EPT Barcelona 2008 – Meine Rollercoasterfahrt durch Tag 1A

Wenn man nur lange genug Poker spielt, wird man wahrscheinlich alles erleben, was technisch möglich ist. Da ich ziemlich lange dabei bin, dachte ich, dass ich schon fast alles erlebt habe – bis heute. Gleich zwei Premieren gab es für mich zu bestaunen, die schließlich zu einer ziemlichen Achterbahnfahrt durch den ersten Tag des EPT-Events führten. 

Barcelona ist extrem beliebt in der Pokergemeinde, trotz der chaotischen Zustände im Gran Casino und trotz des astronomischen Rakes von mittlerweile 40 € Maximum pro Pot. Um jeglichem Stress hinsichtlich meiner Teilnahme am Turnier auszuweichen, hatte ich das Buy-in schon vor vier Wochen überwiesen und mir als Starttag 1A gewünscht. Für den wünschenswerten Fall, dass ich den ersten Tag überleben sollte, waren also noch mal 36 Stunden Pause vorgesehen, bevor es so richtig ums Eingemachte und einen mehrere Millionen Euro schweren Preispool gehen sollte.  

Nahezu pünktlich starteten wir um 14 Uhr mit 292 Spielern. Nach einer Warmlaufphase von rund 60 Minuten ging das Turnier für mich auch recht viel versprechend los. Ich gewinne mehrere ansehnliche Pots im Lauf der ersten fünf Stunden und finde mich etwa gegen 19 Uhr mit knapp 35.000 Chips im erlauchten Kreis der Chipleader wieder. Dann kommt es zur ersten Premiere: UTG openraise ich mit :Ac :Ad bei Blinds von 150/300 auf 950. Ich gebe zu, dass ich es nicht ungern gesehen habe, als mein linker Nachbar direkt mit 5.000 All-in geht. Sein linker Nachbar wiederum überlegt geschlagene 20 Sekunden und geht dann ebenfalls mit ca. 15.000 All-in. Zugegeben, als dann der Button auch noch mit den Worten: „Let’s gamble!“ All-in geht, fällt mir schon ein wenig die Farbe aus dem Gesicht. Natürlich calle ich, obwohl mir klar ist, dass ich schon etwas Glück benötigen würde, um am River als Sieger dazustehen. Meine Kontrahenten zeigen mit Pocket 5-5, J-J und K-K jeder ein Paar und gegen alle 3 Hände zusammen habe ich gerade mal 51 Prozent, es spielt sich also für mich de facto wie ein Coinflip. Aber die Asse halten tatsächlich und plötzlich bin ich mit weit über 60.000 der Chipleader des Turniers. 

Zunächst passiert nicht mehr allzu viel, ich muss ein paar Raises preflop gegen kräftige Reraises aufgeben, verliere noch mal einen größeren Pot mit einem gefloppten Drilling gegen den geturnten Nutsflush und halte nur noch 45.000, als es zu folgender Begegnung und damit zur zweiten Premiere kommt. 15 Minuten vor dem Ende von Tag 1, bei Blinds von 300/600 und 75 Ante, limpt Chad Brown UTG ein. Alle folden zu mir im Small Blind und ich finde :Ah :Qd. Chad ist einer jener Kandidaten, die sehr gerne limpen und bei einem Raise mit einem deutlichen Reraise antworten, also fülle ich nur auf, während der Big Blind checkt. Im Flop kommt :Qc :8c :3d. Chad macht in Position fast immer eine Continuation Bet, also checke ich mit der Intention eines Checkraises, aber sowohl der BB als auch Chad checken behind. Am Turn kommt der :Jh. Jetzt wird mir das Board doch etwas zu drawlastig, also spiele ich 2.000 an. Der Big Blind antwortet mit einem Raise auf 5.000. Ich konnte ihn schon eine geraume Zeit beobachten und hatte ihn schon relativ früh mit dem Attribut „Napoleon.Syndrom“ versehen. Ein jugendlicher Südländer, von ungemein kleiner Körperstatur und mit einem grenzenlosen Selbstbewusstsein ausgestattet, das in krassem Widerspruch zu seinen tatsächlichen Pokerfähigkeiten steht, nutzte er jede sich bietende Gelegenheit zu untermauern, dass er tatsächlich der Größte ist.Nach Chads Fold calle ich nur, um bei einer harmlosen Karte einen Bluff am River zu induzieren. Der River ist mit der :5d tatsächlich ziemlich harmlos. Ich checke und er annonciert direkt All-in. Eigentlich bestätigt mich sein viel zu schnelles All-in nur in der Annahme, dass er „Luft“ hat.  Zur Sicherheit gehe ich aber nochmals in Gedanken die Hand Schritt für Schritt durch und bitte den Dealer mit dem Wort „Count“ um ein Abzählen seiner Chips. Mein Gegner hat offensichtlich „Call“ verstanden und dreht blitzartig zur Hälfte seine Karten um. Der Dealer schreit noch: „No, no only count, no call!“ und mein Gegner dreht die Karten wieder zurück. Während die andere Seite des Tisches alles sehen konnte, erhaschte ich nur einen Blick auf die :9c, die zweite Karte war für mich nicht zu sehen. So langsam wird mir mulmig. Hat er tatsächlich 10-9 gespielt und die Straight geturnt? Der bereits vorprogrammierte, glasklare Call, erscheint mir plötzlich doch ziemlich wackelig. 13.000 müsste ich noch bringen. Die Geschwindigkeit seines Showdown-Versuches gibt am Ende den Ausschlag: Ich folde meine Hand. Als sie im Muck liegt, fragt mich Chad: „Konntest du nicht seine Pocket 9-9 schlagen?“ Mich trifft fast der Schlag. Seine zweite, für mich unsichtbare Karte war ebenfalls eine 9! Nur im Zusammenspiel dieser speziellen, völlig ungewöhnlichen Ereignisabfolge war es für „Klein Napoleon“ möglich, die Hand zu gewinnen. Am Liebsten würde ich im Boden versinken. 63.000 Chips könnten wieder vor mir stehen, stattdessen sind es gerade mal 39.400. 

Ich bin heilfroh, als der Tag 1 keine 10 Minuten später zu Ende geht und ich einen ganzen Tag Zeit habe, mich mental auf die Fortsetzung des Turniers einzustimmen. Bei näherer Betrachtung sind 39.400 auch nicht so schlecht, immerhin 10.000 mehr, als der Average besitzt. 

Euer Michael von free-888.com

Bregenzer Sommerfestival – Sieg im Main Event

Wieder einmal hatte Casinos Austria nach Bregenz zum Sommerfestival eingeladen und wieder einmal konnte ich dem Lockruf nicht widerstehen, hatte ich nach der CAPT Graz doch tatsächlich eine ganze Woche Zuhause verbracht. 

Insgesamt fünf Nolimit Holdem Turniere standen auf dem Programm, von denen ich aber von vornherein die zwei „kleineren“ (200 € mit Rebuys und das 500 € Freezout) in meinem persönlichen Turnierplan gestrichen hatte. Der Grund ist ganz einfach zu erklären: Jedes einzelne Turnier startete schon um 14 Uhr und da ich mir fest vorgenommen hatte, gut zu spielen, musste ich mich zwangsläufig auf stundenlange Sitzungen einrichten. Da aber auch die Omaha Cashgame Partien aufgrund der bekannt guten Bregenzer Action nicht zu kurz kommen sollten, musste ich irgendwo Abstriche machen.  

Wie ich im 800 € und 1.000 € Freezeout feststellen konnte, war mein Spiel im Großen und Ganzen ziemlich nah an meinem persönlichen A-Game dran. In beiden Turnieren kam ich unter die letzten 30 Spieler. Im 800er verlor ich mein Turnierleben mit Pocket 10er gegen As-10 von Vito Branciforte. Ich hatte meine Chips als deutlicher Favorit in die Mitte gebracht und halt ein bisschen Pech gehabt – kein Grund um sauer zu sein. Im 1.000er war ich bei 34 verbliebenen Spielern Chipleader, nur um dann als 25. auszuscheiden, weil ich mich unbedingt auf einen Coinflip (mit A-K das All in meines Gegners gecallt, der Pocket Jacks hielt) einlassen wollte. Mein Call war zwar mathematisch gesehen absolut korrekt. Ich musste noch 22.000 für einen Pot von insgesamt fast 70.000 nachbezahlen. Aber war das turniertechnisch gesehen auch die richtige Entscheidung? Hätte ich den Call sein gelassen, wäre ich immer noch knapp über Average gewesen und hätte meine bereits investierten Chips risikoloser über das wiederholte Einsammeln der Blinds zurückholen können, ohne mich auf die Tatsachenentscheidung im Showdown einlassen zu müssen. So aber war ich nach Verlust des Coinflips shortstacked und quasi ohne die nötigen Waffen, um weiterhin Druck ausüben zu können.  

Genau jene Überlegungen sollten der Wegbereiter für meinen Sieg im Main Event sein. Insgesamt viermal stand ich in der späten Turnierphase vor der Entscheidung, den meiner Ansicht nach höchst wahrscheinlichen Coinflip in Kauf zu nehmen und jedes Mal vermied ich ihn. Meine verbleibenden Chips reichten einfach zur Genüge aus, um in aller Seelenruhe weiterhin „mein“ Spiel zu spielen und die Mitspieler vor Entscheidungsprobleme zu stellen, anstelle selbst welche zu haben.  

Was aber war neben der unabdingbar nötigen Portion an Glück der Hauptgrund für den Turniersieg? Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die erfolgreiche Operation meiner Nasenscheidewand und der Nebenhöhlen vor vier Wochen hier eine erhebliche Rolle spielte. Das erste Mal, seit ich denken kann, bekomme ich richtig „Luft“ über die Nase und ich habe mich selten gesundheitlich so fit gefühlt. Am ersten Tag des Main Events kamen wir auf 13 Stunden Turnierdauer, davon 11 Stunden Nettospielzeit und ich fühlte mich ungefähr so gut, als ob ich gerade mal zwei Stunden am Tisch gesessen hätte, während einige meiner Mitstreiter doch mehr als offensichtlich mit deutlichen Ermüdungserscheinungen zu kämpfen hatten. Es lohnt sich also, zum „besten“ Spezialisten zu gehen, obwohl die Operation fast überall durchgeführt wird. Den Bregenzer Sieg widme ich daher Dr. Kovacevic aus der HNO-Praxis am Stephansplatz in Hamburg. Und wer glaubt, dort könnten sich nur Leute mit richtig viel Schotter unters Messer legen, irrt gewaltig: Dr. Kovacevic ist für alle Krankenkassen zugelassen und operiert AOK-Patienten genauso sorgfältig wie die Leidensgenossen, die privat versichert sind.  

Poker und das Leben weisen überraschend häufig erstaunliche Parallelen auf: Gute und präzise Informationen sind oft viel wertvoller als Geld, respektive Chips, meint 

Euer Michael von free-888.com

Grazer Begegnungen

Zum ersten Mal fand in der Grazer Filiale der Casinos Austria im Rahmen der CAPT ein internationales Turnier statt. Der gewohnt hohe Organisations- und Servicestandard dieser Tour weckte natürlich auch hier entsprechende Erwartungen – sie wurden nicht enttäuscht. Casinos Austria ist sich des harten Wettbewerbs auf der internationalen Turnierbühne durchaus bewusst und reagiert entsprechend. Pokermanager Edgar Stuchly, selbst passionierter Pokerspieler, hat die Organisation bestens im Griff und sieht dabei eben nicht nur den kurzfristigen Vorteil der eigenen Firma. Schließlich weiß er, das Poker „a life long game“ ist und der zufriedene Kunde gerne wieder kommt. 

Ich selbst hatte mich für 3 Turniere angemeldet und bei dem 800 € Freezeout Nolimit Holdem bestand sogar eine gute Chance auf den Finaltisch. 109 Spieler hatten sich angemeldet und bei Levels von 30 Minuten Dauer war mir von Anfang an klar, dass man seine Erfolgsaussichten nicht unbedingt erhöhen würde, wenn man allzu lange auf der Bremse stehen würde. Gleich innerhalb der ersten 45 Minuten kam es zu zwei interessanten Begegnungen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.An meinem Tisch kannte ich bis auf Max Bracht und Andreas Krause niemand näher. Doch einer der „local heros“, Typ kantiger Steirer Bub zog sofort meine Aufmerksamkeit auf sich. Der Spieler hielt offenbar nur sehr wenig von potsized Bets, stattdessen bevorzugte er das kräftige Schwingen des Holzhammers. Zu meiner unvermeidlichen Begegnung mit ihm kam es, als Max in MP1 von 50 auf 125 erhöhte. Steirer Bub zahlt das Raise, der Cutoff zahlt ebenfalls, small Blind füllt auf und ich zahle mit :Kc :Qd selbstverständlich auch im Big Blind nach. Der Flop bringt :Qh :7c :3h . Bei so vielen Interessenten habe ich jetzt nicht unbedingt ein klares Bild davon, wie gut ich mit meinem Toppaar wirklich bin und checke erstmal in die Runde. Der Steirer Bub spielt 600 an, ich bezahle und wir sind tatsächlich Heads Up. Am Turn kommt die :2s, ich checke und er spielt 2.500. O.K., bezahlt! Der River bringt die :Td und bevor ich überhaupt Check sagen konnte, schiebt er schon all seine Chips in die Mitte. Beim Zählen zeigt sich, dass ich ihn gerade mal mit 50 Chips covere. Tough Decision! Im Kopf gehe ich die möglichen Szenarien durch. Pocket Asse oder Könige schließe ich bei ihm aus, er ist auf keinen Fall der Typ, der so was preflop slow spielt. Drilling hat er auch nicht, damit hätte er den River sicher etwas bedächtiger gespielt, er will schließlich noch ein paar Chips von mir bekommen und die Riverbet übermittelte die eindeutige Message an mich, meine Karten doch möglichst geräuschlos in den Muck zu werfen. Natürlich ist da noch die Möglichkeit von A-Q in seiner Hand oder vielleicht auch zwei Paar, da er eher der Typ war, preflop irgendwelche zwei Karten zu spielen. Irgendwie kam mir die Art und Weise seines All in Moves am River aber doch zu sehr als Muskelspiel vor. Ein kurzer Blick rüber an den Cashgame High Limit Omaha Tisch gab schließlich den Ausschlag für meinen Call. An jenem Tisch war nämlich noch ein Plätzchen frei und die Action erschien mir für den frühen Nachmittag doch ganz ansehnlich.Nach meinem Call dreht mein Gegner ziemlich frustriert :Kd :4d um. Kompletter Bluff ohne irgendeinen Draw, er war schon am Turn drawing dead und ich hatte mich aufgedoppelt.  Innerhalb von wenigen Minuten wird sein Platz  von einem ebenso jungen, wie aggressiven Spieler besetzt, der sofort die Rolle eines „Reserve Gus Hansen“ übernehmen möchte Glücklicherweise hatte ich aber jetzt doppelt so viele Chips wie er und wollte mich mit Sicherheit nicht rumpushen lassen. Mit :8s :9s openraise ich UTG von 100 auf 300, er bezahlt. Heads Up sehen wir den Flop :Js :8d :7s . Ich spiele sofort 600 an und er raist mich auf 1.800. Für mich sieht das wie ein Monsterflop aus, selbst gegen ein Overpair habe ich rund 60 % Gewinnchance. Also reraise ich auf 5.000, was er sofort mit seinem All in beantwortet. Na gut, denke ich mir, dann müssen halt die 60 % greifen. Ich calle und er dreht :Ah :Jh um. Schließlich gewinne ich den Showdown, weil am River eine :9x mir ein zweites Paar schenkt. Nach nur 45 Minuten Turnierdauer besitze ich den dreifachen Average, eine selten günstige Ausgangslage. Leider hat es dann doch nur für Platz 17 gereicht. Einige misslungene Blind-Stehlversuche in den späten Levels, zwei Suckouts und viele tote Karten warfen mich zurück unter Average, als wir noch 20 Spieler waren. Meine letzte Hand des Turniers verliere ich als klassisches Race in einem Battle of the Blinds mit :Ac :Qh gegen die Pocket 7 des späteren Turniersiegers, Angelo Angelis. 

Eigentlich hatte ich das Ganze schon abgehakt, als ich einen Tag später mit Andreas Krause an der Bar sitze. Ganz spontan meint er, ich hätte die beiden oben beschriebenen Hände „grottenschlecht“ gespielt. Mit K-Q hätte ich das All in niemals callen dürfen und die 8-9 suited hätte ich ebenfalls maßlos überspielt. Im ersten Moment fällt mir mein alter Spruch ein: „Wer heilt, hat recht“, frei übersetzt: Wer die Hand gewinnt, hat sie richtig gespielt! Andererseits ist Andreas derzeit unbestritten der erfolgreichste deutsche Turnierspieler und ich sollte vielleicht seine Gedanken nicht einfach so mit einer Handbewegung beiseite schieben. Viel Raum für Diskussion meint 

Euer Michael von free-888.com

Vom Regelfetischismus

Seit letztem Freitag bin ich in Hamburg. Der Grund ist ausnahmsweise nicht pokertechnischer Natur, sondern die mittelbare Konsequenz meines siebenwöchigen WSOP-Trips, von dem ich vier Wochen krank war. Die längst überfällige Nasennebenhöhlenoperation hatte ich schon einige Jahre vor mir her geschoben, aber jetzt war Schluss mit lustig. Da ich beim Thema Gesundheit zu keinerlei Kompromissen bereit bin, wollte ich natürlich vom besten Spezialisten in Deutschland operiert werden, und eben der hat seine Praxisklinik in Hamburg. Die eigentliche Operation fand am Montag statt und ist hervorragend verlaufen. Mittlerweile habe ich die Klinik schon wieder verlassen und bleibe noch zwei Tage im Grand Elysee Hotel, wo sich das Umfeld für die ambulante Nachbehandlung doch etwas komfortabler gestalten lässt.  

Aber zwischen den Voruntersuchungen am letzten Freitag und der OP am Montag lag ja ein ganzes Wochenende, welches ich der Potlimit Omaha Partie im Casino Esplanade widmen wollte. Der Partie selbst eilte ein legendärer Ruf voraus, obwohl ich die Rahmenbedingungen gelinde gesagt als „suboptimal“ bezeichnen möchte. 300 € Minimum Buy-in bei Blinds von 5/10 ist nicht gerade deep stacked, zumal ein Rebuy nach erfolglosem All-in für schlappe 150 € möglich ist. Oft führt diese Buy-in Regel dazu, dass einige Kandidaten immer wieder versuchen, ihre 150 € möglichst preflop in die Mitte zu bringen, so dass gar kein Boardplay mehr möglich ist. Da es aber beim Omaha so gut wie nie und im Gegensatz zu Texas Hold’em keine klaren „preflop“ Favoritenhände gibt, kann das Ganze auf diese Art und Weise leicht zu einem Glücksspiel degenerieren.  Offen gestanden fand meine Skepsis schon am ersten Abend reichlich Nahrung. Ich weiß, dass drei Tage Spielteilnahme längst nicht ausreichen, um sich eine klare Meinung zu bilden, aber eine Grundtendenz ist mir aus anderen Locations nur allzu bekannt: Sowie jemand ein paar hundert Euro vorne ist, erschallt der Ruf „Seat open“. Auf Dauer führt das bei allen Anwesenden zu einem extrem vorsichtigen Agieren bei den deep Stacks einerseits und jener schon vorher zitierten preflop All-in Strategie bei den super short Stacks andererseits. Mittelfristig haben solche Konstellationen keine guten Überlebenschancen. Aber, wie gesagt, drei Tage sind keineswegs repräsentativ genug, um die Qualität einer Partie beurteilen zu können. 

Wirklich überrascht war ich dann jedoch von einigen, doch recht „eigenwilligen“ Hausregeln. 2 Beispiele seien hier aufgeführt: 

1.      Out of Turn Action 

Wenn ein Spieler eine Wette tätigt, obwohl er noch nicht an der Reihe ist, muss er seinen Einsatz zurücknehmen und darf nur noch passiv agieren, also checken oder den Einsatz eines vorhergehenden Spielers callen. Bei einigen Dealern muss er sogar noch zur Strafe für seine „Out of Turn Action“ einen Blind (10 €) in den Pot geben. 

2.      Karten über der Linie  

Wenn die Karten eines Spielers eine ominöse Linie auf dem Tisch vollständig passieren, ist die Hand des Spielers tot, auch wenn sie noch nicht den Muck berührt hat. 

Für jeden einleuchtend ist, dass eine Pokerpartie klare Regeln haben muss. Jede Pokerregel sollte allerdings ein Ziel verfolgen: Sie sollte im besten Interesse des Spiels für Fairness sorgen und gleichzeitig alle Spieler, insbesondere aber die Unerfahrenen, schützen. Eine Regel, die um ihrer selbst willen eingeführt wird, ist so überflüssig wie ein Kropf.„Out of Turn Action“ ist in den meisten Fällen eine Verletzung der Etikette und bringt nur in seltenen Fällen einen strategischen Vor- bzw. Nachteil für die anderen Beteiligten. International wird das so gehandhabt, dass der „Out of Turn“ Agierende an seinen Satz gebunden ist, insoweit ein übergangener Spieler nicht noch ein eigenes Bet tätigt. Die Hamburger Regel mit der Verurteilung zur Passivität ist definitiv nicht im Interesse des Spiels. Nehmen wir einmal an, dass ich einen mittelprächtigen Draw spiele und eine billige Turncard sehen möchte. Wenn ich jetzt agiere, obwohl ich nicht an der Reihe bin, muss ich checken, insoweit niemand vor mir ansetzt. Die anderen haben aber meine „versuchte“ Wette gesehen und werden jetzt vorsichtig sein, außer, sie halten eine Monsterhand. In vielen Fällen wird jetzt einfach durchgecheckt und ich erhalte eine kostenlose Turncard. Ist das fair? 

Noch heftiger ist die Geschichte mit der ominösen Linie auf dem Tisch, die ohnehin nur im deutschsprachigen Raum existiert. Gerade bei Multiway-Action kann es vorkommen, dass ich den letzten zu agierenden Spieler nach meinem Anspiel einfach übersehe, insbesondere, wenn er seine Karten mit beiden Händen covert. Ich gebe jetzt meine Hand frei, um den Pot in Empfang zu nehmen, muss aber feststellen, dass ich den Pot kampflos verloren habe, weil meine Karten über die 5 cm vor mir verlaufende Linie gewandert sind. Natürlich ist auch mein letzter Wetteinsatz verloren, obwohl mein Gegner nicht mal callen muss. Leute, wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit der Mittel? 

Um es gleich vorweg zu sagen: Während der drei Tage in Hamburg ist mir persönlich glücklicherweise niemals ein Regelverstoß passiert, aber ich konnte beobachten, wie einzelne Spieler davon betroffen waren. Meist waren es die etwas weniger geübten Amateure, die dann natürlich frustriert aufgestanden sind. Wollen wir diese Leute wirklich vom Tisch verprellen oder sie mit Regeln schützen, die im besten Interesse des Spiels sind? 

Euer Michael von free-888.com

Geschichten aus der Gruft – Der teuerste Energiedrink meines Lebens

Während ich mir zurzeit in Kroatien die Sonne auf  meinen glücklicherweise nicht mehr ganz so ausgeprägten Bauch scheinen lasse, ist pokertechnisch absolute Pause, nicht zuletzt auch aufgrund der steinzeitmäßigen Internetverbindung, angesagt. 

Also werde ich auf immer wieder vorgetragenen Wunsch hin die Zeit dazu nutzen, Euch eine Geschichte aus jener Zeit zu erzählen, als sowohl das Onlinepoker, als auch das Basiswissen des durchschnittlichen Pokerspielers noch in den absoluten Kleinkinderschuhen steckte. Zu jener Zeit war die Deutsche Mark noch die einzige Währung an den heimischen Livegame-Tischen und jenes altehrwürdige Spielcasino in Baden eine der wenigen deutschen Pokermetropolen. 

Gemäß den Traditionen des Hauses wurden die freundlichen Damen und Herren vom gastronomischen Servicepersonal natürlich nicht Kellner, sondern „Pagen“ genannt. Wer sich darunter vorwiegend jugendliche, aufstrebende Mitarbeiter vorstellt, wird schnell von der Realität eines Besseren belehrt. „Stammpage“ im Pokerbereich war ein in Ehren ergrauter älterer Herr, der hier noch einige wenige Jahre bis zu seiner Pensionierung absitzen musste. Auch damals schon kam mir das „P-Wort“ nur wirklich mühsam über die Lippen, so dass ich den Herrn mit seinem Nachnamen, nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach Herr Müller, ansprach. Herr Müller war ein wirklich netter Zeitgenosse, die Damenwelt verpasste ihm sogar das Adjektiv „knuffig“,  aber vom Service hatte er so seine eigenen Vorstellungen.  

Beispielgebend sei in etwa folgender Dialog:„Herr Müller. Ich hätte gerne einen Red Bull.“„Allmächtiger, da muss ich ja bis ganz ans Ende des Saales laufen!“, war die Antwort. 

Da ich aber auf meinen Bestellwunsch beharrte, fügte sich Herr Müller schließlich notgedrungen und zog los.Gut 20 Minuten später war ich schließlich in einen etwas größeren Pot involviert. Wir spielten, wie fast immer Omaha, und ich entschloss mich, meinen Straight- und Flushdraw gleich auf Flop und Turn reichlich aggressiv zu spielen. Als der River erneut eine Blank brachte und ich mich anschickte, mit „K high“ in den Showdown zu ziehen, sah ich die einzige Möglichkeit darin, auch am River noch eine potsized Bet in Höhe von ungefähr 3.500 deutsche Mark abzufeuern, um meinen Gegner zu einem Fold zu bewegen. Während ich also mein Geld entschlossen in die Mitte schob, kam mein Gegner leider auf die Idee, nicht nur das Board, sondern auch meine eigene Person einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Ich versuchte also, möglichst unbeteiligt aus der Wäsche zu blicken. 

Genau in jenem Moment erschien Herr Müller wieder auf der Bildfläche: „Herr Doktor, Ihr Getränk ist da“.  

Ich ignorierte seine Bemerkung und starrte weiter ins Nichts. Doch da hatte ich meine Rechnung ohne Herrn Müller gemacht. Sein rechter Zeigefinger näherte sich unaufhaltsam meiner Schulter und tippte mich mit einer Frequenz von etwa 4 Hz konsequent an.„ Vier Mark Siebzig macht das. Hallo Herr Doktor, Ihr Red Bull!“ 

Mir wurde es zunehmend mulmiger in meiner Haut und ich wand mich wie ein Aal. Ich dachte noch: „Müllerchen, wenn Du mich zwei Minuten in Ruhe lässt, gebe ich Dir glatt 10 Mark für den Drink.“ Aber Müller konnte leider keine Gedanken lesen und sein Zeigefinger hämmerte weiter auf meine Schulter. Schließlich hatte der Dealer ein Einsehen mit mir und sagte: „Herr Müller, der Gast ist in ein Spiel involviert, bitte einen Moment Geduld.“  

Offensichtlich konnte man mir die Erleichterung über das Eingreifen des Dealers nur allzu deutlich ansehen, denn just in diesem Moment sagte mein Gegenüber: „Call the Bluff“. Er gewann den Pot schließlich mit einem Paar Damen und 10.500 DM wanderten zu ihm. Herr Müller wiederholte unmittelbar danach nochmals seine Forderung nach den besagten 4,70 Mark, die ich natürlich großzügigerweise auf 5 Mark aufrundete. 

Nach jenem Erlebnis schwor ich mir, in besagtem Casino zukünftig immer meine Getränkerechung gleich im Voraus, mit Abgabe der Bestellung, zu bezahlen. 

Euer Michael von free-888.com

Velden - Sieg im Abschlussturnier

Eigentlich hatte ich mich auf Velden mehr als nur tierisch gefreut. Nach einer äußerst bescheidenen WSOP Performance, unmenschlichen 47° C Tagestemperaturen in Las Vegas, die früher oder später jeden zu einem generell Tageslicht meidenden Vampir mutieren lassen, war die Eventwoche am Wörthersee genau jener Anreiz, der neue Lebensgeister wecken sollte. 

Wie schon in den Jahren zuvor wurde nach meiner Heimkehr nur flugs der Koffer gewechselt und schon ging es ab durch den Tauerntunnel nach Kärnten. Die Motivation wurde zusätzlich beflügelt durch meine Erinnerung an das letzte Jahr, als ich dort den Main Event zu Dritt teilen durfte. Dies wäre genau die richtige Finanzspritze, um den Vegas-Brand wirkungsvoll zu löschen. Zwei Tage stand ich mir zu, um die ersten Auswirkungen des leidigen Jetlags zu überwinden, dann stand das Seven Card Stud Turnier auf dem Programm. Hier war ich mit meiner Leistung insgesamt ganz zufrieden, aber wie das üblicherweise bei Limitturnieren so abläuft, muss man in den späten Phasen einfach auch ein bisschen Glück haben. Der Draw muss kommen oder die „made hand“ muss halten. Das war diesmal eben nicht so und ich durfte mich nach 12 Stunden Spielzeit als 14. kurz vor Erreichen der Bubble aus dem Event verabschieden.Noch weniger Aussicht auf Erfolg brachte der Main Event mit sich. Nachdem ich insgesamt dreimal in den ersten vier Stunden mit meinem Pocketpaar bei an sich sorgenfreiem Board im Showdown in die Pocket Asse meiner jeweiligen Gegner blicken durfte, war auch hier „Schicht im Schacht“ und die Cashgame Potlimit Omaha Partie hatte mich wieder. 

Das Abschlussturnier wollte ich normalerweise überhaupt nicht spielen. Nolimit Holdem mit 100 Euro Buy-in und unlimited Rebuys während der ersten drei Levels versprachen nicht gerade einen atemberaubenden Preispool. Aber da die Interessentenliste für die €20/€40 Potlimit Omaha Runde kurz vor 15 Uhr immer noch gähnende Leere aufwies und sich immerhin schon über 100 Leute ins Turnier eingekauft hatten, entschloss ich mich doch noch zu einer Teilnahme. Ich kaufte mich gleich mit doppelten Chips ein. Bis zum Ende der Rebuy-Phase konnte ich meinen Stack zwar nur unwesentlich von 4.000 auf 5.500 Chips aufbauen, aber immerhin wurde auch kein Rebuy fällig. Das Add-on brachte für 100 €, weitere 4.000 Chips – ein Angebot, das man kaum ernsthaft ausschlagen kann. Hier lief plötzlich alles wie am Schnürchen. 10 Stunden später fand ich mich im Heads Up mit einem 3 : 1 Chiplead wieder und gut 20 Minuten später hatte ich das Turnier gewonnen.Warum ging es diesmal so einfach? Wenn ich mir den Verlauf des Turniers genauer ansehe, fallen mir 2 Dinge besonders auf: Erstens hatte ich mit Pocketpaaren niemals schwere Entscheidungen preflop zu treffen. Einmal hielt ich KK und einmal JJ. Beide Male foldeten alle Spieler auf mein Openraise hin ihre Karten und es kam gar nicht erst zu einem Showdown. Zweitens hatte ich das unverschämte Glück, gleich zweimal im Verlaufe des Turniers einen Showdown mit einem Coinflip gewinnen zu können. Beim ersten Mal war ich selbst All-in und mein :Ax :Kx gewann gegen die Pocket 88 meines Gegners. Beim zweiten Mal war dann mein Kontrahent all-in und mein :Kc :Jc  konnte sich gegen seine 99 durchsetzen.Ansonsten war viel Taktieren angesagt. Bis in die späte Turnierphase war ich nur selten über Average, hatte dann aber das Glück, kaum beim Stehlen der Blinds erwischt zu werden. Ich vermied es konsequent, die extremen Shortstacks zu attackieren, konzentrierte mich eher auf die mittleren Stacks und startete auch hin und wieder einen Angriff auf die Chipleader, wenn die Situation günstig erschien.Aber das erklärt noch nicht Alles. Vielleicht fällt es mir einfach viel leichter, bei einem 300 € Turnier meine Chips relativ gelassen in die Mitte zu schieben, im Vergleich zu einem 8.000 € EPT Event. Und vielleicht ist es genau jene mangelnde Risikofreudigkeit, die mich letztendlich bei einem großen Turnier viel zu oft scheitern lässt. Einen Versuch ist es allemal wert und bei der CAPT Graz in gut 3 Wochen gibt es ja wieder genügend Gelegenheit zum Üben.  

Euer Michael von free-888.com

Von neuen Wegen und Orientierungsschwierigkeiten

„I’ve got nothing to offer than blood, sweat and tears“, waren die denkwürdigen Worte Winston Churchills, als er im Mai 1940 das Amt des Premierminsters antrat. O.K., das Ganze ist für meine derzeitige Situation schon reichlich übertrieben, trifft aber recht gut die Stimmungslage, wenn ich von meiner bisherigen WSOP berichten soll. Die ersten drei Wochen war ich durchgehend krank mit einer Sinusitis inklusive Stirnhöhlenvereiterung, wie ich es noch nie erlebt hatte. Das Schlimmste war der Schlafentzug und die Nebenwirkungen der diversen Medikamente, so dass der Informationsaustausch meiner kleinen grauen Zellen bestenfalls im Schongang ablief. Seit vier Tagen bin ich wieder medikamentenfrei und die letzten Symptome der Krankheit sind im Auslaufen. Mittlerweile wird mir auch klar, wie weit mein bisheriges Spiel von meinem echten A-Game entfernt war. 10 WSOP Turniere hatte ich gespielt, ohne einen Finish im Geld vorweisen zu können. Zweimal hatte ich eine echte Chance zumindest einen Schuss auf die Moneyplätze zu bekommen, beide Male blieb die Chance  ungenutzt. Im 10K Mixed Event schied ich 5 Minuten vor Ende des letzten Levels an Tag 1 aus, weil ich bei der Variante Potlimit Omaha meine Pocket-Asse bei gepaartem Board Heads Up gegen Ralph Perry nicht loslassen konnte, zahlte sein gerivertes Full House voll aus.Ebenso schlecht spielte ich im 3K H.O.R.S.E Event (an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an Jens Vörtmann zum Sieg und zum Bracelet), als ich in der letzten Hand des Tages die Arena verlassen musste, weil ich die letzten 30 Minuten unbedingt Chips machen wollte und zwei Hände gnadenlos überspielte. 

Mehrfach saß ich während der letzten 2 Wochen vor meinem Notebook, um an einem neuen Blog zu feilen, aber jedes Mal gab ich auf, weil ich einfach nicht dazu in der Lage war, auch nur 3 sinnvoll zusammenhängende Sätze zu formulieren. Letzten Endes ist der menschliche Intellekt und das Bewusstsein doch nicht mehr als die Summe neuronaler Netzwerkverbindungen, die mit Hormonen, Stoffwechselprodukten, Sauerstoff und CO2 überschwemmt werden, wobei die Qualität des Intellekts maßgeblich durch die Zusammensetzung der Betriebsstoffe definiert wird. 

Aber es gibt auch einige positive Dinge zu berichten: Das für mich neue Experiment Wohngemeinschaft im Intellipoker-Haus zeigt eine erfrischend gute Bilanz. Lebensqualität und Stimmung sind zu 90 Prozent wirklich ausgezeichnet, das Ambiente stimmt und man hat Abstand zum Strip, dem Glamour, den rasselnden Automaten und der betriebsbedingten Hektik. 

Ebenso erfreulich verlaufen meine Cashgame Angriffe, die sich zu 80 Prozent auf Seven Card Stud Hi/Lo $50/$100 konzentrieren. Die meisten Sitzungen hatte ich allerdings nach drei bis vier Stunden abbrechen müssen, da die Konzentration spürbar nachließ. Diese Variante ist eigentlich mein Lieblingsspiel und da es in Europa überhaupt nicht gespielt wird, nutze ich hier jede Möglichkeit aus. Bezeichnend für meine Turnierform war auch der 5K Event im Stud Hi/Lo. Nach nur drei Stunden war ich draußen, völlig chancenlos konnte ich in diesen drei Stunden nur 2 Pots teilen, eindeutig zuwenig zum Überleben. Direkt danach setze ich mich ins Cashgame und gewinne 56 Big Bets in nur drei weiteren Stunden. Ein Ergebnis, das selbst bei optimistischster Annahme meiner Fähigkeiten viel zu hoch ist. Immerhin hatte ich gestern Abend das Privileg, Sebastians Sieg in dem Event gegen Chris Ferguson live miterleben zu können. Es war einfach genial, ihm zuzusehen, zumal mir die gemeinsamen Stud Hi/lo Sessions online in Cardiff ins Bewusstsein gespült wurden. Luckbox, das war ganz großes Tennis, willkommen im Club!!! 

Abgeschrieben habe ich diese WSOP aber längst noch nicht. Es stehen noch einige Turniere auf meinem Plan, unter anderem das 10K Potlimit Omaha und natürlich auch der Main Event. Jetzt schon die Flügel einziehen und in Deckung gehen, wäre eindeutig verfrüht. Wie Ihr alle wisst: Die Hoffnung stirbt zuletzt. 

Euer Michael von free-888.com

World Poker Tour in Barcelona

Barcelona ist immer eine Reise wert. Die guten Restaurants oder die schicken Nachtclubs, das mediterrane Ambiente oder die kulturellen Sehenswürdigkeiten sind immer wieder Grund genug, der katalanischen Hauptstadt einen Besuch abzustatten. Abhalten von einem solchen Trip könnte mich eigentlich nur die miserable Organisation des Gran Casinos. Seit 2002 komme ich mehrmals jährlich nach Spanien, jedes Jahr hoffe ich, dass es etwas besser wird…aber meine Hoffnungen stellen sich immer wieder als fromme Wünsche heraus. Der einzige europäische Ableger der World Poker Tour gastierte vom 22. bis 27. Mai dort und trotz der extrem späten Ankündigung in den Medien fanden immerhin 253 Spieler ihren Weg dorthin. Wirklich seltsame Blüten trieb erneut die eigenwillige Preispolitik des Monopolisten. Kurzerhand wurde von einer auf die andere Stunde das Rake von 20 auf 30 € pro Pot (!!!) erhöht. Auf die höfliche Nachfrage zur Begründung wurde uns lapidar mitgeteilt: „Wenn wir Lust haben, erhöhen wir morgen auf 50 €. Und wenn es Euch nicht passt, könnt ihr ja aufstehen und gehen. Dahinten stehen genügend Leute rum, die auf der Warteliste für den Sitzplatz sind“. Tja, das nenne ich echten Kundenservice. 

Turnierdirektor Thomas Kremser und sein Team versuchten noch zu retten, was eben zu retten ging; aber wie immer in Barcelona liegt der Fehler in der höchst eigenwilligen Personalpolitik des Casinos. Die Hälfte der Dealer wurde „mal so“ von den Roulettekesseln abgezogen und war kaum in der Lage korrekt die Karten zu geben, geschweige denn, Geld zu wechseln oder die Gewinnerhand am Board beim Showdown ausfindig zu machen. 

Trotz allem gelang es Thomas, den Main Event nahezu pünktlich zu starten und auch für einen vernünftigen Turnierablauf zu sorgen. Kaum Amerikaner, dafür  aber die überwiegende Mehrheit der europäischen Top-Profis wollten sich die Schnäppchen-Gelegenheit auf einen WPT-Titel nicht entgehen lassen. Ich selbst hatte vor, diesmal insbesondere in der Anfangsphase, etwas weniger aggressiv zu spielen, auch sehr gute Hände tendenziell eher nicht zu reraisen, sondern sich Flops anzuschauen.  

Das mit den sehr guten Händen hätte ich mir schenken können… 

Gleich am Anfang in der dritten Hand konnte ich mit :As :Qc einen schönen Pot von rund 3.000 Chips einsammeln und danach hieß es, warten und warten und warten…Am Ende von Tag 1 hatte ich immerhin 19.450 Chips, also mein Startstack von 15.000 ein klein wenig verbessert, war jedoch unter Average und eher im letzten Drittel des Feldes wieder zu finden. Bei der sehr guten Struktur stellte der Chipcount allerdings kein Problem dar, ohne Druck durch die Blinds und Ante konnte ich den Tag 2 relativ entspannt beginnen. So etwa alle 2 Jahre kommt es mal vor, dass ich in einem Turnier Gefahr laufe, mich in einem Turnier tot blinden zu lassen. Beim WPT-Turnier war es wieder mal der Fall. 9 von 10 Händen gab es preflop schon Raise und Reraise, bevor die Action überhaupt bei mir ankam und ich versuchte mich in der Weltmeisterschaft im „Dauerfolden“. Nach 5 Stunden Spielzeit war meine beste Starthand Pocket 3-3, aber irgendwie hatte ich meine 20.000 Chips bis dahin verteidigen können. Aber irgendwann gab es keine Gnade mehr. Als ich nach dem Raise auf 6.000 eines Skandinaviers in MP1 am Button ein Realsteal mit :Kd :Jc versuche und All-in pushe, wacht der Big Blind mit Pocket Assen auf und die Party war für mich zu Ende. 

Aber es gab ja auch noch den Nebenevent mit 2.000 € Buy-in. Das Spiel ging also am nächsten Tag von vorne los. Diesmal waren mir die Karten zumindest an Tag 1 etwas wohl gesonnener. Bis etwa 30 Minuten vor Spielschluss gehörte ich sogar zu den drei Chipleadern, verlor dann aber mit :Ax :Qx gegen :Ax :Kx bei getroffenem Ass am Flop die Hälfte meines Stacks und ging knapp unter Average, aber immerhin schon im Preisgeld, in Tag 2. 

Bei 16 verbliebenen Spielern kam es dann zu folgender Situation: Blinds 1.500/3.000, Ante 300. UTG (55.000 Chips) raist auf 8.000 und ich finde direkt in nächster Position  (53.000 Chips) Pocket Damen. Ich reraise auf 25.000, alle folden zum originalen Raiser, der dann nach etwa 3 Minuten Bedenkzeit mein Reraise callt. Der Flop bringt :Th :6s :2d und mit den ausholenden Armbewegungen eines Sumo-Ringers und der lautstarken Annonce „All-in“ schiebt er seinen eher bescheiden wirkenden Rest in die Mitte. In Lichtgeschwindigkeit calle ich und er dreht :8h :8c um. Der regelmäßige Leser meiner Artikel weiß natürlich, was jetzt so unaufhaltsam wie das zweite thermodynamische Gesetz passieren musste. Richtig, am Turn erscheint die :8d.Nice game, hasta la vista baby! Erneut springt für mich wieder nur ein Krümelanteil am Preispool heraus. 

Bleibt nur noch die Frage zu klären, warum dieser Blog so spät erscheint. Ganz einfach: Die letzten 3 Tage verbrachte ich mit meinem Umzug nach Las Vegas und der mehr oder weniger erfolgreichen Bekämpfung diverser Jet Lag Probleme. Aber mittlerweile habe ich mich hier wieder ganz gut eingelebt und freue mich schon auf meinen ersten WSOP Einsatz, das 10.000 $ mixed game Turnier. Hier stellt Nolimit Holdem glücklicherweise nur ein Achtel der Action dar, was alleine schon Garant für einen kräftigen Stimmungsaufheller ist. 

Euer Michael von free-888.com

Von Traumturnieren und geplatzten Seifenblasen

Die vergangene Woche verbrachte ich mal wieder nach der Devise: „See Europe in one week!“ Na gut, etwas übertrieben ist das schon, aber ein Hauch von Jet Set haftete dem Terminplan doch an. 

Am Dienstag startete ich nicht ganz so Jet Set-mäßig mit dem bekannten irischen Billigfluganbieter von Baden-Baden aus mit Ziel Girona (Hin und Rückflug für etwa 47 €!!!), um in Peralada meine bescheidenen Dienste bei der Ausrichtung des Live-Finales der World Poker Crown anbieten zu können. Etwa 2 Millionen US$ galt es an dem Finaltisch zu verteilen, allein der erste Platz war mit 1 Million dotiert. Völlig standesgemäß wurden die 10 Finalisten und ihr zweimal so großes Aufkommen an Betreuern und Begleitpersonal von drei Helikoptern im Formationsflug (inklusive Synchronlandung) eingeflogen, während ich erneut nicht ganz so Jet Set-mäßig am Landeplatz stand und die Vorgänge fürs Fernsehen kommentieren durfte. 

Immerhin 9 Loch Golf konnte ich danach noch mit meinem Chef von 888 spielen, ehe wir dann im gemieteten Kleinwagen dem Tross in den Hafen von Roses nachjagten, wo die Finalisten sich gerade mit Speedboot fahren vergnügten. Abgeschlossen wurde der erste Tag dann von einer ausgezeichneten Dinnerparty in einem kleinen katalanischen Ort direkt am Mittelmeer, wobei das Adjektiv ausgezeichnet sowohl die kulinarische Seite des Abends, als auch die Stimmung der Party nur unvollständig zu beschreiben vermag.Das Turnier selbst startete dann am nächsten Morgen schon um 10 Uhr, und zog sich aufgrund der ziemlich spielfreundlichen Struktur (schließlich ging es ja auch um lebensverändernde Preisgeldsummen) bis 2 Uhr morgens hin. Leider musste sich unser einziger deutscher Finalist, Mark Rössler aus Göttingen, schon auf Platz 7 mit einem wirklich herben Bad Beat verabschieden. Das Ganze wurde ihm aber doch noch mit 60.000 US$ versüßt. Lebensverändernd hat sich das WPC-Finale auch für den Sieger ausgewirkt: Jack Hinchey, ein kanadischer Lagerarbeiter von fast 50 Jahren, nahm die Million mit nach Nordamerika. Wer jemals behauptet hat, das Leben im Allgemeinen und Poker im Speziellen sei fair, weiß, dass diese Sicht der Dinge wohl nur mit einer rosaroten Brille möglich ist. Aber so ab und zu blitzt doch mal ein Hauch von Gerechtigkeit durch. Mit Jack hat es den Menschen getroffen, dessen Familie durch das Preisgeld wohl eine Chance erhalten wird, die anders kaum vorstellbar gewesen wäre. Wirklich beeindruckt hat mich ein spontaner kleiner Nebensatz in seinem Interview: „Jetzt kann ich endlich meine Tochter auf der Universität studieren lassen!“ 

Nach dem großartigen Turnierverlauf flog ich am nächsten Morgen zurück nach Deutschland, um mich auf direktem Wege nach Innsbruck zu begeben, weil ich ja unbedingt noch den Main Event der CAPT Serie mitspielen wollte. Meine gute Laune konnte auch nicht wirklich durch die 6 ½ Stunden Stop and Go Pfingstreiseverkehr beeinträchtigt werden und offensichtlich nahm ich auch die Schwingungen vom Peralada Finale mit. Als Tag 1 des Turniers nach 9 Levels und bei noch 20 verbliebenen Spielern beendet wurde, war ich zweiter Chipleader mit doppeltem Average. 

Tag 2 ging ich entsprechend optimistisch an, in der Bubblephase legte ich einen Gang zu und erhöhte meine Preflop Raise Sequenz entsprechend. Schließlich sind die Chips dazu da, auf Arbeit geschickt zu werden. Der Italiener links von mir war nach einer Weile sichtlich genervt von meinen Raises und gerade als ich wieder mal etwas zurückschrauben wollte, lachten mich :Ad :Kc aus meinen Pocketcards an. Mein erneutes Raise wurde diesmal von einem italienischen All-in beantwortet, das ich sofort callte. Mein Gegner drehte :Kx :Qx um. In endloser Wiederholung der Ereignisse der vergangenen vier Monate war es völlig illusorisch auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ich den Showdown gewinnen durfte. Mein verehrter Mitspieler machte selbstverständlich zwei Paar und danach war ich erst einmal short stacked. In den weiteren zwei Stunden, über die sich die Bubblephase zu Elft erstreckte, konnte ich mich schließlich wieder von 31.000 auf 78.000 Chips berappeln und nahm zwar immer noch short, aber keineswegs in akuter Gefahr, am Finaltisch Platz. Die Chance, erneut Chipleader zu werden, sah ich kommen, als mein rechter Nachbar zum zweiten Mal in Folge preflop raiste und ich am Cut off :Qs :Qh fand. Ich ging sofort all-in und nach mehreren Minuten des Überlegens callt er den Bet. Er dreht :Ax :Jx um. Spontan lässt sich der Big Blind zu der Aussage hinreißen: „A-J hatte ich auch, aber ich habe gefoldet!“ 

Das hört sich doch nicht so schlecht an, denke ich mir noch, da habe ich ja glatt über 80 Prozent anstelle der bescheidenen 73 Prozent, mit anderen Worten, es besteht eine winzige Chance, den Showdown zu überleben. Aber schon allein der Gedanke war vermessen. Selbstverständlich erscheint sofort im Flop ein As, ich bin als 10. raus und auch die CAPT Innsbruck reiht sich in die permanente Folge von Finaltischen seit Jahresanfang ein (s. HendonMob Database), ohne wirklich etwas gerissen zu haben. Aus reinem Trotz werde ich vor meiner Abreise zur WSOP nach Las Vegas noch einen Zwischenstopp in Barcelona einlegen, wo ich einen Angriff auf das WPT Turnier vom 23. bis 27. Mai starten werde. 

Euer Michael von free-888.com

Multitasking

Gerade mal drei Wochen dauert es noch, dann geht es wieder nach Las Vegas, zur WSOP. Wer mich etwas näher kennt, kann sich vermutlich auch ohne explizite Beschreibung meine Marschrichtung vorstellen. Bis auf den Main Event werde ich auch dieses Jahr die Nolimit Hold’em Turniere weitgehend links liegen lassen und meine Heil auf den Nebenschauplätzen suchen. Stud und Omaha in allen Stilrichtungen, selbstverständlich auch die Hi/Lo Varianten, stehen auf dem Programm. Am Liebsten sind mir die echten Mix-Events wie H.O.R.S.E und erstmals ist dieses Jahr auch ein echtes Highlight dabei: Der 10.000 $ Buy-in Championship Event in „Mixed Games“. Hier werden gleich acht verschiedene Pokervarianten gespielt und es wird sogar zwischen Nolimit, Potlimit und Splitlimit gewechselt. Ein echtes Traumturnier also! 

Da man in Europa kaum Gelegenheit hat, insbesondere Hi/Lo Games im Livebereich zu spielen und speziell bei den sehr technischen Varianten gewisse Fähigkeiten mangels Training einrosten können, startete ich also bereits vor zwei Wochen mein „Online-Aufwärmprogramm“. Für mich persönlich eignet sich am Besten die Heads Up Sit & Go Variante im Turniermodus, so ab 100 $ Buy-in aufwärts. Heads Up deshalb, weil ich möglichst viele Flops spielen will und dazu gezwungen werde, oft „borderline Entscheidungen“ zu treffen. Bei diesen Trainingssessions ist es zunächst völlig zweitrangig, ob ich das Match gewinne oder verliere. Hauptsache ist, dass ich verschiedene Moves ausprobieren kann und die Gegner entsprechend gut spielen können, was aber ab 100 $ Buy-in recht häufig der Fall ist. 

Vor ein paar Tagen fiel mir ein junger deutscher Spieler auf, der praktisch immer am 100 $ Omaha Hi/Lo Tisch auf „Kundschaft“ wartete. Ich loggte mich ein und stellte schnell fest, dass er wirklich gut spielte. Tighter Grundansatz, fand jedoch zielsicher seine Spots für Moves und er ließ sich auch nicht in die typischen „Hi/Lo Fallen“ locken, drawing auf nur die Hälfte des Pots größere Summen zu investieren. Noch während des Matches fragte er mich, ob wir nicht mehrere Matches, ein „Best of Five“ spielen sollten. Geht klar, sagte ich ihm, aber nur nacheinander. Er gewann prompt den ersten Heat und im Chat drückte ich noch meinen Respekt für seine Skills aus. Nach der Vorstellung, die ich so sehen konnte, drängte sich mir zwangsläufig die Frage auf, warum so ein guter Spieler immer noch bei der 100 $ Buy-in Sektion zu finden war. Im zweiten Heat verlor ich prompt in der Anfangsphase meine DSL-Verbindung und bis ich das Problem mit der Telekom lösen konnte und wieder online war, hatte ich über 90 % meines Stacks verloren und kurze Zeit später auch das zweite Match verloren. Aber mittlerweile hatte ich ein grobes Profil von meinem Mitspieler, schraubte ein wenig meine Preflop-Aggressivität zurück und callte auch mal mit äußerst marginalen Händen seine deftigen River-Bets. Ich gewann das dritte Match, das Vierte und auch das Fünfte. Und während des fünften Heats wurde mir so langsam klar, warum er trotz seiner sehr guten Technik immer noch auf dem 100 $ Level spielt. Er ging so langsam aber sicher „on tilt“. Kaum ein Pot, den ich gewann, wurde nicht ausgiebig mit den überschwänglichsten Umschreibungen für mein Glück kommentiert, der Satz, „wie konntest du nur mein Bet am River bezahlen“, wurde fast schon zum Standardspruch. 

Richtig ernst wurde es dann gegen Mitte des fünften Matches, als ich im Chat lesen konnte: „Lass uns einen zweiten Tisch aufmachen, ich brauche mehr Action“.Ich antwortete ihm, dass ich mit zwei parallelen Heads Up Tischen in Omaha Hi/Lo völlig überfordert sei und keine Perspektive sehe, an beiden Tischen gleichzeitig gutes Poker zu spielen.Mal ganz im Ernst: Ich habe noch nie mehr als vier Tische gleichzeitig gespielt. Das waren dann immer nur volle Nolimit Hold’em Tische und was dabei von mir fabriziert wurde, war absolut tightes Standardpoker. Im Potlimit Omaha schaffe ich drei Tische unter der Voraussetzung, dass an jedem Tisch mindestens vier Spieler sitzen. Und dann frage ich mich oft, ob die eine oder andere Entscheidung nicht deutlich besser ausgefallen wäre, wenn die Reizüberflutung nicht so extrem und die Zeit zum Nachdenken länger gewesen wäre.Ich hege allergrößte Bewunderung für die Genies, die 8, 10 oder 12 Tische gleichzeitig spielen und dabei auch noch vernünftig und mit Gewinnerwartung pokern. Aber in jene Sphären des Pokerhimmels werde ich mich wohl niemals aufschwingen können. Und gerade bei sehr technischen Pokervarianten sind die Entscheidungen postflop höchst individuell und in Schlüsselsituationen oft kompliziert, so dass sich Zeitdruck immer nachteilig auf die Qualität der Entscheidung auswirkt. Ich hatte dem Drängen meines Omaha Hi/Lo Gegners dann als Kompromiss doch noch nachgegeben und ein sechstes Match gespielt, obwohl es schon fast 5 Uhr morgens war. Das Match habe ich auch noch gewonnen. Manchmal ist weniger dann letzten Endes doch mehr! 

Euer Michael von free-888.com