur ging und wartete auf erste Anzeichen, dass dieser übermenschliche Lauf endlich zu Ende gehen sollte. Dies geschah dann auch prompt, als wir noch zu Viert waren und innerhalb von nur 20 Minuten brachte er seine Chips unter die restlichen Anwesenden inklusive meiner Wenigkeit. Die Blinds von 15.000 / 30.000 bei einem Average von 230.000 luden nicht unbedingt zu einem ausgeprägten Spiel des Flops ein und so vollzog sich der Rest in einer regelrechten Preflop-Schlacht. Und dieses Mal war mir tatsächlich Fortuna hold: Am Button raiste ich mit :Kc :Tc auf 100.000 und der small Blind ging nach einiger Überlegung mit insgesamt 206.000 All in. In der Hoffnung, dass meine Karten zumindest „live“ waren, zahlte ich die 106.000 nach. Er drehte :As :5d um. Wahrscheinlich hatte mir Sebastian Ruthenberg seine Luckbox ausgeliehen; zwei Zehner am Board schenkten mir den Pot und mit 518.000 zog ich als absoluter Chipleader an den Finaltisch der letzten 6 Spieler ein. 

Wie es dort im Einzelnen abgelaufen ist, darf ich Euch aus fernsehtechnischen Gründen an dieser Stelle noch nicht schildern, aber das Endergebnis darf ich Euch schon vorab mitteilen: Nach fünf Stunden Finale konnte ich das Turnier gewinnen und darf mich jetzt in den erlauchten Kreis der UK Open Champions einreihen. Mein Preisgeld: süße 250.000 US$. Der Titel: Unbezahlbar! 

Jetzt freue ich mich noch auf zwei erholsame Tage zuhause, bevor es dann am Montag weitergeht nach Amsterdam. Der Main Event der Master Classics of Poker steht auf dem Programm. 

Euer Michael von free-888.com

EPT Budapest 2008 – Von Set Ups und Nachreibereien

Es ist schon über 16 Jahre her, seit ich der ungarischen Hauptstadt einen Besuch abgestattet hatte. Allerdings war der damalige Aufenthalt nicht pokertechnischer Natur, sondern mein Ehrgeiz, mit einem Rennmotorrad möglichst schnell im Kreis zu fahren. Ein Lauf zur internationalen deutschen Meisterschaft fand auf dem nahe gelegenen Hungaroring statt und es war ganz klar, dass unser Team abends die Stadt unsicher machen musste. Die Erinnerungen sind eher bruchstückhaft aber trotzdem ziemlich gut, so dass ich auf die zum ersten Mal ausgetragene EPT hier in Budapest eine gewisse Vorfreude entwickelte.  

Ich war schon einen Tag vor dem eigentlichen Start des Turniers angereist, da ich für 888 noch ein paar lokale Termine wahrnehmen sollte. Die Vorfreude erfuhr ihren ersten Dämpfer auf dem Weg mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel. Ein Fixpreis von 23 € war ausgemacht und im Voraus bezahlt, doch als wir am Hotel ankamen, versuchte der Fahrer nochmals neu zu verhandeln und diverse Aufschläge zu kassieren. Es blieb allerdings bei seinem Versuch und da ich Nachreibereien nicht ausstehen kann, gab es auch kein Trinkgeld. Mit frisierten Taxametern musste ich dann auf meinen Wegen durch die Stadt Bekanntschaft machen, wo die Hinfahrt zu meinem Termin ungefähr dreimal so teuer wie der Rückweg war, trotz identischem Zeit- und Streckenaufwand. Krönung des Ganzen war allerdings die Abzocke im Sofitel Hotel, dem Austragungsort der EPT. Drei doppelte Espressi kosteten schlappe 20 € und als die Turnierleitung für eine der zweistündlich stattfindenden 15 Minuten Pausen ein spezielles Buffet für die geschätzten Pokerspieler ankündigte, hetzte ich im Eilschritt hin, um mir ein oder zwei Sandwiches zu genehmigen. Am Anfang des Buffets war eine unscheinbare Kasse aufgebaut und meine Bemühungen fanden ein abruptes Ende: Ungefähr 35 € wollte die junge Dame von mir haben und meine Lust auf ein Sandwich ließ spürbar nach. O.K., Ungarn ist von der weltweiten Finanzkrise schon relativ früh getroffen worden und heftig am Rudern, aber die Annahme, dass rund 570 Pokerspieler das Bruttoinlandsprodukt wieder deutlich ins Plus verschieben würden, wenn man die Leute nur kräftig schröpft, halte ich auch für etwas übertrieben. 

Aber wir sind ja zum Pokerspielen und nicht zum Sandwich essen hergekommen und daher werde ich den Rest meines Reiseberichts auch diesem Thema widmen. Ich startete an Tag 1B und fand mich an einem Tisch mit lauter unbekannten Gesichtern wieder, so dass erst einmal ruhiges Beobachten der Mitspieler angesagt war. Insgesamt startete die Action ziemlich loose-aggressive von der ersten Hand weg, wobei ich den Eindruck gewann, dass vier Mitspieler durchaus einen vernünftigen Plan von Nolimit Hold’em hatten, während vor allen Dingen zwei der zahlenmäßig stark vertretenen Italiener den Eindruck machten, gleichermaßen planlos wie unbekümmert durch die Hände irrten. Nach etwa 90 Minuten fing ich am, eine mehr aktive Rolle am Tisch zu übernehmen, schaute mir einige Flops an und konnte langsam, aber stetig mein Stack verdoppeln, ohne jemals mehr als 30 Prozent meiner Chips in einer einzigen Hand zu riskieren. Nach gut fünf Stunden hatte ich mit rund 30.000 Chips mein Stack verdreifacht und schielte schon mit einem Auge auf Tag 2.  

Erste ungünstige Vorzeichen kündigten sich an, als ich innerhalb von 45 Minuten dreimal aufgrund des Tablebalance meinen Tisch wechseln musste. Ich fühle mich einfach nicht wohl, wenn ich keine Gelegenheit habe, meine neuen Mitspieler etwas besser kennen zu lernen. Am dritten Tisch finde ich nach fünf Minuten UTG :Ah :Kc und mache ein ganz normales Standardraise auf 1.200. MP2 und der Button callen beide. Der Flop kommt wunderschön mit :Ac :Kh :4c daher, aber gegen 2 Mitspieler will ich mich ohne Position auf nichts einlassen, so dass ich gleich 3.500 anspiele. MP2 foldet und der Button callt. Am Turn erscheint die :3c und nach meinem Check spielt der Button 6.000 an. Jetzt habe ich zusätzlich zu meinen zwei Paar auch noch den Nut-Flushdraw und ich überlege kurz, ob ich ein Reraise All-in veranstalten soll. Aber ich kenne den Gegner nicht und so entscheide ich mich für die vorsichtige Variante, nur zu callen. Der River bringt mit der :9d eine Blank und nach meinem Check spielt der Button 9.000 an. Er zeigt eine gewisse Schwäche, die auf keinen Fall geschauspielert war, ich entscheide mich zum Call trotz des möglichen Flush am Board. Der Tell von ihm war nicht verkehrt, er hat tatsächlich kein Kreuz auf der Hand. Aber die Pocket Vieren, die er umdreht, machen ihm ein Set welches meine Top 2 Paar natürlich auch schlägt.  

8.500 blieben mir noch an Chips übrig, kein Grund, um die Ruhe zu verlieren. Aber wie so häufig nach solchen Set Ups, lief danach überhaupt nichts mehr und angesichts der nun doch schon beachtlichen Blinds im Verhältnis zu meinem Stack war ich wieder mal verurteilt, auf Hände zu warten. Mit Pocket 9s starte ich noch mal einen Raiseversuch preflop, bekomme einen Caller und als das Board :Td :Qd :Ad bringt konnte ich mich auch schon geistig aus dieser Hand verabschieden. Im achten Level, mit 200/400 Blinds und 50 Ante, pushe ich schließlich meine restlichen 3.200 Chips All-in, als ich am Cut Off  Pocket Deuces finde. DerButton überlegt kurz und callt mich mit :Ac :4d. Der Flop gibt mir einige Hoffnung mit  :Qc :3d :Qh. Die Turnkarte :Th vergrößert die Hoffnung noch etwas, aber der River bringt mit der :3c das zweite Paar auf dem Board und ich kann meine Zweier sauer kochen. 

Aber meine herbstliche Pokertour hat ja gerade erst angefangen, am Montag geht es dann weiter nach London, wo ich die 888 Poker Open spielen werde. Es gibt viel zu tun – warten wir es ab! 

Euer Michael von free-888.com

Poker EM Baden und German Stars of Poker

Nach der durchaus erfolgreichen Woche bei den Austrian Classics in Wien reiste ich nicht ganz ohne Hoffnungen zur Poker EM der Casinos Austria in das 30 Kilometer entfernte Baden. Drei Turniere standen auf dem Plan: Das 2.000 € CAPT Turnier startete schon am Sonntag um 14 Uhr und die Teilnehmerzahl blieb mit 117 Spielern doch etwas hinter den Erwartungen zurück. Kurz und bündig hatte ich während des gesamten Turniers eher die Rolle eines unscheinbaren Nachtschattengewächses inne und nie eine Chance, einen Pot aufzubauen. Ich beendete mein Turnierleben scheibchenweise letztlich als 38. 

Etwas besser war der Start beim Seven Card Stud Turnier am folgenden Dienstag. Das Buy in betrug 2.500 € und leider traten hier auch nur 100 Teilnehmer an. Schade eigentlich, da die Struktur des Events ausgezeichnet angelegt war. Mit 10.000 Chips als Start und einstündigen Levels mit wirklich moderaten Steigerungen hatte der Seven Card Stud Wettbewerb Rahmenbedingungen, von denen sich die Organisatoren der WSOP durchaus mal ein Scheibchen abschneiden könnten. Bis etwa zwei Stunden vor dem Ende des ersten Tages konnte ich mit entsprechender Geduld mein Stack fast vervierfachen, bis ich dann in knapp zwanzig Minuten 14.000 Chips in nur drei Händen verlor. Dreimal hatte ich auf 5th Street ein fertiges Fullhouse, spielte es megaaggressiv und in allen drei Händen hatte ich denselben Kunden, der sich mit seinen zwei Paar einfach nicht verscheuchen ließ. Jedes Mal gelang ihm das Kunststück, auf 7th Street ein höheres Fullhouse zu basteln. Als ich beim dritten Mal etwas konsterniert aus der Wäsche blickte und ihm zu seinem Glück gratulierte, meinte er nur: „Aber Sie haben doch auch ganz schön viel Glück, schauen Sie doch mal, was Sie für tolle Starthände bekommen!“ Na, wenn das nicht Mut macht!!!Tag 2 begann ich aber immer noch deutlich über Schnitt mit 26.000 Chips und schielte schon etwas in Richtung Finaltisch. Doch die folgenden vier Stunden des Turniers ähnelten in frappierender Weise dem Nachtschattengewächs des CAPT Turniers. Meine beste Start- und zugleich auch Showdownhand waren ein Paar Jacks, die zu allem Überfluss von Eddy Scharf geknackt wurden, der mit einem Paar 10er startete und am Ende zwei Paar machte. Im Seven Card Stud kann man lange taktieren und mit Geduld Einiges überbrücken, aber spätestens gegen Ende der mittleren Turnierphase müssen auch mal anständige Karten her, die showdowntauglich sind. Genauso unspektakulär wie zwei Tage zuvor schied ich als 27. aus. 

Alle Hoffnungen lagen jetzt auf dem 4.000 € Nolimit Hold’em Turnier, das den würdevollen Titel des Europameisters mit sich führte. Immerhin 164 Leute kauften sich ein und das Feld war recht hochkarätig besetzt. Mit einer ausgezeichneten Struktur konnte man ein echtes Deep Stack Turnier spielen und wieder konnte ich bis zwei Hände vor Ende von Tag 1 meine Chips auf 39.000 aufbauen. Eigentlich hatte ich den Tag schon geistig für beendet erklärt und wollte nicht mehr aktiv eingreifen, als ich UTG :Ks :Qs fand. Instinktiv wollte ich folden, dachte dann aber, dass dies wohl nicht ganz professionell wäre und raiste stattdessen standardmäßig den dreifachen Big Blind. Am Button callte ein junger, hyperaggressiver Ungar, der sich ebenfalls ein beträchtliches Stack aufgebaut hatte und mich leicht coverte. Der Flop kam :Kc :Jh :9c. Ich hatte von dem Ungar im Lauf der letzten Stunden schon ein paar ziemlich obskure Showdowns gesehen und wollte jetzt natürlich mit meinem Toppaar und gutem Kicker noch ein paar Chips machen. Wie erwartet,  spielte er nach meinem Check 3.500 an, die ich auch brav bezahlte. Am Turn kam die :7d und er spielte nach meinem Check erneut 11.000 an, was praktisch einer potsized Bet entsprach. Ich überlegte ernsthaft ein All-in Raise, aber mir wurde sofort klar, dass er mit einem Flush- oder Straightdraw nicht mehr folden würde. Also Nerven behalten und ihn im Falle einer Blank den River bluffen lassen, war meine Idee. Der River brachte mit der :3d eine nahezu ideale Karte. Ich checkte erneut und er spielte 15.000 an. Netter Versuch, dachte ich noch und zahlte ziemlich schnell. Mir fielen fast die Augen aus den Höhlen, als ich seine Hand im Showdown sah: Mit :Kd :Kh hatte er Topset geflopt und mich die ganze Zeit vorgeführt. Ich wollte trappen, stattdessen wurde ich in die Falle gelockt. Genau die Taktik, die mir sonst so viele Chips gebracht hatte, kostete mich dieses Mal fast alles. Mit nur 9.000 an Chips und letzter im Chipcount ging ich in Tag 2. Dort konnte ich mich zwar anfänglich mit dem Einsammeln von ein paar Blinds wieder auf 12.500 aufbauen, aber nach nur einer Stunde war ich schließlich mit Pocket :8x :8x All-in und durfte mir die Pocket Jacks meines Gegners ansehen. Keine Hilfe vom Board und als 41. war Endstation für mich. 

Etwas enttäuscht baute ich meine Zelte in Baden ab und fuhr zurück nach Deutschland, wo schon der nächste Event auf mich wartete. Die „German Stars of Poker“, ein TV Einladungsturnier beim DSF stand auf dem Programm. Ein hochkarätiges Feld deutscher Spitzenspieler erwartete mich und alleine von der Zusammensetzung her versprach das Turnier jede Menge Spaß und viel Tabletalk. Leider, wirklich leider, darf ich Euch an dieser Stelle noch nichts über den Ausgang verraten. Nur so viel sei gesagt: Es lief absolut hervorragend für mich und ich kann jedem geneigten Leser nur empfehlen, am 13. November beim DSF einzuschalten, wenn das Turnier ausgestrahlt wird. 

Und lasst Euch bloß nicht von jungen heißblütigen Ungarn trappen! 

Euer Michael von free-888.com

Austrian Classics Wien – 5. Platz im Main Event

Wie ich bereits ausführlich in meinem letzten Artikel „Tableselection“ begründete, bin ich nicht nach London geflogen, sondern habe im Wiener Concord Card Casino die Austrian Classics, quasi als Prolog zur kommenden Woche stattfindenden Poker EM in Baden, mitgespielt. 

Allerdings muss ich zugeben, dass meine Turnierauftritte auch hier nur sehr sporadisch waren. Der Grund dafür lag in den hervorragenden Omaha Cashgame Partien. Mit Blinds von € 10/20, aber einem Minimum Buy in von 2.000 € eher als deep stack Format konzipiert, spielte sich die Partie aufgrund der anwesenden Protagonisten eher wie ein € 20/40 Potlimit game. Jeder fünfte Pot war ungefähr so hoch wie der durchschnittliche zweite Preis der jeweiligen Turniere, so dass dieses Cashgame meine ungeteilte Aufmerksamkeit genoss und die Erfolgsbilanz ebenfalls durchaus zufrieden stellend ausfiel. 

Der Main Event der Austrian Classics konnte mich dann doch noch aus der Reserve locken. Das Buy in lag bei 2.000 € und 83 Spieler hatten sich angemeldet, was immerhin ein Preisgeld für den Sieg von über 47.000 € generierte. Das zeitlich unmittelbar vor der Poker EM stattfindende Turnier hatte auch schon einige Pros aus der deutschsprachigen Szene angelockt, so dass die Charakterisierung „seichtes Wasser“ in Hinblick auf die Stärke des Teilnehmerfeldes kaum Gültigkeit haben konnte. 

Ich erwischte einen hervorragenden Start ins Turnier. Ursache war die Begegnung mit einem Kontrahenten, der von Beginn an dazu neigte, seine Hände gnadenlos zu überspielen. Besagter Spieler limpt am Cut off bei Blinds von 50/100. Der Button bezahlt, der SB füllt auf und ich checke im BB :Jh :8h. Ich traue meinen Augen nicht, als der Flop aufgeht :Jc :Jd :Js. Wow, Vierling geflopt. Jetzt stellt sich nur die Frage, wie ich bei einer Potgröße von gerade mal 400 möglichst viel Chips in die Mitte schaufeln kann und trotzdem Action bekomme. Meine Hoffnungen ruhen auf dem ersten Limper, der schon verdächtig mit seinen Chips spielt. Also checke ich, er spielt erwartungsgemäß 300 an, die anderen Beiden folden und wir sind Heads Up. Am Turn kommt die :3c und seine Hände wandern wieder zu den Chips. Ich checke erneut und er spielt 1.100 an. Diesmal raise ich ihn auf 2.300 und er bezahlt mit leichtem Zögern. Der River bringt die :8d. Ein Check ist mir jetzt etwas zu gefährlich, da er möglicherweise ebenfalls checken wird oder nur ein kleines Bet anspielt. Also spiele ich 4.000 an, die er sofort bezahlt. Als er meinen geflopten Poker sieht, wirft er wütend seine Hand in den Muck und verschwindet erstmal vom Tisch.  

Von da an lief es wie am Schnürchen. Mein Table-Image passte perfekt und ich konnte mich stets ohne wichtige Showdowns auf doppeltem Average halten. Einmal freute ich mich schon etwas verfrüht, als ein anderer Big Stack nach meinem Reraise All in ging und ich zum ersten Mal im Turnier Pocket Asse hielt. Aber er hatte ebenfalls die Asse und wir teilten den Pot. Die wichtigste Phase des Abends stand aber noch an: Die unvermeidlichen Showdowns  am Ende eines jeden Turniers. Bei 27 verbliebenen Spielern fand ich schließlich das zweite große Paar mit Pocket Königen und reraiste einen short Stack all in. Der konnte seine Freude kaum verbergen und drehte die Asse um. Die hielten und danach hatte ich nur noch den average Stack. Wenig später lächelten mich Pocket J-J an. Ich openraiste den dreifachen BB und wurde von Selbigem gecallt. Der Flop schien mir mit :9s :7c :2d relativ unverdächtig und nach seinem Check spielte ich 7.000 in einen Pot von 8.000. Er ging daraufhin mit insgesamt 14.000 All in. Natürlich zahlte ich nach und durfte mir erneut Pocket Asse ansehen. Nice Hand Sir! 

Schließlich wurden die restlichen 18 Spieler auf 2 Tische zusammengelegt und ich saß noch da mit kümmerlichen 9.500 Chips, bei Blinds von 1.000/2.000 und 200 Ante. Mehr oder weniger aus Verzweiflung pushte ich :Ad :8d All in und wurde von :Jx :Tx gecallt. Aber diesmal hielt meine Hand und ich verdoppelte. Im Anschluss daran schaltete ich auf eine extrem aggressive Strategie um und mit zahlreichen Raises und Reraises, die bei einem normalen EPT Event wohl niemals erfolgreich gewesen wären, konnte ich den Tag 1 bei 12 verbliebenen Spielern ohne weiteren Showdown mit 59.000 Chips etwas unter Durchschnitt abschließen. 

Am zweiten Tag war der Finaltisch relativ schnell gefunden. Mit knapp 70.000 Chips hatte ich noch genügend Optimismus in Reserve, um ebenfalls um den Sieg ein kleines Wörtchen mitreden zu können. Niki Jedlika war der Chipleader, spielte sein absolutes A-Game und rannte förmlich über den Tisch, so dass ich wieder ein paar Gänge zurückschalten musste. Meine Chance sah ich kommen, als ein short Stack All in ging und ich :Ac :Qc fand. Mein Gegner drehte :Ah :9d um. Aber der Flop bescherte ihm gleich zwei Neunen und jetzt war ich der short Stack. Die alte Weisheit bestätigte sich wieder einmal: Wer ein Turnier gewinnen will, muss zumindest die Hände durchbringen, in denen er den Gegner dominiert! 

Irgendwie mogelte ich mich die nächste Stunde so durch, gewann einmal einen Coinflip gegen Niki und beobachtete nicht ganz ohne Freude, wie sich vier weitere Mitspieler vom Finaltisch verabschiedeten. Zu Fünft fehlten mir dann mit 40.000 Chips knappe 100.000 zum Vorletzten, es musste also dringend was passieren. Ich ergreife meine Chance mit :Ac :4c, pushe All in und werde von Niki im Big Blind gecallt. Er dreht :Kc :Qc um. Flop und Turn waren noch komplett harmlos, aber eine :Qx am River schickt mich als Fünftplatzierten an die Rail. Das Trostpflaster in Form des Preisgeldes beläuft sich auf 12.610 €. 

Insgesamt war ich mit meinen Entscheidungen während des Turniers mehr als zufrieden und mit ein wenig mehr Kartenglück zum Schluss hätte es vielleicht auch wieder bis ganz nach Vorne gelangt.  

Taktisch gute Entscheidungen in den wichtigen Situationen wünscht Euch 

Euer Michael von free-888.com

Tableselection

In den letzten Tagen hatten mich einige Leute darauf angesprochen, warum ich nicht in London die WSOPE spielen würde, dort hätten Sie mich eigentlich erwartet.  

„Stand zu keinem Zeitpunkt auf meinem Terminplan“, antworte ich stets und das „Warum“ würde ich gerne nachfolgend erläutern. 

Dank des Pokerbooms sind die Angebote an Turnierfestivals in Europa so reich gesät wie nie zuvor. Man hat manchmal viel mehr als nur die Qual der Wahl, auch wenn man als Messlatte Buy ins größer als 1.500 € anlegt. Somit kommen für einen gewinnorientierten Pokerspieler auch bei der Auswahl der Location diejenigen Mechanismen zum Tragen, die allgemein als Tableselection bekannt sind, was im konkreten Fall sowohl die Qualität der Cashgames, als auch des Turnier-Teilnehmerfeldes betrifft. Als dritter Punkt spielt auch noch die Qualität der Lebensumgebung eine erhebliche Rolle, denn wer sich wohl fühlt, spielt besser. 

Im letzten Jahr hatte ich weitgehend erfolglos an der WSOP Europe teilgenommen und dabei die folgenden Erfahrungen gemacht: 

1.      Teilnehmerfeld 

Normalerweise mag ich Turniere, in denen zumindest 30 Prozent des Feldes, gelinde gesagt, als „soft“ einzustufen ist. Grundsätzlich spiele ich am Anfang eines Turniers ziemlich tight und versuche, mir ein oder zwei „weak spots“ auszugucken, die dann hoffentlich irgendwann ihre Chips in mich hineinschütten werden, weil sie möglicherweise eine Hand überspielen oder einen unlogischen Bluff ansetzen. Wenn ich mir allerdings das Teilnehmerfeld in London so ansehe, frage ich mich ernsthaft, welcher Held denn wohl freigiebig seine Chips in mich hineinschütten würde? Na gut, vielleicht finde ich ja im gesamten Turnier fünf bis sieben „weak spots“, aber das ist ein bisschen mager. 

2.      Cashgames 

Die Organisation der Cashgames war im letzten Jahr eine absolute Katastrophe. Es gab keinerlei Kommunikation seitens des Casinobetreibers Harrahs und der möglichen Cashgamespieler und nach mehreren Stunden Wartezeit konnte man dann vielleicht an einem der vier bis fünf Tische in einem kleinen Nebenraum Platz nehmen. Aber auch hier sah der Teich ziemlich „leergefischt“ aus, so dass ich mich ernsthaft fragen musste, wo der Value begründet sein soll. Bei den EPT’s oder der CAPT Serie herrschen da mitunter ja geradezu paradiesische Zustände. 

3.      Umgebung 

London ist nicht meine Traumstadt in Europa. Die Hotels sind völlig überteuert, die Straßen hoffnungslos verstopft und das gesellschaftliche Leben spielt sich nur noch vor den Pubs in streng eingezäunten  und massiv überfüllten Bereichen ab, da die Briten in ihrer Regulierungswut selbst noch die Bereiche im Freien mit seilartigen Zäunen versehen, wo man sich einen Glimmstengel anzünden kann. Das sieht dann so aus: Im Pub befinden sich noch 10 bis 15 Leute und vor dem Pub 200, die sich dann aufgrund der Enge gegenseitig mit ihren Zigaretten verbrennen. 

Als Alternative zur WSOPE London hatte ich das Turnierfestival im Concord Card Casino Wien, gefolgt  von den Europameisterschaften der Casinos Austria in Baden bei Wien. Wenn ich mir die oben genannten Kriterien unter dem Stichwort „Tableselection“ anschaue, ist es klar, wohin die Reise geht: In meine zweite Heimat Wien! Hier werde ich in den nächsten zwei Wochen ebenfalls vier Turniere mit einem Buy in von 2.000 € und mehr spielen, daneben noch eine paar Turniere mit etwa 1.000 €. Ist doch auch nicht zu verachten, oder? 

Nach meinem Sieg im Bregenzer Main Event vor ein paar Wochen las ich den folgenden Kommentar: Der kleine Fisch meidet das tiefe Wasser… Zugegeben, da musste ich ganz schön schmunzeln! Natürlich ist es manchmal viel schöner in seichten Gewässern, aber deshalb geht es trotzdem häufig genug in den großen Ozean. Von den EPT Events werde ich bis auf drei (London, Kopenhagen und Bahamas lasse ich aus) alle anderen spielen. Für ein weiteres Bracelet, das hoffentlich kommen wird, muss ich aber nicht nach London. In Las Vegas gibt es nächstes Jahr noch 55 weitere Armbändchen! Die richtige Mischung macht’s. 

Und nach London fliege ich sowieso. Am 27. Oktober, also einen Tag vor dem Start der EPT Budapest, werde ich einen Blitzbesuch machen und meinen Heat der 888 Poker Open spielen. Drückt mir die Daumen, dass ich dann am 4. November noch mal nach London fliegen muss, um das Finale spielen zu dürfen. 

Ein geschicktes Händchen bei der Auswahl Eurer Tische wünscht Euch 

Euer Michael von free-888.com

Varianz – einmal anders betrachtet!

Die folgende Geschichte hat zwar nur indirekt etwas mit Poker zu tun, weist aber erstaunliche Parallelen zu den heftigsten Tablestories auf, so dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte. 

Ursprünglich sollte ich ja am letzten Samstag schon in Seefeld aufkreuzen, um im lange angekündigten Teamchallenge meinen Platz im 888 Team einzunehmen. Da ich glücklicherweise den Tag 3 der EPT-Barcelona mitspielen durfte, musste also schnell nach einer Alternativlösung gesucht werden. Im Team nahm dann Pjotr Job meinen Platz ein, der in der letzten Zeit bei österreichischen Turnieren eine beeindruckende Erfolgsserie vorweisen konnte. Ich buchte meinen Flug auf Montag um. Girona – Karlsruhe/Baden mit Ryanair. Von Baden-Baden sollte es dann mit eigenem Auto nach Seefeld weitergehen und wenn alles planmäßig funktionierte, sollte ich schon um etwa 17 Uhr in Seefeld eintrudeln. 

Bis zum Boarding lief auch alles perfekt und kurz nach 10:30 Uhr standen wir auf der Startbahn in Girona und hatten Startfreigabe. Plötzlich drehte der Pilot um und rollte zurück zum Gate. In einer für jeden verständlichen Erklärung teilte er uns mit, dass der Höhen- und Geschwindigkeitsmesser des ersten Offiziers ausgefallen seien und er einen Start bis zur Lösung des Problems nicht riskieren dürfe. Seine Entscheidung wurde von beinahe allen Passagieren vollkommen respektiert und mit deutlicher Zustimmung aufgenommen. Am Gate mussten wir wieder von Bord und eine lange Zeit des Wartens begann. Lange vor Allem deshalb, weil sich niemand von Ryanair bemüßigt fühlte, uns irgendeine Erklärung zum weiteren Ablauf zu geben, beispielsweise, ob ein Ersatzflug geplant sei oder wie lange die Reparatur sich noch hinziehen könnte. Nach 5 ½ Stunden Wartezeit kam dann die lapidare Erklärung, dass der Flug komplett gestrichen wird und wir uns zum Schalter begeben sollten, um Alternativen angeboten zu bekommen. Erst in diesem Moment wurde auch unser Gepäck wieder freigegeben und als ich es endlich in Empfang nehmen konnte, fand ich schon eine lange Schlange am Ryanairschalter vor, die sich nur mit schneckenartiger Geschwindigkeit vorwärts bewegte.Nach einstündiger Wartezeit war ich endlich beim „Schalterbeamten“ angekommen, der mir erklärte, dass ab sofort keine Umbuchungen mehr an diesem Schalter vorgenommen werden und ich mich an der links von mir befindlichen Schlange erneut anstellen solle. Selbst das lautstarke Vortragen meiner Argumente, dass ich jetzt wohl an der Reihe sei, auch unter hilfsweisem Einsatz meiner Faust, die auf seinen Schalter einhämmerte, konnte seinen Standpunkt nicht ändern. Er ignorierte mich einfach. Ein kurzer Blick auf die andere Schlange genügte, um absehen zu können, dass ich dort wohl weitere zwei Stunden Wartezeit verbringen müsste, um überhaupt zum Schalter vordringen zu können. Mittlerweile hatte ich von anderen Passagieren erfahren, dass die früheste, durch Ryanair angebotene Gelegenheit zum Heimflug erst am nächsten Tag um 20 Uhr angeboten wurde. Dann allerdings nicht nach Baden-Baden, sondern nach Frankfurt/Hahn. Und wie bitteschön sollte ich dann zu meinem Auto auf dem 250 km entfernten Flughafen kommen? Tja, das ist doch nicht das Problem von Ryanair. 

Ich hatte von dem Kasperletheater endgültig die Schnauze voll und überlegte mir Alternativen. Auf gut Glück zurück nach Barcelona und einen Flug mit einer anderen Gesellschaft nach Frankfurt suchen, hätte sicher auch erst am nächsten Tag geklappt. Und dann war ja auch noch die Strecke in Deutschland zu bewältigen. Aber wozu gibt es schließlich Mietwagen? Girona – Baden-Baden, das sind gerade mal 1100 km, die sollten eigentlich in 10 Stunden zu schaffen sein. Dann ein paar Stunden schlafen und weiter geht es nach Seefeld, wo ich mit nicht mal 24 Stunden Verspätung ankommen würde. Also hin zu AVIS, einen Mietwagen für 448 Euro organisiert, die ich mir natürlich von Ryanair wiederholen will (darin kann ich ziemlich hartnäckig sein!). Keine 30 Minuten später war ich auf der Autobahn. Die ersten 680 km liefen auch absolut problemlos. Mittlerweile war es 0:30 Uhr, ich befand mich irgendwo zwischen Lyon und Besancon „in the middle of nowhere“, als dann die Augen doch etwas schwer wurden und ich kurz einen Parkplatz ansteuern wollte, um mir die Beine zu vertreten. Schon auf dem Bremsstreifen ging der Motor am geliehenen Seat Ibizia aus und keinerlei Überredungsversuche meinerseits brachten ihn wieder zum Laufen. Ich rief die AVIS-Hotline in Deutschland an, aber die können mir nachts um 1 Uhr in Frankreich auch nicht weiterhelfen. Als bis 2 Uhr rein gar nichts passiert, rufe ich den französischen Pannendienst an und lasse mich von der Autobahn schleppen (213 Euro, die ich mir auch von irgendjemand wiederholen werde!). Es ist nun schon 3 Uhr nachts und ich sehe ein, dass ich in diesem Moment überhaupt nichts mehr machen kann. Der Pannendienst organisiert mir noch schnell ein Taxi, das mich zu einem 5 km entfernten Hotel bringen soll. Selbstverständlich war das Taxameter schon auf 25 Euro voreingestellt. Entweder akzeptiere ich die Sondergebühr oder ich kann laufen. Das Hotel entpuppt sich schließlich als eine Art Jugendherberge, aber egal, Hauptsache ein Bett!  

Am nächsten Morgen geht das Spiel dann noch mal von vorne los. Um 9 Uhr rufe ich AVIS Deutschland an, aber die können angeblich nichts machen. AVIS Spanien verweist mich schließlich an AVIS Frankreich, weil ich mich dort aufhalte. AVIS Frankreich verweigert jede Hilfe, weil es ein spanisches Auto ist. Ich bin am Durchdrehen! Nach etlichen Fehlversuchen erklärt sich schließlich Spanien für mich zuständig. Sie wollen mir ein Taxi organisieren, dass mich die 250 km nach Mühlhausen bringt, wo ich einen Ersatzmietwagen in Empfang nehmen soll, um mit dem dann endlich ungehindert nach Baden-Baden weiterreisen zu können. Mein Jugendherbergszimmer musste ich schon um 11 Uhr räumen, und die Blicke des „Hotelmanagers“ wurden immer grimmiger, als ich mein Lager im Rezeptionsbereich aufschlug. Wann denn endlich mein Taxi kommen würde?Um 16 Uhr holt mich zu guter Letzt das Taxi ab und wir düsen los Richtung Mühlhausen. Normalerweise bin ich absolut seetauglich und Reisekrankheit ist für ein Fremdwort. Aber der Taxifahrer hatte es in sich. Völlig unfähig, auf weitgehend leerer Autobahn eine Geschwindigkeit zu halten, musste er dauernd mit dem Gaspedal spielen und die Tachonadel bewegte sich im Sekundentakt zwischen 135 und 140 km/h hin und her. Mir wurde speiübel und ich schaute mich nach einem geeigneten Behältnis um, als ich direkt in der Seitenablage eine Kotztüte entdecke. Ob der Fahrer wohl schon einschlägige Erfahrung mit seinen Kunden gemacht hat? Um 18:30 Uhr kamen wir in Mühlhausen an und ab da lief alles nach Plan. Seefeld habe ich mir allerdings geschenkt, ich war einfach zu entnervt und bin nach Hause gefahren. 

So und jetzt soll mir jemand noch mal eine Bad Beat Story über einen Einouter am River erzählen. Ich werde nur grinsen… Ende Oktober werde ich wieder fliegen, nach London, zur 888 Poker Open. Der Flug wird aber gewiss nicht mit Ryanair nach Stansted gehen, sondern mit einer anständigen Fluggesellschaft, die schon mal was von Krisenmanagement gehört hat. 

Euer Michael von free-888.com

EPT Barcelona 2008 – Aus der Traum!

Eigentlich hatte alles ganz gut ausgesehen. Tag 2 beendete ich bei 36 verbliebenen Spielern mit fast 300.000 Chips, was beinahe dem doppelten Average entsprach. Ich war fokussiert, aber nicht aufgeregt, konditionell fit, aber nicht überdreht. 

Links von mir nimmt einer junger, mir völlig unbekannter Finne Platz, der schon vor der ersten Hand mit der Gesamtsituation komplett überfordert schien. Er hippelt auf seinem Stuhl herum, als ob in seiner Hose gerade eine Kolonie Ameisen ihr Nest bauen wollen, während seine Blick ständig Hilfe suchend  zu seinen Freunden wandern, die als Railbirds moralische Unterstützung leisten wollen. Mit 80.000 Chips bei Blinds von 3.000/6.000 ist er zwar shortstacked, sollte aber keinesfalls der Verzweiflung nahe sein. In Ermangelung eines besseren Konzeptes pusht er seine Chips ständig All in und kann sich innerhalb von 30 Minuten auf etwa 120.000 hocharbeiten. Einmal habe ich auch preflop eine Hand gegen ihn aufgegeben, als ich :Ks :Qs  preflop auf 17.000 raiste und sein stereotypes All in zu hören bekam. Es war einfach noch nicht der richtige Spot, um die Konfrontation zu suchen. Wenige Hände später starte ich mit Pocket :Tx :Tx, raise wieder auf 17.000 und höre wieder sein All in. 103.000 muss ich nachzahlen und diesmal kann ich nicht noch mal aufgeben. Angesichts der Tatsache, dass ich auch bei Verlust der Hand immer noch knapp über Average liegen würde, verliere ich zusätzlich zuviel Reputation am Tisch, wenn ich mich erneut rauspushen lasse. Ich calle und er dreht :Ad :Qh um. Am Flop und Turn kommen lauter Blanks, aber, als ob Barry Greenstein persönlich anwesend wäre, erscheint das „Ace on the river“. Der Finne bricht in laute Jubelstürme aus, tanzt um seinen Stuhl herum und schreit „Yes, yes, yes“! Einige Hände später hat es sich dann ausgejubelt, als ein erneutes All in von ihm durch Jonas Klausen gecallt wird und sein :Jc :3c die soliden Pocket Queens von Jonas nicht schlagen können. 

Für die nächsten zwei Stunden muss ich mir dann ständig ansehen, wie die Action mit All ins bei mir ankommt und ich niedliche :9x :2x  in meinen Holecards finde und in den Muck befördern darf. Ein paar Mal kann ich die Blinds klauen, verliere aber trotzdem in dieser Zeit etwa 60.000 Chips an Blinds und Antes. Mittlerweile besitze ich nur noch 110.000 Chips, nur mein rechter Nachbar, der erfahrene Pro Ramzi Jelassi aus Schweden, ist mit 73.000 noch shorter als ich. Bei Blinds von 5.000/10.000 sitze ich im Small Blind und finde Pocket :8x :8x, als er am Button All in pusht. Der Mann weiß genau, was er tut und mit seinem kleinen Stack ist die Range der Karten, die er pusht, so offen wie ein Scheunentor. In vielen Fällen dominiere ich seine Hand, also Call. Er zeigt :Qs :9d. Wie ich diese unausweichlichen Coinflips hasse!!! Der Flop kommt mit :Ts :6h :2d noch recht harmlos, der :Ks am Turn gibt ihm noch zusätzlich einen Gutshot Straightdraw und die :9s am River besiegelt erneut mein Schicksal. 

Danach bleiben mir noch exakt 33.000 Chips, die meinen Spielraum auf maximal einen Orbit begrenzen. UTG finde ich schließlich :Ax :2x und die Chance, dass ich im Big Blind in der nächsten Hand bessere Startkarten finden sollte, ist sehr klein. Also rein damit! Jonas callt und Dren Ukella, der im Small Blind sitzt, callt ebenfalls. Schon beim Flop von :Ks :Qh :8d weiß ich, dass ich so gut wie tot bin. Jonas gewinnt den Pot schließlich mit :Qx :Jx und ich scheide als 25. aus 

Einen Tag später habe ich den Absturz immer noch nicht ganz verdaut. Ich bin die Hände wieder und wieder im Kopf noch mal durchgegangen, finde aber keinen einzigen Spot, in dem ich eine bessere Entscheidung hätte treffen können. Eventuell hätte ich schon beim ersten All in des Finnen mein Glück mit KQ suited versuchen und mich auf den Showdown einlassen sollen, aber das ist reine Spekulation. Fest steht jedenfalls, dass man in der Spätphase von derart großen Turnieren hin und wieder ein paar anständige Startkarten braucht, die dann auch einen Showdown überleben können. Aber glücklicherweise gibt es immer ein nächstes Mal. 

Siegreiche Showdowns wünscht Euch 

Euer Michael von free-888.com